Wegen Frauen-Phobie: Mann wirft Döner auf Mutter und Tochter

Geretsried - Ein 36-jähriger Geretsrieder leidet unter einer sehr speziellen Paranoia: Er fühlt sich von Frauen bedrängt. Jetzt stand er vor Gericht, weil er einen Döner nach einer Frau geworfen, aber deren Kind getroffen hatte.

Eigentlich hatte die Frau an jenem 5. Juli 2010 nur flüchtig Notiz von dem Mann genommen, der an der Geretsrieder Böhmwiese in der Nähe der Müllcontainer auf einer Bank saß. Doch das sollte sich ändern. Denn als die 45-jährige Betreuerin des Waldkindergartens ganz nach ihrer Gewohnheit mit ihrer Tochter (2) noch ein wenig spielte, bevor sie gemeinsam nach Hause fuhren, stand der Mann plötzlich auf und ging auf Mutter und Tochter zu. „Er war sehr aggressiv und hat einfach geschimpft, auf Frauen, auf Kinder“, erinnerte sie sich am Amtsgericht. „Und was er gegessen hat, schmeißt er meiner Tochter ins Gesicht.“ Es war der Rest eines Döners, der das Kind traf, und zwar im Auge. Deshalb stand der Mann auch vor Gericht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: gefährliche Körperverletzung.

Der Angeklagte leugnete die sonderbare Tat nicht. Eigentlich hatte der Tag gut für ihn angefangen. „Es war ein heißer Sommertag, und ich war richtig gut gelaunt“, erzählte der 36-jährige arbeitslose Geretsrieder. Mittags habe er sich einen Döner und eine Flasche Bier gekauft, sei dann zur Böhmwiese geradelt und habe sich dort zum Essen auf die Bank gesetzt. Irgendwie sei er mit der Frau in Streit geraten, und am Ende habe er reflexartig mit der Mahlzeit geworfen. Ziel der Attacke war jedenfalls nicht das Kind. „Wenn, dann wollte ich die Frau treffen“, sagte er. Er habe sich nämlich angegriffen gefühlt.

Offenbar kommt das öfter vor. Der 36-Jährige wurde auf der Böhmwiese nicht zum ersten Mal auffällig. Ein Polizist erklärte im Zeugenstand, dass er den Mann an diesem 5. Juli dabei beobachtet habe, wie er auf dem Radweg an der B 11 eine Gruppe Mädchen erschreckte. Eine Zeugin des Vorfalls hatte mit dem Angeklagten auch schon ihre Erfahrung gemacht. Sie war einmal in einer Bäckerei mit dem Kinderwagen nicht schnell genug aus der Tür gekommen. „Da habe ich mir allerhand frauenfeindliche Sprüche anhören müssen.“ Des Rätsels Lösung: Der Mann ist krank.

Ein Münchner Nervenarzt attestierte ihm vor dem Amtsgericht eine Persönlichkeitsstörung. „Er ist emotional labil und reagiert paranoid auf Frauen“, erklärte er. „Er fühlt sich von ihnen bedrängt und hat das Gefühl, er müsse sich wehren.“ Der Verteidiger machte geltend, dass der Döner-Wurf „aufgrund einer falschen Wahrnehmung geschah“. Er plädierte für eine kurze Bewährungsstrafe und strengere Therapieauflagen. „Meine Aggressivität muss behandelt werden“, erkannte auch der 36-Jährige. „Gefängnis ist nichts für mich. Da würde das Ganze noch gesteigert.“ Das sah Richter Helmut Berger anders. Er verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, auch angesichts seines Vorstrafenregisters. „Seine psychische Auffälligkeit geht zwar über das Normale hinaus, aber nicht so extrem, dass wir an eine Unterbringung denken müssen“ sagte er in seiner Urteilsbegründung. Da er immer wieder zu Straftaten neige und „alle Therapien nicht gefruchtet und frühere Strafen nichts bewirkt haben“, sah der Richter diesmal keinen Anlass für eine Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

vu

Rubriklistenbild: © dpa

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