Mehrere Vergehen

„Sie stecken so tief drin“: Schlimmer Absturz einer jungen Frau bewegt Richter

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Eines ihrer Vergehen leistete sich die Angeklagte in einer Tiefgarage (Symbolbild).

Wegen räuberischen Diebstahls stand eine 29-Jährige in Weilheim vor Gericht. Es war nicht ihr erster Gerichtstermin. „Sie stecken tief drin“, stellte Richter Lars Baumann fest.

Weilheim – Der Handtaschen-Diebstahl in einem Discounter an der Münchener Straße in Weilheim war bei Weitem nicht das einzige Vergehen, das sich eine 29-Jährige aus Kusterdingen bei Tübingen zu Schulden hatte kommen lassen.

Zwar stand sie wegen dieses Vorfalls jüngst vor dem Weilheimer Amtsgericht. Die Angeklagte hatte im April 2017 aus einem Einkaufswagen eine Tasche gestohlen. „Räuberischer Diebstahl“, lautete die Anklageschrift. Die junge Frau hatte die Handtasche einer Kundin entwendet und die Bestohlene anschließend bei einer Diskussion in der Tiefgarage des Einkaufsmarktes an ihrem Schal gepackt. Diese stürzte und zog sich Prellungen und Schürfwunden zu.

Weilheim: Angeklagte nahm schon mit 13 Jahren Drogen

Zur Sprache kamen bei der Schöffensitzung aber auch diverse andere Vergehen: von weiteren Diebstählen über den versuchten Erwerb und den Besitz von Betäubungsmitteln bis hin zur Erschleichung von Leistungen. Es dauerte mehrere Minuten, bis Richter Lars Baumann die Einträge verlesen hatte. Da die 29-Jährige unter offener Bewährung stand und zum ersten Verhandlungstermin in Weilheim nicht erschienen war, war Haftbefehl gegen sie erlassen worden.

Auf die Frage nach ihrer „Drogenkarriere“, so der Richter, erklärte die junge Frau leise und mit brüchiger Stimme, dass sie mit 13 Jahren begonnen habe, Marihuana zu rauchen. Mit 18 sei sie „von Heroin angefixt worden“. Vom Gymnasium ging es für sie auf die Realschule. Letztendlich verließ sie diese wegen Depressionen mit dem Hauptschulabschluss. Eine Berufsausbildung hatte sie nie begonnen. Längere Zeit lebte sie in einem Heim.

“Ich war zu der Zeit untergetaucht“

Dass sie die Handtasche der Frau, in der sich 70 Euro Bargeld und ein Schminkbeutel im Wert von etwa 50 Euro befanden, gestohlen habe, gab die Angeklagte zu Beginn der Verhandlung ohne Umschweife zu. „Ich habe Panik bekommen, als die Frau die Polizei rufen wollte“, sagte sie, „ich war zu der Zeit untergetaucht. Auf keinen Fall wollte ich wieder zurück in ein Heim.“ Obwohl sie nur langsam und mit tränenerstickter Stimme sprach, zeigte sich einer der Schöffen von ihrer Ausdrucksweise beeindruckt. „Auf mich wirken sie nicht wie ein Drogenjunkie“, sagte er.

„Haben Sie irgendeine Vorstellung davon, wie es weitergehen soll?“, fragte der Richter weiter. „Clean werden – eine Ausbildung beginnen und eine Familie gründen“, entgegnete die 29-Jährige. „Sie stecken so tief drin“, sagte der Richter, „bis dahin ist es ein sehr, sehr weiter Weg.“

Entgegen der Forderung der Staatsanwältin – sie plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten – forderte der Verteidiger eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten. „Wenn man die Person hier vor sich sitzen sieht, weiß man, dass es sich um einen außergewöhnlichen Fall handelt“, sagte er.

Noch während des Verfahrens hatten sich Richter und Schöffen auf die Anklage „Diebstahl in Tateinheit mit Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung“ verständigt. Sie glaubten der Angeklagten, dass sie die Geschädigte aus Panik vor der Polizei, nicht aber wegen des Geldes verletzt habe.

Frau in Weilheim verurteilt: „Ich finde es schlimm, wenn ...“

Mit dem Urteil von einer Gesamtstrafe von einem Jahr und drei Monaten sprach sich das Schöffengericht ebenfalls „In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten“ aus. Der Haftbefehl wurde aufrechterhalten. „Wenn Sie auch nur zwei Wochen rauskommen würden, würden Sie die nächste Dummheit begehen. Sie brauchen eine nahtlose Entgiftung“, so die Begründung des Richters. Auch ihn schien das Schicksal der jungen Frau zu berühren. „Ich finde es schlimm, wenn junge Menschen eine Haftstrafe bekommen“, erklärte er, „aber ich sehe keine andere Möglichkeit“.

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