Vorhängeschloss versperrt Rettungsdienst Zufahrt zum See

Frau am Ertrinken - aber die Retter stehen vor verschlossener Schranke

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Durchfahrt versperrt: Diese Schranke war am Sonntag mit einem Vorhängeschloss abgesperrt.

Ein Rettungswagen des BRK ist am Sonntagabend zu einem Badeunfall an den Waldschwaigsee gerufen worden. Eine 50-jährige Frau aus Karlsfeld rang um ihr Leben. Doch die Retter kamen nicht durch.

Karlsfeld – Ein Badeunfall am Sonntagabend am Waldschwaigsee hätte dramatisch enden können: weil eine Schranke mit einem Vorhängeschloss versperrt war. Doch dank der Hilfe von Badegästen und Passanten wurde daraus die Geschichte von einer glücklichen Rettungsaktion – und von großartiger Zivilcourage.

Sonntagabend, 19.30 Uhr, am Waldschwaigsee. Eine 50-jährige Frau aus Karlsfeld stürzt im Uferbereich ins hüfttiefe Wasser. Sie kann nicht schwimmen, wie ein Sprecher der Polizei mitteilte, und droht zu ertrinken. Badegäste bemerken die Notsituation, ziehen die bewusstlose Frau aus dem Wasser. Sie beginnen sie zu reanimieren und alarmieren den Notruf.

Die abgesperrte Schranke befand sich auf der gegenüberliegenden Seite vom Unfallort.

Der Rettungswagen des BRK, besetzt mit einem Rettungsassistent und einem Rettungssanitäter, wird über die Integrierte Rettungsleitstelle alarmiert. Die Retter fahren über den Hadlinger Weg vom Südwesten her zum See. Doch dann versperrt ihnen eine Schranke die Zufahrt, wie der Rettungsassistent mitteilt. Auch ein Notarzt traf mit eigenem Fahrzeug zeitgleich ein. „Die Schranke war abgesperrt mit einem Vorhängeschloss“, sagt der Rettungsassistent. Die Rettungsdienste seien ausgestattet mit dem sogenannten „Feuerwehr-Dreikantschlüssel“, mit dem Pfosten und Schranken geöffnet werden können. Aber den Schlüssel für dieses Schloss haben sie nicht. „Wir haben probiert, den Schlüssel zu organisieren“, sagt der Rettungsassistent. „Das war schon eine Riesen-Dramatik.“ Er spricht mit Passanten, „einer wusste, dass der Kioskbetreiber einen Schlüssel hat“. Der Passant radelt los. „Und ein anderer Passant hat mir sein Fahrrad geliehen“, erzählt der Retter. Denn der Badeunfall habe sich ziemlich genau auf der anderen Seite des Waldschwaigsees ereignet.

Wertvolle Minuten gehen an der versperrten Rettungszufahrt verloren – „sicherlich fünf bis zehn Minuten. Im Falle einer Wiederbelebung wäre das auf jeden Fall lebensentscheidend gewesen“, sagt der Rettungsassistent. Doch als er am Unfallort eintrifft, sieht er, dass die anderen Badegäste die 50-Jährige bereits reanimiert haben. „Die Maßnahmen der Passanten haben der Frau das Leben gerettet“, ist der Rettungsassistent überzeugt. Er habe die Frau dann stabilisiert. Dann trifft auch sein Kollege mit dem Rettungswagen ein. Sie bringen die Karlsfelderin ins Krankenhaus.

Dank der Hilfe der Badegäste und Passanten endete die Rettungsaktion gut. Gut ist auch, dass die Vorhängeschlösser nun entfernt sind. Wie Günther Rustler vom Ordnungsamt der Gemeinde Karlsfeld mitteilte, habe der Bauhof diese Schlösser angebracht. „Denn wenn nicht abgesperrt ist, fahren die Leute rein.“ Aber, erklärt Rustler, die Schlüssel zu diesem Schloss gehören zu einer Schließanlage, die im gesamten Gemeindegebiet verwendet werde, und die Schlüssel seien auch an Rettungsdienste ausgegeben werden. Allerdings gibt er zu, dass diese Methode nicht praktikabel sei – immerhin gebe es eine Vielzahl an Rettungswagen von verschiedenen Unternehmen. Nicht jeder könne mit einem oder mehreren Schlüsseln für Vorhängeschlösser ausgestattet sein.

Und Rustler stellt auch klar: „Natürlich muss der Rettungsdienst ohne Probleme an den Waldschwaigsee fahren können.“ Deshalb habe die Gemeinde sofort reagiert und Abhilfe geschaffen, nachdem sie von dem Badeunfall erfahren hatte. Nun müsse der Bauhof prüfen, ob die Schranke umgebaut werden kann – etwa zu einem Absperrsystem mit besagtem Feuerwehr-Dreikantschlüssel. „Wie genau wir weiter verfahren, wissen wir noch nicht“, so Rustler.

Die beiden Rettungsassistenten jedenfalls sind dankbar für die Hilfe: „Wir möchten uns bei den unbekannten Passanten nochmals herzlich für ihre Zivilcourage bedanken“, zum einen bei den Badegästen, die die erfolgreiche „Laienreanimation“ vorgenommen haben, als auch beiden beiden Radfahren. In heutigen Zeiten, in denen bisweilen Rettungskräfte beschimpft werden, „ist es super, so eine Hilfe zu erfahren“.

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