Lärm und Gefahr

Raser ängstigen Anwohner

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Raser in der Altstadt: Es geht nicht nur um den Lärm, sondern um die Gefährdung von Menschen.

Es geht nicht nur um Lärm, es geht um Leben und Tod: Die Anwohner der nächtlichen Rasermeilen in Dachau und im Landkreis haben es satt. Wolfram Pfeiffer aus Hebertshausen schlägt eine Ermittlungsgruppe vor.

Landkreis– Manchmal hat Burak Sel Angst, dass jemand in die sitzende Menschenmenge vor seinem Restaurant in der Altstadt hineinrast. Burak Sel, 25, arbeitet im Effe & Gold in der Altstadt und sagt: „Irgendwann verliert jemand die Kontrolle über sein Auto, und dann passiert etwas.“ Für ihn geht es nicht mehr nur um den Lärm, den die Raser in der Altstadt verursachen, die mit mehr als 50 Stundenkilometern durch die 30er Zone brettern. Für ihn geht es um Menschenleben.

Auch Wolfram Pfeiffer muss Angst um seine Enkel haben, wenn er die Haustür aufmacht. Der 65-jährige Rentner wohnt an der Dorfstraße in Prittlbach. 50 Stundenkilometer sind dort erlaubt. Aber vor allem am Wochenende fahren manche mit rund 40 Stundenkilometern zu schnell vorbei, sagt er. Die Raser stören nicht nur ihn: Im ganzen Landkreis drücken Autofahrer nachts auf die Tube, für die Anwohner ist das eine enorme Belastung. Pfeiffer schlägt deshalb eine Ermittlungsgruppe gegen die „Auto-Poser-Szene“ wie in Rosenheim vor.

In der Ermittlungsgruppe arbeitet die Polizei mit den benachbarten Polizeiinspektionen, Führerscheinstellen, Ordnungsämtern und Verkehrsbehörden der Stadt und des Landkreises zusammen. Das Ziel: Wiederholt aufgefallene Täter – vor allem mit illegal aufgemotzten Fahrzeugen – aus dem Verkehr ziehen. Auch Anwohner oder Verkehrsteilnehmer können der „Sonderkommission Raser“ Hinweise geben, wenn sie zum Beispiel illegale Straßenrennen und gefährliche Beschleunigungsmanöver beobachten – oder sich nachts über den Lärm der Raser ärgern. Sie können das Nummernschild der Polizei melden und angeben, wo und in welche Richtung der Raser gerade unterwegs ist.

„Die Bürger dürfen sich ja schon jetzt bei uns melden“, sagt Peter Grießer vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord, wenn zum Beispiel jemand ausgebremst wird oder ein Fußgänger zur Seite springen muss, weil er sich nur so vor einem Raser retten kann. Derzeit sehe das Präsidium allerdings keinen Anlass, eine Ermittlungsgruppe gegen Raser für den Landkreis Dachau einzurichten: „Denn so hervorstechend ist das Problem nicht. Raser wie hier gibt’s auch anderswo“, sagt Peter Grießer.

Auch Verkehrsexperte Richard Wacht sagt, dass die Dachauer Polizei schon jetzt viele Meldungen von Anwohnern bekomme, die sich über zu schnelle Autofahrer in ihren Wohnstraßen ärgern. Ein Problem mit den Rasern sieht er in Dachau oder Karlsfeld nicht, sondern eher auf den Straßen außerhalb der Orte.

Bernd Wanka, 48, ehemaliger Verkehrsreferent in Karlsfeld, sieht das anders, er wohnt in der Nähe der Münchner Straße. Ende August ist ein Raser mit 155 Stundenkilometern über die Dachauer Straße gebrettert. „Jetzt ist es bewiesen, was uns die Polizei lange nicht geglaubt hat“, sagt er. Die Dachauer Straße in Ludwigsfeld sei die Verlängerung der nächtlichen Rasermeile Münchner Straße. „Wir brauchen höhere Strafen für Raser in geschlossenen Ortschaften, wie es sie zum Beispiel in Italien oder Österreich gibt.“

Gisela Hutner, 58, Hausfrau aus Dachau, wohnt in Dachau-Süd, etwa 500 Meter Luftline von der Münchner Straße entfernt: „Vor allem abends höre ich den Lärm. Oft hört es sich aufgemotzt an.“ Auch wenn sie abends in einem Restaurant an der Münchner Straße sitzt, brettern Autofahrer vorbei, mit mehr als den erlaubten 50 Stundenkilometern: „In vielen Städten ist schon etwas wegen der Raserei passiert. Muss es erst bei uns soweit kommen?“

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