Ungewöhnliche Idee

Warum dieser Dachauer vom Volksfest heimschwamm

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Erfrischende Alternative: Volksfestbesucher Heinz Anton Hrdlicka schwamm von dieser Stelle aus nach Hause.

Dachau - Viele Wiesnbesucher haben ein Problem: Wie komme ich nach dem Genuss von Festbier heim? Auto- und Radfahren mit Promille sind verboten, laufen oft zu langwierig. Warum nicht schwimmen? Diese Idee hatte Heinz Anton Hrdlicka.

Als sich die letzte Note der Musiker am vorvergangenen Samstag im Bierzeltgiebel verlor, war es für Heinz Anton Hrdlicka, 49, Zeit, seinen Spezln adieu zu sagen und nach Hause zu gehen. Der Angestellte hatte gegen 0.30 Uhr gut Gerstensaft intus. Doch betrunken war er, das stattliche Mannsbild, noch lange nicht. Er wollte sich zu Fuß auf den knapp zwei Kilometer langen Heimweg zur Obdachlosenunterkunft bei der Würmmühle machen, als sich seine operierte Bandscheibe meldete. Beim Gehen hatte er Schmerzen. Schnell heim, das wäre schön. Noch schöner wäre es, gäbe es Amper-Gondoliere, die einen heimwärts paddelten und dabei vielleicht „Atemlos durch die Nacht“ trällerten. Denn zwischen Fluss und Bett bliebe nur ein Katzensprung. Eine schöne Geschäftsidee zweifellos. Doch noch gibt es solche Wassertaxis in Dachau nicht. Heinz Anton Hrdlicka beschloss daher: Ich schwimme.

„Ich bin an der Brücke bei der Martin-Huber-Straße runter an den Fluss, habe mich hingesetzt, mit einem Fuß die Wassertemperatur geprüft, Geldbeutel und Schlüssel gesichert und bin dann langsam rein bis zur Mitte“, erinnert sich der Ex-Junkie, der seit zwei Jahren sauber ist. Der 49-Jährige ist in Dachau aufgewachsen und kennt den Fluss wie seine Westentasche. Als Kind hatte er einen Mordsspaß, sich stromabwärts bis zur Stadtgrenze treiben zu lassen. Mit Wehmut erinnert er sich an zurückliegende Bootsfahrten.

In jener lauen Sommernacht trieb Heinz Anton Hrdlicka also frohgemut dahin. Sein böser Rücken tat ihm nicht mehr weh. „Mein Arzt hat mir das Schwimmen nicht verboten. Vor allem Rückenschwimmen sei gut für die Reha“, so der Dachauer. Als er - freilich auf dem Bauch liegend - zur Brücke über die Erich-Ollenhauer-Straße driftete, standen dort Leute. Und die waren sichtlich nervös. Völlig zurecht riefen sie die Rettung, „obwohl ich ihnen zugerufen habe: Macht Euch keine Sorgen. Ich schwimme bloß nach Hause“, wie Hrdlicka zugibt.

Als Heinz Anton Hrdlicka wenig später haufenweise Blaulichter sah, dachte er sich: Die können doch nicht alle wegen mir da sein. Waren sie aber. 50 Kräfte der Wasserwachtteams aus Dachau, Indersdorf und Olching, die Feuerwehr, das THW, der Rettungsdienst und die Polizei standen für seine „Rettung“ parat. Wären alle Stricke gerissen, wären Taucher der Feuerwehr München in die Fluten gehechtet. Eingreifen musste keiner. Der kühne Nachtsportler kletterte von selbst an Land.

Allerdings war Heinz Anton Hrdlicka jetzt sauer. Schließlich lag er noch nicht in den eigenen Federn. Lauthals teilte er seinen Unmut mit, wurde dafür am Boden fixiert und landete in einem fremden Bett mit der Aufschrift: Klinikum Dachau. „Fahrt mich lieber heim“, entgegnete Hrdlicka, der behauptet, niemand persönlich beleidigt zu haben. Doch die Retter überhörten sein Flehen.

„Wir mussten eingreifen“, sagt Polizeikommissar Roland Mayer, „es galt nicht, was zu verhindern, sondern wir mussten schauen, dass ihm nichts passiert.“ Diese Meinung teilt Mayer mit dem Kreisvorsitzenden der Wasserwacht, Oliver Welter. Er verweist darauf, dass es im fraglichen Abschnitt der Amper Stellen mit Sandbänken, Untiefen und Querströmungen gebe, die das Schwimmen lebensbedrohlich werden lassen; wenn man sich nicht auskennt.

Retter Welter sagt aber auch, dass es in der Amper kein offizielles Badeverbot gebe. Zwei weitere gute Nachrichten hat die Polizei für unsere wackere Wasserratte: „Er wird nicht angezeigt und muss auch nicht für den Rettungseinsatz bezahlen“, sagt Roland Mayer. Und noch ein Letztes stellt der Kommissar klar: Es gibt keine Promillegrenze für Schwimmer.

Thomas Zimmerly

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