Der "Waldläufer" von Geltendorf

Jetzt spricht die Mutter des toten Serienräubers

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Jürgen P.

Geltendorf - Er sei immer ein netter Kerl gewesen, absolut kein Sonderling oder Einzelgänger. Das sagt die Mutter des bei der Schießerei von Geltendorf getöteten Jürgen P. (49). Er war ihr einziger Sohn.

 Die 79-jährige Anne P. zur tz: „Er hat bestimmt niemanden umbringen wollen. Aber jetzt wo er tot ist, wird ihm alles zugeschrieben.“

Jürgen war ihr einziger Sohn. Er hat im elterlichen Haus in Türkenfeld gelebt. Als sie von der Polizei erfuhr, dass er einen tödlichen Kopfschuss erlitten hatte, brachen für sie und für ihren gebrechlichen Ehemann eine Welt zusammen: „Von diesem Schlag werden wir uns nicht mehr erholen.“ Anne P. bestreitet, dass ihr Sohn ein Spieler gewesen sei: „Er war nie in einer Spielbank.“ Und woher kamen die Schulden, deretwegen die schmucke Villa in Türkenfeld beinahe zwangsversteigert werden musste? „Man hat ihn betrogen“, sagt die Mutter. „Jürgen hat jemandem über 100.000 Euro geliehen und nicht zurückbekommen.“

Schießerei in einem Waldstück in Geltendorf - Mann stirbt

Schießerei in einem Waldstück in Geltendorf  - Mann stirbt

Ihr Sohn habe Freunde und eine Freundin gehabt – „alle in Utting“. Jürgen P. war Mitglied der Schützengesellschaft Ammersee Utting. Dort habe er mit großkalibrigen Waffen geschossen. Bei Wettbewerben nahm er offenbar nicht teil, in den Listen der Vereinsmeisterschaften taucht er nicht auf. Anne P.: „Die Waffen hatte er legal besessen. Sie waren immer im Tresor verschlossen.“

Allerdings nicht am Samstag, dem Tag der tödlichen Schießerei : Sechs großkalibrige Revolver hatte Jürgen P. am Körper getragen, darunter eine langläufige Colt-Replik aus dem Wilden Westen. Einige waren illegal beschafft worden. Bei seinem letzten Raubüberfall in Grafrath war er ebenfalls bewaffnet: Er hatte mehrere Schüsse auf einen Verfolger abgefeuert.

Die Mutter will das alles nicht glauben: „Das müssen erst die Ermittlungen ergeben.“ Polizeisprecher Günther Beck vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord sagt allerdings: „Anhand der Fingerabdrücke konnten wir eindeutig feststellen, dass er der gesuchte Waldläufer war.“ Sechs brutale Überfälle in Greifenberg, Inning, Geltendorf, Türkenfeld und Grafrath gehen auf sein Konto. Nach den Taten war er zu Fuß in den Wald geflüchtet.

In seinem Mitsubishi-Kleibus fand die Polizei selbstgebastelten Sprengstoff. In der Wohnung entdeckten die Beamten Handschuhe und Sturmhauben, die er bei Überfällen getragen hat.

Eberhard Unfried

Innere Verletzungen? Getroffener Beamter noch in der Klinik

Zwei Tage nach der wilden Schießerei von Geltendorf befindet sich der getroffene Polizist noch im Krankenhaus. Zwei Geschosse aus der Waffe des 49-jährigen „Waldläufers“ Jürgen P. hatten den 43 Jahre alten Beamten am Bauch getroffen, der zum Glück eine Schutzweste getragen hatte. Die Geschosse vom Kaliber 357 Magnum, abgefeuert aus einem Revolver, durchdrangen die Weste zwar nicht, hinterließen aber heftige Prellungen. „Die Ärzte müssen noch untersuchen, ob er durch die Schüsse innere Verletzungen erlitten hat“, so Polizeisprecher Günther Beck zur tz.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte, der Vorfall beweise, „wie wichtig es ist, dass auch im Streifendienst die schusssichere Weste getragen wird“. Der 19-jährige Polizeianwärter, der den erfahrenen Beamten begleitet hatte, wird nach wie vor psychologisch betreut.

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