Dramatische Rettung

Verzweifelte Hilferufe: Tourist auf Schneeschuhen rutscht Wasserfall hinunter - und steckt in Spalt fest

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In diesem Spalt ist der Schneeschuhwanderer gefangen.

Dramatische Szenen nahe der Wallgauer Alm: Ein Urlauber auf Schneeschuhen rutschte einen Wasserfall hinab - und steckte in einem Spalt plötzlich in einer lebensgefährlichen Falle.

Wallgau/Krün Wie eine scheinbar harmlose Winterwanderung zum Albtraum wird, das hat am Sonntagabend ein Urlauber aus Saarbrücken am eigenen Leib erfahren. Seine Schneeschuhtour von der Wallgauer Alm ins Tal hätte der Mann beinahe mit seinem Leben bezahlt. Dass der 43-Jährige „nur“ mit einer Unterkühlung davon kam, bezeichnet ein Helfer der Bergwacht Krün „als Lotto-Sechser mit Zusatzzahl“.

Was war geschehen? Beim Abstieg im tiefverschneiten Estergebirge folgte der Saarbrücker an „Böbls Kurve“ bei der überdachten Bank dem Wegweiser nach Wallgau. Bei rund eineinhalb Metern Schnee traf er den Steig nicht mehr und kam im oberen Teil der Hölzleklamm in einen steilen, unwirtlichen Graben, der sich bald als Falle herausstellte, der er aus eigener Kraft nicht mehr entkommen konnte. Der Einschnitt wurde immer enger. Schließlich fand er mit den Schneeschuhen keinen Halt mehr, rutschte und fiel eine zirka zehn Meter hohe Steilstufe einen kleinen Wasserfall hinunter und landete unten auf einem Schotterbett knietief im eiskalten Wasser.

„Doch der rettende Rand war zu hoch, um wieder hinauf zu kommen“, beschreibt ein Bergwachtmann diesen dramatischen Augenblick. So startete der verzweifelte Urlauber – an die Wand gedrückt – seine Notrufe per Handy. Nach rund 40 fehlgeschlagenen Versuchen und dank eines starken Akkus fand ein Signal ins A-1-Netz und wurde von der Alpinpolizei in Hall in Tirol aufgenommen und an die Rettungsleitstelle Oberland weitergeleitet. Die wiederum alarmierte die Krüner Bergwacht.

Suche nach dem verunglückten Touristen auf Tourenskiern

Die Ortsangaben des Saarländers indes waren äußerst vage. Damit musste die Einsatzleitung mit kriminalistischem Spürsinn gegen 20 Uhr die Suche nach dem Vermissten starten. 16 Bergwachtmänner und zwei Polizisten machten sich auf den Weg und grenzten Zug um Zug das Suchgebiet systematisch ein. Das vorausgeschickte Allterrain Vehicle (Quad mit Raupen) stieß bei den extremen Schneemengen abseits der geräumten Wege bald an seine Grenzen. Auch der von Franz Kriner gesteuerte Pistenbully der Gemeinde kam nur langsam vorwärts. Mit viel Gefühl versuchte er, sich langsam Richtung Wildbäder Moos vorzuarbeiten. Armdicke, in den Weg hängende Äste und Schnee ohne Ende, der den Bully immer wieder abdriften ließ, beendeten rund 500 Meter vor Böbls Kurve die Fahrt.

Jetzt drängte die Zeit, zumal der Polizeihubschrauber Edelweiß, der ÖAMTC Innsbruck und die zu Hilfe gebetene Helikopter-Besatzung REGA aus dem schweizerischen Engadin keine Starterlaubnis erhalten hatten. So wurde die Suche klassisch auf Tourenskiern mit Fellen fortgesetzt. Schließlich machten die Bergretter eine Abstiegsspur eines Schneeschuhwanderers bei dem Wegweiser an der überdachten Bank aus, die Richtung Jungfinz führte.

Der Bergsteiger rief immer wieder um Hilfe

Zirka 200 Höhenmeter tiefer konnte Verbindung hergestellt werden. „Der Bergsteiger hörte nicht mehr auf zu rufen“, schildert einer der Einsatzkräfte. Kein Wunder, hatte der Urlauber in der Todesfalle doch irgendwie mit dem Leben abgeschlossen. Nachdem von oben viel Schnee abgestochen und so seine Position erhöht werden konnte, war es möglich ihn per Skianker und Seil zur Abbruchkante zu ziehen. Dort erfolgte ein Kleiderwechsel. Mit Wärmebags, umgehängtem Biwaksack und den zwischenzeitlich aus dem Wasserfall geborgenen Schneeschuhen hatten die Helfer den Saarbrücker wieder gehfähig gemacht. „Denn ohne Skier oder Schneeschuhe war an ein Vorankommen nicht zu denken“, meint einer der Helfer. So spurten dem Saarbrücker fünf Bergwachtmänner durch mehrfaches Auf- und Abgehen eine Trasse und machten damit einen Ausstieg aus der Jungfinz in Richtung Forststraße möglich. Dabei gaben seine „Schutzengel“ ständig die aktuellen Koordinaten durch. Die Abholung mit dem Pistenbully von der Wallgauer Seite wurde organisiert. Franz Kriner musste unter Aufbieten seiner ganzen Fahrkünste gegen Mitternacht nochmals heran. Es gelang ihm, den Verunglückten bei „Wilhelmi“ aufzunehmen und nach Wallgau abzutransportieren.

Leonhard Habersetzer

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