Angst um ihre Jobs: Abfertiger streiken

Nichts ging mehr am Air-France-Schalter: Streikendes Abfertigungspersonal am Samstag.

Flughafen - Es geht zu wie im Fußballstadion an diesem Samstagmorgen, als die junge Frau den Check-In-Schalter von Air France und KLM im Terminal 1 öffnet. Die Passagiere, die auf diesen Moment seit gut zwei Stunden warten, applaudieren.

Von ihren Kollegen allerdings wird sie erbarmungslos ausgebuht, denn es ist Streik am Münchner Flughafen. Vier Stunden Warnstreik, betroffen sind zwei Flüge nach Amsterdam und Paris.

Das Abfertigungspersonal der Servicegesellschaft Air FranceKLM bangt um seine Arbeitsplätze. „Es sind rund 150 in Deutschland, und allein in München 50“, erzählt Thierry Marchetto, stellvertretender Betriebsrat. Seit elf Jahren arbeitet er bei Air France und hat die zusätzlichen Belastungen mitgetragen. „Früher haben wir täglich für Air France sechs Flüge abgefertigt. Dann kamen Alitalia und KLM dazu, heute kümmern wir uns um 15 Flüge bei kaum zusätzlichen Leuten“, erzählt er. Doch jetzt wehrt er sich, denn es geht um seine Existenz. Die Leute, die an den Verkaufsschaltern, den Check-in-Schaltern, dem Gate-Service und anderen Bereichen tätig sind, sollen in eine neue gegründete Servicegesellschaft mit dem Namen „Havas Europe“ ausgelagert werden. „Das ist ein Billigstanbieter“, sagt Marchetto.

"Die Leute haben kein Interesse an einer ungewissen Zukunft", weiß Ulrich Feder, Verdi-Gewerkschaftssekretär, und erzählt von den vergeblichen Versuchen mit Air FranceKLM Tarifverhandlungen aufzunehmen. Konkret will die Gewerkschaft eine Weiterbeschäftigung im Stammunternehmen auf anderen Arbeitsplätzen, gegebenenfalls auch weltweit, ein Rückkehrrecht zum Stammunternehmen, sowie Transfer- und Qualifizierungsmaßnahmen mit einer garantierten 85 Prozent Einkommensfortzahlung für die Dauer von fünf Jahren erreichen.

Weil von der Geschäftsführung keine Signale gekommen sind, stehen nun zwei Dutzend Leute im Terminal 1 und legen den Betrieb lahm: zum Beispiel Micheline Holder, die damit nach 31 Dienstjahren – vier Jahre vor der Rente – nicht gerechnet hat. Oder Diana Butz-Weigel, auch schon 27 Jahre dabei, für die das Lob, das die Mannschaft noch an Silvester von der Frankfurter Geschäftsleitung erhalten hat, nur noch blanker Hohn ist. „Wir sind sogar unter dem Budget geblieben, aber was nützt uns das“, sagt sie und diskutiert mit einem aufgebrachten Amerikaner. „Ich habe viel Geld fürs Ticket ausgegeben. Kümmert Euch das gar nicht?“, fragt der Mann mit dem Baseball-Cap. „Wir verlieren unseren Job, kümmert Sie das gar nicht?“, bekommt er als Antwort. „So rettet Ihr die aber nicht, denn mit dieser Airline werde ich nicht mehr fliegen“, reagiert er. „Ich habe eine Firma zu leiten. Ich muss zurück nach Sacramento“, murmelt er. Auch Daniel Mädge hat einen dringenden Termin: am Kilimandscharo. Den will er gemeinsam mit seiner Freundin, die dafür extra aus den USA anreist besteigen. „Den Anschlussflug in Amsterdam werde ich wohl verpassen“, befürchtet er. Und trotzdem hat er Verständnis für die Streikenden, „auch wenn sie natürlich mit uns Reisenden die Falschen treffen, aber ich würde sehr gern mit der Geschäftsleitung sprechen“.

Von der ist lange nichts zu sehen. Obwohl tags zuvor bereits in Frankfurt gestreikt worden war, habe sie der Arbeitskampf in München völlig überraschend getroffen, versichert Stationsleiter Klaus Marx den vielen fragenden Passagieren. Immerhin: Er stellt sich den vielen Fragen der Passagiere. Das tut übrigens auch der Pilot der KLM. Geduldig beantwortet er die Fragen, während sich sein französischer Kollege sofort verdünnisiert. Nur eine Aussage lässt er zurück: Er werde auf alle Fälle um neun Uhr nach Paris fliegen. Egal ob mit oder ohne Passagiere – die Maschine werde schließlich in Frankreich gebraucht.

Letztlich sind noch 92 der zuvor 108 gebuchten Passagiere an Bord, als die Maschine mit 140minütiger Verspätung abdüst. Fast drei Stunden Verspätung hat die KLM-Maschine nach Amsterdam. 65 Passagiere, so verrät ein Mitarbeiter, sind an Bord. 54 davon haben ihren Anschlussflug verpasst. (Dieter Priglmeir)

Auch interessant

Meistgelesen

Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bombenalarm am Gymnasium Tutzing: Abi-Prüfungen fanden statt
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Schlägerei in Traglufthalle - Hells Angel als Security?
Schlägerei in Traglufthalle - Hells Angel als Security?
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt

Kommentare