Pfusch am Bau in Kirchheim

Fäkalien im Jugendzentrum: „Rülps“ erstmal zu

+
Alles raus: Der Boden musste komplett rausgerissen werden.

Wasser und Fäkalien sind ins „Rülps“ eingedrungen: Das Jugendzentrum bleibt Monate zu. Schuld sind gleich mehrere Fehler.

Kirchheim – Pfusch beim Bau, Wartungsmängel und Handwerker-Fehler haben für das alternative Jugendzentrum „Rülps“ und die anderen Nutzer des Hauses an der Hauptstraße 35 in Kirchheim gravierende Folgen: Denn diese Mischung mehrer Fehler führte zu einem teuren Wasserschaden im Keller. Der Schaden beläuft sich auf satte 150 000 Euro, das Rülps bleibt für viele Monate geschlossen.

Der Hintergrund: Regelmäßig spült der Kirchheimer Wasserversorger sämtliche Kanäle durch. Dabei kam es zu einer Verkettung von Fehlern, wie Adrian Okrey von der Bauabteilung berichtet. Eine Reinigungsöffnung im Revisionsschacht war nicht korrekt verschraubt worden. Durch die Rückstauklappe im Gebäude wurde das Kanalwasser – angereichert mit einer kräftigen Portion Fäkalien – zurückgestaut und trat über den offenen Revisionsschacht vor dem Gebäude aus. Dort sollte es eigentlich versickern, doch offensichtlich wurde das Gebäude nicht gebaut wie vorgegeben: Anstelle von zwölf Kubikmetern die versickern können müssen, beträgt die Kapazität nur drei Kubikmeter. Dies ergab ein Gutachten, sagte Okrey.

Das Gebäude muss nun saniert werden.

Zudem, so berichtete Gemeinderat Franz Glasl (CSU) nach einer Ortsbesichtigung, waren Gullis und Schächte randvoll mit Blättern und Dreck. „Da konnte gar nichts ablaufen.“ Das Ergebnis dieser Verkettung: Große Mengen Schmutzwassers liefen über die Türen von Werkstatt, Küche und den Räumen des Rülps in das Gebäude.

Das Ergebnis des sofort eingeschalteten Gutachters war ernüchternd: Der gesamte Estrich, die Dämmung sowie die Abdichtung in den betroffenen Räumen mussten entfernt werden. Ob das auch im Flur und weiteren Räumen nötig ist, wird noch geprüft. „Als Grund für die Entfernung des gesamten Bodens führte der Gutachter die Verunreinigung durch Fäkalkeime an, die ein Gesundheitsrisiko für die Nutzer darstellen“, erläuterte Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU) im Bauausschuss.

Man habe versucht, über alte Rechnungen den Verantwortlichen für die mangelhafte Ausführung der Entwässerung zu finden. Dies sei ebenso vergeblich gewesen wie die Suche nach demjenigen, der die offene Reinigungs-Klappe zu verantworten hat. „Wir rechnen nach einer ersten Schätzung mit Kosten von rund 150 000 Euro.“ Glasl glaubt aber eher: Es war kein Fehler beim Bau des Gebäudes schuld. „Hätte man dort regelmäßig Blätter und Dreck entfernt, dann wäre das Wasser auch abgelaufen.“

Das Problem: Starkregen könnte jederzeit zu weiteren Wasserschäden führen. Daher soll nun erst das Entwässerungsproblem gelöst und danach den Estrich innen erneuert werden. Das bedeutet für die Nutzer wie das Rülps, dass sie die Räume längere zeit nicht nutzen können. Denn die „Instandsetzung der Entwässerung kann erst nach der Frostperiode erfolgen“, erläuterte Böltl.

Leergeräumt: Der Proberaum und das Tonstudio mussten umziehen.

Bitter, aber die Nutzer des Hauses haben improvisiert, wie Jugendzentrumsleiter Alexander Tielker berichtete. „Einige Bands proben jetzt im ersten Stock, dahin ist auch das Tonstudio umgezogen. Von den Rülps-Partys werden einige im Erdgeschoss stattfinden. Und die Tafel, die im Keller Lagerräume hatte, muss sich jetzt einen Raum mit dem Schlagzeug teilen.“ Aber mit Toleranz und Verständnis könne man das Beste aus der Situation machen.

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Fund von verwester Leiche in Hohenbrunn: Polizei nennt weitere Details
Nach Fund von verwester Leiche in Hohenbrunn: Polizei nennt weitere Details
Rettungsaktion endet tragisch: Zwei Tote in Pullinger Weiher - neue Details zu Opfern
Rettungsaktion endet tragisch: Zwei Tote in Pullinger Weiher - neue Details zu Opfern
Raseralarm! Autorennen mitten in Garmisch-Partenkirchen endet schrecklich
Raseralarm! Autorennen mitten in Garmisch-Partenkirchen endet schrecklich
Schienenbruch legt Bahnstrecke nach Garmisch-Partenkirchen lahm
Schienenbruch legt Bahnstrecke nach Garmisch-Partenkirchen lahm

Kommentare