Weil Garching so gefährlich sein soll

Frau schlägt sich selbst mit Hammer K.o.

+
Dramatische Momente: 60 Einsatzkräfte der Polizei suchten rund um das Werner-Heisenberg-Gymnasium nach einem Bewaffneten – den es gar nicht gab, wie die Ermittlungen der Polizei jetzt ergeben haben.

Garching - Völlig unglaublich: Anfang März löste eine Frau einen Großeinsatz der Polizei aus, weil sie angeblich ein bewaffneter Mann in der Nähe des Werner-Heisenberg-Gymnasiums bedroht hatte. Jetzt kam raus: Das alles ist nur in ihrer Fantasie passiert.

So hat sie sich die Verletzungen, die ihr angeblich der Unbekannte zugefügt hatte, selbst zugefügt.

Bei einer Vernehmung durch die Polizei am Freitag legte die 41-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Als Grund für ihre falschen Aussagen gab sie an, sie habe aus Garching wegziehen wollen, doch ihr Ehemann habe diesem Wunsch nicht entsprochen. „Sie wollte ihm damit klar vor Augen führen, wie gefährlich es in Garching sei“, teilt die Polizei mit.

Die Geschichte, mit der die Kinderpflegerin und Mutter eines Sohnes die Polizei und die Öffentlichkeit in Atem gehalten hatte, klang ungeheuerlich: Die Frau hatte am 3. März die Notrufzentrale der Polizei alarmiert und berichtet, dass ihr ein unbekannter, maskierter Mann im Keller ihres Hauses begegnet sei und gesagt habe, er suche eine Schule und es gebe zu viele Ausländer und Asylanten in Garching. Dann habe er ihr mit einem Hammer gegen den Kopf geschlagen, ihr einen Revolver gegen die Stirn gedrückt und sie aufgefordert, sich auszuziehen. Nachdem sie ihr Oberteil ausgezogen hatte, sei der Täter angerufen worden, habe sie aber weiter mit der Waffe bedroht und schließlich mit den Worten „Heil Hitler“ den Keller verlassen. Die Polizei fand die 41-Jährige über einer Leiter liegend bewusstlos mit Verletzungen am Kopf auf. Sie gab an, ihre Füße ab dem Oberschenkel nicht mehr zu spüren und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Am 11. März fand der Ehemann einen Drohbrief mit Hakenkreuz im Briefkasten. Sinngemäß wurde die Familie darin aufgefordert, sie solle dafür sorgen, dass alle Asylanten aus Garching verschwinden, sonst sei jedes Kind in Gefahr.

"Er hat mich, er hat mich, er hat eine Waffe"

Einen weiteren angeblichen Vorfall gab es dann am 16. April: Der Ehemann verständigte die Polizei, dass er einen Anruf seiner Frau auf dem Anrufbeantworter habe mit den Worten „er hat mich, er hat mich, er hat eine Waffe“. Bei der sofort eingeleiteten Suche war auch ein Hubschrauber im Einsatz, dessen Besatzung die 41-Jährige in einem nahen Waldgebiet sehen konnte. Zu dem Vorfall befragt gab sie an, von einem älteren Mann angesprochen, angespuckt und bedroht worden zu sein. Außerdem übergab sie einen Brief mit weiteren Drohungen.

Da die 41-Jährige aufgrund der geschilderten Vorfälle mehrmals in stationäre medizinischer Behandlung und medikamentös eingestellt war, konnte sie erst am Freitag vernommen werden, teilt die Polizei mit. Die Vernehmung ergab schließlich: Den Entschluss, Dinge vorzutäuschen, hatte sie am Vortag des 3. März gefasst. Zur Vorbereitung hatte sie aus ihrer Arbeitsstätte einen Hammer entwendet, mit dem sie sich am vermeintlichen Tattag gegen Stirn und Schläfe schlug. Dann ließ sie einen Blumentopf fallen und ließ ihre Oberbekleidung zurück, begab sich in ihre Wohnung, ließ den Schlüssel außen stecken und verständigte über den Notruf die Polizei. Durch den selbsterzeugten Stress stieß sie ein Regal um und legte sich dann auf die vorbereitete Trittleiter. Als die Polizei gekommen sei, habe sie sich bewusstlos gestellt, gab die Frau an. Zu den Beamten sagte sie, sie spüre ihre Beine nicht mehr - die vorgetäuschte Lähmung hielt sie auch im Krankenhaus einige Tage aufrecht. Auch die Drohbriefe schrieb sie selbst.

Gegen die 41-Jährige ist ein Verfahren wegen Vortäuschung mehrerer Straftaten eingeleitet. Ob sie für die Kosten der Einsätze aufkommen muss, wird vermutlich nach dem Verfahren geklärt.

Auch interessant

Meistgelesen

Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Flugzeugteil auf Weide gestürzt - das sagt der Landwirt
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Freund beim Sexspiel mit Kreissäge getötet - Urteil
Flugzeugteil kracht auf Feld - wie konnte das passieren?
Flugzeugteil kracht auf Feld - wie konnte das passieren?
Kein Mord! So reagiert Opfer-Mutter auf Urteil nach Kreissägen-Attacke
Kein Mord! So reagiert Opfer-Mutter auf Urteil nach Kreissägen-Attacke

Kommentare