Das Netz feiert ihn

Wegen ständigem S-Bahn-Chaos: S1-Pendler zieht aus Freising weg

Verspätungen, Zugausfälle, Ersatzverkehr: Wer täglich mit der S1 fährt, braucht starke Nerven. Ein Freisinger Pendler (42) hatte das Dauerchaos jetzt satt – und ist deswegen umgezogen. Das Netz feiert ihn dafür.

Freising – Für Alexander B. beginnt jetzt ein entspannteres Leben. Und zwar tagtäglich, auf dem Weg zur Arbeit in München und in den Feierabend. Denn der 42-jährige Systemadministrator hatte die ständigen Verspätungen und Ausfälle der Züge und S-Bahnen auf der Linie S1 derart dick, dass er deswegen von Freising nach Planegg umgezogen ist. Jetzt genieße er die um einiges zuverlässigere S6, wie er sagt.

Sagt der S1 Servus: Alexander B. fährt jetzt S6.

Dass sein Fall publik geworden ist, dafür hat er selbst mit folgendem Facebook-Post in der 800 Mitglieder starken Pendler-Gruppe „Meine S1 kommt nicht“ gesorgt: „Liebe Gruppe, ihr habt gute Nerven. Bin wegen der ganzen Sache so genervt gewesen, dass ich umgezogen bin. Ich sag’ mal Goodbye, da mich die S1 seit einer Woche nicht mehr tangiert.“ Die Reaktionen auf den halböffentlichen Abschiedsbrief, garniert mit einer Grafik vom Freisinger Bahnhof, sind einhellig: Viele User drücken in Reaktionen und Kommentaren ihr Verständnis aus und feiern die Konsequenz des 42-Jährigen.

„Du fragst dich als Passagier: Was ist nun schon wieder los?“

Unsere Zeitung hat mit Alexander B. am Dienstag gesprochen und viele Anekdoten voller S-Bahn-Frust zu hören bekommen. „Die Störungen auf der Linie S1 sind wirklich schlimm. Du kannst dich nie auf den Zug verlassen. Es passiert ständig, dass du an den Bahnsteig kommst – und schon gehen die Lautsprecher an: ,Duh duh duh‘ – gefolgt von der nächsten Verspätungsmeldung. Oder die Bahn fährt normal los und wird plötzlich langsamer oder bleibt gleich stehen, während dein Zug überholt wird. Und wegen mangelnder Informationen fragst du dich als Passagier: Was ist schon wieder los?“ Knapp 180 Euro habe er im Monat für seine Fahrkarte bezahlt – und findet: „Den Leuten wird zu viel zugemutet für das viele Geld, das sie an den MVV zahlen.“

Der Abschieds-Post aus der Facebook-Gruppe.

In den vier Jahren, in denen er täglich von Freising zu seiner Arbeit am Münchner Isartor gependelt sei, hat Alexander B. wegen unplanmäßiger Stopps so gut wie jeden S-Bahn-Steig zwischen den beiden Orten kennengelernt. Auch an den Flughafen hat sich sein Zug immer wieder wegen Streckensperrungen verirrt. „Die Taxi-Kosten, wenn die Bahn mal wieder komplett ausgefallen war, gehen ganz schön ins Geld. Da ist man schnell mit 80 Euro dabei.“ Ob er sich über all die Störungen denn auch bei der Bahn beschwert habe? – „Klar“, sagt B. und lacht. „Da kam dann mal ein Bayernticket zurück. Das ist nett, aber das ändert natürlich nichts am Zustand der Strecke.“

„Freising ist eine schöne Stadt. Aber was nützt es, wenn man mit dem Zug nicht ordentlich herkommt“

In der Facebook-Gruppe, in der Alexander B. seinen Abschied postete, habe er laufend verfolgt, wie sich die Beschwerden von anderen Pendlern häuften. „Da steht fast täglich: Fällt aus. Fällt aus. Fällt aus.“ Nun also war für ihn die Entscheidung klar: „Das Maß an Überraschungen ist voll. Freising ist eine schöne Stadt, aber was nützt es, wenn man mit dem Zug nicht ordentlich herkommt?“

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