Trauer am Starnberger See

Warum dieser Apfelbaum Max mit seinem toten Papa verbindet 

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Der Grundschüler Max ist nun Halbwaise.

Der geliebte Mann stirbt urplötzlich im Alter von 51 Jahren. Von einer Sekunde auf die nächste ist nichts mehr, wie es war. Nicky Twiehaus aus Pöcking musste das erleben – und durfte gleichzeitig erfahren, wie viel Hilfe einem in diesen dunklen Stunden zuteil wird.

Pöcking – Fronleichnam war ein schöner Tag. Die Sonne scheint, das Thermometer kratzt an der 30-Grad-Marke, viele Ausflügler sind an und auf den Seen unterwegs, in den Cafés, Biergärten und Restaurants wird gegessen, getrunken und gelacht. Auch im Marina Seerestaurant in Bernried und der angrenzenden Seeterrasse ist viel los. Mittendrin im Geschehen: Karsten Twiehaus.

Der 51-Jährige ist stellvertretender Küchenchef im Marina. Erst drei Monate zuvor war er zusammen mit Ehefrau Nicky (47) und dem gemeinsamen Sohn Max (7) von Hannover an den Starnberger See gezogen. Nach dem gemeinsamen Frühstück hat er an jenem Tag seinen Dienst in der Küche angefangen, während seine Familie den Feiertag auf der Hotelanlage genießt, wo sie vorübergehend ein Appartement bewohnt.

„Auf einmal kam eine Mitarbeiterin zu mir und sagte, es sei etwas Schlimmes passiert“, erinnert sich Nicky Twiehaus an jenen Moment, der ihr Leben und das ihres Sohnes für immer verändert hat. Ihr Mann habe gesagt, ihm sei schlecht, er habe Magenschmerzen. Dann verließ er kurz das Restaurant – und brach leblos zusammen. Herzinfarkt mit 51 Jahren.

Rettungskräfte versuchten noch in Bernried, Karsten Twiehaus wiederzubeleben. Auch die Ärzte im Krankenhaus in Tutzing kämpften um das Leben des Familienvaters – letzten Endes vergebens. „Wir waren so glücklich hier, fühlten uns gerade angekommen“, erzählt Nicky Twiehaus. Und dann das. All die Träume, all die Ziele und Hoffnungen, die ganze Zukunftsplanung – von einer auf die andere Sekunde weg, aus und vorbei.

Dankbar für die große Anteilnahme 

Was dann passierte, lässt die 47-Jährige trotz der grenzenlosen Trauer eine große Dankbarkeit empfinden. Denn von ganz vielen Seiten erfuhren die Mutter und ihr Sohn nicht nur Anteilnahme, sondern auch tatkräftige Unterstützung – allen voran von den Kollegen und Chefs des Hotels Marina um Geschäftsführer Lorenz Mayr und Direktorin Daniela Schulze. „Er wollte, dass sich die Mitarbeiter würdevoll verabschieden können“, erzählt Nicky Twiehaus. 

Nicky Twiehaus trauert um ihren Mann

Im ersten Stock des Hotels organisierte Mayr eine Trauerfeier für seinen Souschef, bot der Witwe seine Hilfe an. Jeder Mitarbeiter konnte eine Kerze entzünden. Auch für Ulrike Wilhelm, die 1. Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Tutzing, findet Nicky Twiehaus nur dankende Worte. „Sie hat eine ganz tolle Rede gehalten.“

Dann ist da auch ihre Vermieterin, Johanna Dietrich aus Pöcking. Bei ihr haben Mutter und Sohn ein neues Zuhause gefunden, ein Stück Normalität in diesem dramatischen Jahr. Normalität – nichts mehr wünscht sich die kleine Familie. In Pöcking ist Max dieses Jahr auch eingeschult worden. Er bekommt zudem Unterstützung vom Verein Marienkäfer der Akademie Aidenried, der Kinder und Jugendliche in ihrer Trauer begleitet. Akademieleitung Gudrun Huber spricht viel mit dem Siebenjährigen. „Max muss das ja irgendwie verarbeiten“, sagt Nicky Twiehaus. „Und sie macht das ganz toll.“

Bild von einem Apfelbaum im Sarg

Vielleicht hilft dabei ja auch der Apfelbaum, der seit kurzem im Garten des Hotels Marina steht. Einen Apfelbaum hatte Max nach dem Tod seines Papas nämlich gemalt, dazu sich, seine Eltern, Papas Motorrad und Kater Sammy. Das Bild hat er dann in den Sarg gelegt – der letzte Gruß eines sieben Jahre alten Kindes. Als Pfarrerin Wilhelm das erzählte, reagierte Hotelchef Mayr sofort. Zusammen mit seiner Direktorin kaufte er einen Apfelbaum und pflanzte ihn gemeinsam mit Max ein. Direkt vor Haus 3 des Hotels, dort, wo Karsten, Nicky und Max Twiehaus eine traumhafte Zeit verbracht haben – bis Fronleichnam.

Peter Schiebel/Starnberger Merkur

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