Brückendrama in Genua - Weitere Todesopfer - Neunjähriges Mädchen und seine Eltern geborgen

Brückendrama in Genua - Weitere Todesopfer - Neunjähriges Mädchen und seine Eltern geborgen

Gericht stärkt recht von Reisenden

Wegen Verspätung: Fluggesellschaft muss Schadenersatz zahlen 

+
Passagiere haben eine Airline verklagt - und Recht bekommen.

Erding - Sieben Stunden Verspätung, weil ein Lesegerät für Bordkarten defekt war. Zwei Passagiere haben die betroffene Airline wegen des Vorfalls vom Juli 2015 verklagt. Nun ist in Erding das Urteil gefallen – es stärkt die Rechte von Reisenden.

Wann muss eine Fluggesellschaft ihren Passagieren Schadenersatz zahlen? Diese Frage stand schon öfter im Zentrum von Gerichtsverfahren, nun einmal mehr vor dem Amtsgericht Erding. In dem Zivilverfahren klagten zwei Passagiere auf Entschädigung, weil sie sieben Stunden später als geplant am Flughafen München ankamen – mit Erfolg.

Die Kläger hatten am 1. Juli 2015 einen Flug von Faro in Portugal nach München gebucht. Laut Gerichts-Sprecher Stefan Priller konnten sie die Maschine aber nicht besteigen. Zur geplanten Startzeit stand der Flieger nämlich noch in Israel, weil er am Vorabend nicht vor Beginn des um 22.40 Uhr einsetzenden Nachtflugverbots startbereit war. In Tel Aviv war die Airline irrtümlicherweise davon ausgegangen, dass noch nicht alle eingecheckten Passagiere an Bord waren. Laut Computer fehlten 16 Reisende, deren Gepäck sich aber schon in der Maschine befand.

Eine aufwendige Suche im Flughafen begann. Andernfalls hätten die Koffer wieder ausgeladen werden müssen – eine Vorsichtsmaßnahme gegen Terrorakte. Die Suche war allerdings völlig umsonst: Denn tatsächlich saßen alle Eingecheckten längst im Flieger. Es handelte sich lediglich um einen Fehler des Bordkarten-Lesegeräts. Bis das Personal das bemerkt hatte, war es Nacht. Die Maschine durfte nicht mehr starten – und fehlte anderntags in Portugal.

Im Prozess berief sich die verklagte Fluggesellschaft auf den technischen Fehler und argumentierte, sie könne deswegen nicht in Regress genommen werden. Das Amtsgericht Erding sah das anders. Es entschied, dass ein defekter Scanner kein außergewöhnlicher Umstand ist, der die Airline von ihrer Zahlungspflicht nach der Europäischen Fluggastrechteverordnung befreit hätte. Schließlich hätte man sich durch einfaches Zählen der Passagier an Bord rasch Gewissheit darüber verschaffen können, ob tatsächlich Passagiere fehlten.

Die Airline akzeptierte das nicht. Deshalb überprüfte das Landgericht Landshut das Urteil der Erdinger Justiz und signalisierte der Beklagten, dass es die Sach- und Rechtslage ebenso bewerte wie das Amtsgericht. Die Fluggesellschaft zog die Berufung zurück. Damit ist das Urteil rechtskräftig (Az. 3 C 2287/15). Die beiden Kläger bekamen je 400 Euro zugesprochen.

Das Urteil könnte die Rechte von Flugreisenden in ganz Europa nachhaltig stärken. Es ist nicht das erste Mal, dass die Erdinger Justiz im Zusammenhang mit europäischen Musterurteilen steht. Das liegt daran, dass das Gericht für den Flughafen München zuständig ist. Darüber hinaus kann beim Reiserecht der Gerichtsstand oft relativ frei gewählt werden.

Die Direktorin des Amtsgerichts, Ingrid Kaps, verweist darauf, dass immer öfter Erding als Verhandlungsort gewählt werde – wohl auch wegen der verhältnismäßig kurzen Verfahren und der verbraucherorientierten Urteile. Die Beliebtheit hat aber auch eine Kehrseite: Das Gericht ist im bayernweiten Vergleich besonders hoch belastet.

Reiserecht: Gründe für den Reiserücktritt - und welche Versicherung wichtig ist

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
1. Tod oder unerwartete, schwere Erkrankung der versicherten Person oder einer Risikoperson (z.B. Angehörige oder Mitreisende). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
2. Unerwartete Impfunverträglichkeit. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
3. Schwangerschaft der versicherten Person oder einer Risikoperson. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
4. Erheblicher Schaden am Eigentum durch Feuer, ein Elementarereignis oder die Straftat eines Dritten (z.B. Einbruch). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
5. Verlust des Arbeitsplatzes aufgrund einer unerwarteten betriebsbedingten Kündigung durch den Arbeitgeber. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
6. Konjunkturbedingte Kurzarbeit über einen bestimmten Zeitraum mit Reduzierung des Bruttoeinkommens (mindestens 35 Prozent). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
7. Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses, falls die Person bei Reisebuchung arbeitslos war und das Arbeitsamt der Reise zugestimmt hatte. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
8. Arbeitsplatzwechsel, vorausgesetzt die Reise wurde vor Kenntnis des Wechsels gebucht und die Probezeit fällt in den Reisezeitraum. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
9. Wiederholung von nicht bestandenen Prüfungen an einer Schule oder Universität. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
10. Nichtversetzung eines Schülers (z.T. mit der Einschränkung: falls es sich um eine Schul- oder Klassenfahrt handelt). © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
11. Bruch von Prothesen oder unerwartete Lockerung von Implantaten. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
12. Trennung (Nachweis der Ummelde-Bescheinigung) oder Einreichung der Scheidungsklage. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
13. Unerwartete gerichtliche Ladung, sofern das Gericht einer Verscheibung des Termins nicht zustimmt. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
14. Unerwartete schwere Erkrankung, schwerer Unfall oder Impfunverträglichkeit eines zur Reise angemeldeten Hundes. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
15. Einladung als Trauzeuge zu einer Hochzeit, wenn der Termin in der Zeit des lange vorausgeplanten Urlaubs liegt. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
16. Ausfall der Urlaubsvertretung eines Selbständigen, z.B. wegen Krankheit. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
17. Überraschende Qualifikation einer Sportmannschaft für das Bundesfinale, bei der die Teilnahme der Person (des Kindes) unverzichtbar ist. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
18. Unerwartete Verlegung eines Fußballderbys auf den Urlaubsbeginn des Dauerkartenbesitzers. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
19. Notwendiger Beistand einer schwer erkrankten Freundin bei einer unvorhersehbaren Verschlechterung der Krankheit. Hier ist eine Nennung von Zeugen notwendig, die das innige Freundschaftsverhältnis bestätigen. © dpa
Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt
20. Unerwarteter Termin zur Spende von Organen oder Geweben (z.B. Knochenmark). © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Rettungsaktion endet tragisch: Zwei Tote in Pullinger Weiher - neue Details zu Opfern
Rettungsaktion endet tragisch: Zwei Tote in Pullinger Weiher - neue Details zu Opfern
Schienenbruch: Anwohner hört lautes Geräusch - Strecke lange gesperrt - SEV-Busse überfüllt
Schienenbruch: Anwohner hört lautes Geräusch - Strecke lange gesperrt - SEV-Busse überfüllt
Er kaufte ein Haus mit sehr seltsamem Namen - und zog aus München hin
Er kaufte ein Haus mit sehr seltsamem Namen - und zog aus München hin
Josefin (14) aus Hallbergmoos wird vermisst - erste Spur führt nach München
Josefin (14) aus Hallbergmoos wird vermisst - erste Spur führt nach München

Kommentare