Weil sie ihn weckte: Sohn würgt Mutter

Holzkirchen - Ein 23-jähriger Holzkirchner ist am Dienstag brutal auf seine Mutter losgegangen. Der Grund: Sie wollte ihn morgens aufwecken. Nur ein mutiger Nachbar verhinderte Schlimmeres.

Ein fürchterliches Familiendrama hat sich am Dienstag in Holzkirchen ereignet. Und das anscheinend aus einem nichtigen Grund: Weil seine Mutter ihn aufwecken wollte, ist ein 23-Jähriger ausgerastet. Er ging wütend auf sie in der gemeinsamen Wohnung los. Nur ein Nachbar, der eingegriffen hat, konnte Schlimmeres verhindern. „Das war eine heroische Tat“, lobt Stefan Sonntag, Pressesprecher im Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Gegen sieben Uhr morgens stand die 54-Jährige am Bett ihres Sohnes. Als sie ihn wecken wollte, richtete er sich auf und schlug plötzlich auf sie ein. Seine Mutter stürzte zu Boden, wo sie der Sohn würgte und ihr schließlich einen Pullover auf das Gesicht drückte. Die Frau schrie zuvor mehrmals um Hilfe. Diese Schreie hörten ein 31-Jähriger und seine 30-jährige Bekannte in der Nachbarwohnung. Der junge Mann nahm sich ein Herz und trat die Wohnungstüre ein, hinter der sich die Auseinandersetzung abspielte. „Dann hat er den Tatverdächtigen von seinem Opfer weggezogen“, sagt Sonntag. Doch der Angreifer hatte sich noch nicht beruhigt. Als die Polizei eintraf, schlug der Sohn noch eine Scheibe ein. Schlimmer noch: Als die Beamten den ihn festnehmen wollten, widersetzte er sich derart, sodass sie ihn zu Boden drücken mussten, um ihn zu fesseln. Auch in der Wohnung hatte der Holzkirchner ordentlich gewütet. „Viele kaputte Dinge lagen herum“, sagt der Pressesprecher.

Zwar habe der Helfer außerordentlichen Mut bewiesen, aber: „Das geht eigentlich weit über das hinaus, was wir von Bürgern erwarten können.“ Ohne die Leistung des Nachbarn schmälern zu wollen, fügt er hinzu: „Normalerweise raten wir den Bürgern, sofort die Polizei anzurufen und lediglich Hinweise zu sammeln.“ Um später eine Zeugenaussage machen zu können.

Die Kriminalpolizei Miesbach hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Weil der Mann seine Mutter gewürgt und ihr die Luft abgedrückt hatte, gehen die Beamten von einem versuchten Totschlag aus. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft München II einen Antrag auf Haftbefehl gestellt, den der zuständige Richter am gestrigen Mittwoch erlassen hat. Die Beamten brachten den Holzkirchner in eine Justizvollzugsanstalt. Ob der Angreifer angesichts der Brutalität unter Drogen stand, ist noch unklar. „Die Untersuchungen hierzu laufen“, erklärt Konrad Paulus, stellvertretender Leiter der Kripo Miesbach.

Eines aber ist gewiss: Der Helfer ist äußerst bescheiden. Denn er will anonym bleiben.

Marlene Kadach

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Wirtshausbesuch: Pedelec-Fahrer liegt tot im Wald
Nach Wirtshausbesuch: Pedelec-Fahrer liegt tot im Wald
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Schlimmer Grillunfall: Rentner (70) zündet seine Frau an
Schlimmer Grillunfall: Rentner (70) zündet seine Frau an
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion