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„Verschandelter“ Walchensee: Wird sein Pegel zu weit abgesenkt? Kraftwerk-Betreiber wehrt sich

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Von: Elena Royer

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Gibt ein trauriges Bild ab: Der Walchensee. Sein Pegel wird im Winterhalbjahr gesenkt. Warum das sein muss, erklärt ein Sprecher des Uniper-Konzerns, welcher das Wasserkraftwerk betreibt. Archi
Gibt ein trauriges Bild ab: Der Walchensee. Sein Pegel wird im Winterhalbjahr gesenkt. Warum das sein muss, erklärt ein Sprecher des Uniper-Konzerns, welcher das Wasserkraftwerk betreibt. (Archivfoto) © Strohe

Die Diskussion über den niedrigen Pegelstand am Walchensee reißt nicht ab. Laut Uniper kann von historischen Tiefstständen keine Rede sein, doch es gibt weiter Kritik.

Walchensee – Der Walchensee bietet momentan einen tristen Anblick. Wie berichtet ist der Pegelstand des Sees im Moment sehr niedrig. Nach unserer Berichterstattung darüber meldeten sich Leser in der Redaktion, die dieses Thema beschäftigt. Sie sind unter anderem der Meinung, dass das „extreme“ Absenken des Sees nicht nötig sei. Ein Sprecher des Unternehmens Uniper, dem das Walchenseekraftwerk gehört, nimmt dazu Stellung.

Uniper: Walchensee-Pegelsenkung schützt Isar vor zu niedrigem Wasserstand

„Die Bewirtschaftung des Sees mit der Absenkung im Winter und einem vollen See im Sommer unterliegt strengen Regeln“, erklärt Uniper-Sprecher Theodoros Reumschüssel. „Sie sind in den Wasserrechtsbescheiden der Behörden fixiert.“ Uniper bewege sich grundsätzlich innerhalb der Grenzen, die diese Bescheide vorgeben. Die dramatischen Darstellungen würden nicht zutreffen, denn: „In den vergangenen Jahren wurden die tiefsten zulässigen Winter-Absenkungen bei Weitem nicht mehr angefahren.“ Weiter erläutert Reumschüssel: Die winterliche Absenkung diene nicht nur dem Hochwasserschutz entlang der gesamten Isar, sondern auch dazu, um den Wasserstand der Isar im Herbst und Winter zu erhöhen, wenn das Flussbett aufgrund von wenig Niederschlag auszutrocknen drohe.

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Reumschüssel hatte den aktuellen Wasserstand als „normal“ und „jahreszeitenüblich“ bezeichnet. Zu dieser Aussage meldete sich ein Leser, der anonym bleiben möchte. Er ist der Meinung, dass dieses Jahr „die Absenkung etwas waghalsig ist“. Reumschüssel merkt dazu an: „Von einer außergewöhnlichen oder übermäßigen Absenkung kann nicht die Rede sein, schon gar nicht von historischen Tiefständen. Sie liegt weit innerhalb der Grenzen des Bescheids.“

Forum Walchensee: „Extreme Pegelsenkung nicht notwendig“

Dem Leser erscheint zudem die Schneerücklage zu gering, um eine sichere Füllung des Sees zu erreichen, ohne den Kraftwerkseinsatz zu drosseln. Reumschüssel erklärt dazu, dass das Maß der Absenkung in Abstimmung mit den zuständigen Behörden erfolge. Dabei werden die aktuelle Schneerücklage, die zu erwartenden Niederschläge und Wasserzuflüsse berücksichtigt. „Weil die Schneeauflage auch heuer nicht überdurchschnittlich groß ausfällt, ist die diesjährige Seeabsenkung weit vom maximal zulässigen Absenk-Ziel entfernt“, betont Reumschüssel.

Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich auch das „Forum Walchensee“ – eine Gruppe von Bürgern, die am See oder in der Region leben – mit der hohen Pegelabsenkung im Winterhalbjahr. „Die extreme Absenkung des Sees ist nicht notwendig“, sagen Henner Beermann und Ulrich Strobel, Sprecher des Forums. Dafür nennen sie folgende Gründe: Zum einen sei die hohe Absenkung im Winterhalbjahr für den Hochwasserschutz nicht notwendig, da Sturzregen nur im Sommer auftreten und mit mäßiger Pegelabsenkung bewältigt werden könne.

Modellrechnung: Absenkung des Walchensee-Pegels wirtschaftlich nicht nötig

Bei der Schneeschmelze sei es ähnlich. „Messdaten zeigen, dass der See für das Schmelzwasser nicht schon vorher erheblich abgesenkt werden muss. Außerdem gehen die Schneemassen stark zurück.“ Dazu verweist Reumschüssel auf die wasserwirtschaftliche Verantwortung für die sichere Bewirtschaftung, die bei Uniper und den zuständigen Behörden liegt. „Sie verfügen dazu auch über die notwendige Expertise.“ Sturzregen sei außerdem keine Bemessungsgrundlage, erklärt Reumschüssel. Starkregen würde dagegen im alpinen Bereich durchaus in die Zeit fallen, in der auch das Schmelzwasser zufließt. Somit müsse ausreichend Raum gewährleistet sein, Wasser zurückzuhalten, um gefährliche Hochwasser zu vermeiden. Zudem müsse eben auch die Isar mit Wasser aufgefüllt werden.

Das „Forum Walchensee“ hat auch eine Modellrechnung aufgestellt, die besagt, dass es für den Konzern wirtschaftlich gesehen keine Rolle spielen würde, den See nur um einen statt um mehrere Meter abzusenken. Dafür hat das Forum Pegelstände, Niederschläge, Zu- und Abflussmengen am Walchensee sowie die zugehörigen Energiemengen des Walchenseekraftwerks festgehalten und mit einer entsprechenden Aufstellung ohne Absenkung verglichen. Das Ergebnis: Der prozentuale Mehrerlös durch die hohe winterliche Pegelabsenkung bewege sich lediglich im unteren einstelligen Bereich. „Natürlich sehen wir nicht die echten Zahlen des Unternehmens“, räumt Beermann ein. „Aber die Rechnung stimmt.“ Für jeden nachzulesen ist sie auf www.forumwalchensee.de.

Anblick des Walchensees im Frühjahr „verschandelt“

„Der relativ kleine Gewinn steht nicht im Verhältnis dazu, im Frühjahr den Anblick des Sees zu verschandeln“, so Beermann. Betriebswirtschaftliche Beweggründe, versichert Reumschüssel, würden bei der alljährlichen Absenkung keine Rolle spielen. „Es geht nicht um den Gewinn, sondern um den Hochwasserschutz und die Niedrigwasseraufbesserung in der Isar.“

Wie berichtet laufen im Jahr 2030 die Wasserrechte am Walchensee aus. Eine gute Gelegenheit nachzujustieren, findet das „Forum Walchensee“. „Wir wünschen uns, dass bei der Neuformulierung des Vertrags mit aufgenommen wird, den Pegel das gesamte Jahr über um nur einen Meter zu senken.“ Reumschüssel macht in dieser Hinsicht allerdings wenig Hoffnung: „Da dadurch der Hochwasserschutz und die ökologisch notwendige Niedrigwasseraufbesserung der Isar im Winterhalbjahr geopfert werden würde, ist es schwer vorstellbar, den Anrainern der Isar diese Konsequenzen zuzumuten.“ Er kann sich nicht vorstellen, dass diese Beschränkungen Teil neuer Auflagen werden.

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