Ärger mit Behörden nach Schicksalsschlag

Was macht ein Landwirt, der nicht aufgeben will, aber alleine nicht mehr kann?

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Will nicht aufgeben: Landwirt Georg Schmotz vor der Mistlagerstätte seines Hofs in Hausham. Er darf sie nicht mehr nutzen.

Doch trotz eines schweren Unfalls will Georg Schmotz seinen Hof nicht aufgeben. Doch es wird eng - von allen Seiten. Was macht ein Bauer, der alleine nicht mehr kann?

Hausham – Georg Schmotz (54) sitzt auf der Hausbank vor seinem Hof in Hausham und schielt auf die Güllegrube. Es regnet, aber nur leicht. Und das ist gut so. Denn wenn es schüttet, hat Schmotz ein Problem. Dann läuft sein Mistlager über, die braune Brühe ergießt sich in das angrenzende Bachbett – und kontaminiert das Grundwasser. 2017 ist das öfter vorgekommen. „Das war ein Scheißjahr“, sagt der Landwirt und seufzt.

In der Brusttasche seiner blauen Latzhose steckt ein Packen Briefe vom Landratsamt. Die Behörde spricht von „wasserwirtschaftlich und ökologisch untragbaren Zuständen“. Seit vorletzter Woche darf Schmotz seine Güllegrube wegen der „gefährlichen Mängel“ nicht mehr benutzen, teilt Pressesprecher Birger Nemitz mit. Ein bislang einmaliger Fall im gesamten Landkreis. „Eine traurige und tragische Entwicklung.“ Dennoch müsse die Behörde durchgreifen. „Sonst machen wir uns haftbar und strafbar.“

„Da muss was gemacht werden“, sagt er. Aber er weiß nicht, wie

Schmotz sieht ein, dass es so nicht mehr weitergehen kann. „Da muss was gemacht werden“, sagt er. Aber wie er das anstellen soll, weiß er nicht so genau. Und das ist nicht sein einziges Problem. Schmotz hat beide Beine verloren. Ein Unfall beim Holzmachen war der Auslöser. Schlechte Nachsorge, Infektionen, und eine Zuckerkrankheit machten alles noch schlimmer. „Nehmen Sie es ab“, sagte der 54-Jährige zu seinem Arzt. „Es macht ja keinen Sinn mehr.“ Nach den beiden Unterschenkel-Amputationen geht er auf Prothesen und Krücken. Das ziemlich flott. Weitermachen, das ist sein Credo. „Man muss in Bewegung bleiben.“

Das tut er vor allem für seine Tiere. Er liebt sie und sorgt für sie. So gut er eben kann. Neun Kühe und sieben Jungviecher stehen in seinem Stall. Der ist düster, der Boden voll Kot. Zum regelmäßigen Ausmisten reicht es nicht mehr. Dennoch sehen die Tiere nicht unterernährt aus. Auch das Veterinäramt hat bisher keinen Grund zum Einschreiten erkannt.

Schmotz hat keine Hilfe - er steht alleine da

Immerhin ist Schmotz nicht ganz allein auf seinem Hof. Ein wenig Hilfe bekommt er von seinen beiden älteren Geschwistern, die aber nicht mit der Zeitung reden wollen. Sein Bruder hat mit dem Traktor die Güllegrube ausgeräumt, nachdem das Landratsamt vor Kurzem wieder da war. Seine Schwester hilft im Stall. Wie lange noch, sei dahin gestellt. Auch sie ist krank, will raus aus dem Hof. Der Bruder hat einen eigenen Job. Und will sonst ein ruhiges Leben. Der Bauer ohne Beine steht alleine da.

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Das Landratsamt versucht seit Jahren, die Situation in den Griff zu bekommen. Unzählige Male waren die Mitarbeiter vor Ort. „Dies alles ohne Zwangsmaßnahmen“, sagt Nemitz. Aber auch alles ohne Erfolg. Im Februar 2018 habe man dann eine Firma mit der Räumung der Mistlagerstätte und der Güllegrube sowie der Reinigung des in knöcheltiefer Gülle versinkenden Vorplatzes beauftragt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, denn am Grundproblem änderte sich nichts. Mangels Alternativen leert Schmotz trotz des Verbots weiterhin Schubkarren voll Mist in der maroden Grube. Die Behörde reagiert mit Zwangsgeldern.

Die Behörde will, dass er Schafe hält - Schmotz will das nicht

Parallel versucht sie, Schmotz von einer Umstellung auf eine weniger anstrengende Form der Bewirtschaftung zu überzeugen. So könnte er sich zum Beispiel Schafe anschaffen. Die würden weniger Dreck machen und seien auch sonst pflegeleichter. Schmotz schüttelt energisch den Kopf. Die Wolle könne er höchstens zum Wertstoffhof fahren. „Die will doch heute keiner mehr.“ Sein Jungvieh könne er dagegen gut verkaufen. Und bis dahin habe er die Milch. Ganz aufgeben will er seine Landwirtschaft ohnehin nicht. Er brauche die Einnahmen, um seine Erwerbsminderungsrente aufzubessern.

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Deshalb will Schmotz nun mit der Bank und seinen Geschwistern reden und eine neue Güllegrube bauen. Den Stall, den kriegt er schon hin, meint er. Im Sommer seien die Kühe doch eh auf der Weide. Und vom Landratsamt will er seinen Führerschein wieder haben, damit er mit dem Traktor auf die Straße kann. Dann geht das schon wieder alles. Und wenn nicht? Was macht ein Bauer, der alleine nicht mehr kann?

Landwirtschaftsamt: Schmotz bei weitem kein Einzelfall

Rüdiger Obermaier, Sachgebietsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen), nennt gleich mehrere Vorschläge. So könnte Schmotz entweder Pensionsvieh während der Weidezeit auf den Hof lassen, oder die Flächen direkt an andere Landwirte verpachten. In beiden Fällen würde er eine Einnahmequelle behalten, in beiden Fällen müsste er sich aber auch von seinen eigenen Tieren trennen. Nicht vorstellbar für den 54-Jährigen.

Auch wenn sein Schicksal besonders drastisch ist: „Es gibt immer wieder Betriebe, die mit der Entwicklung in der modernen Landwirtschaft überfordert sind“, sagt Obermaier. So würden viehstarke Bauern zunehmend kleinere Höfe aufkaufen, um sich mehr Fläche für das Ausbringen ihrer Gülle zu sichern. An der Bewirtschaftung von schwierigen Hanglagen, die maßgeblich zum Landschaftsbild in der Region beitragen, hätten sie aber meist kein Interesse. Gleiches gilt für Liebhaber, die sich landwirtschaftliche Anwesen als „Schmuckkästchen“ für teures Geld kaufen würden, dabei aber den Markt mit überzogenen Preisen kaputtmachen würden. Und damit jungen Landwirten den Traum vom eigenen Hof zerstören würden.

Diesen Traum also, an dem Schmotz bis heute hängt – und den er keinesfalls loslassen möchte. Irgendwie, sagt er, wird schon alles werden.

sg/kmm

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