Angeklagtem Falle gestellt

Affäre mit seinem 80-jährigen Chef: Mann erpresst 33-Jährige mit pikanten Fotos

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Ein 50-Jähriger stand in Weilheim vor Gericht, weil er die Geliebte seines Arbeitgebers erpresste.

Ein 50-jähriger Weilheimer hatte die Geliebte seines Arbeitgebers um 30.000 Euro erpressen wollen. Dem Mann passte das Verhältnis zwischen seinem Arbeitgeber (80) und dessen neuer Freundin (33) nicht. 

Weilheim – Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Regina Sieh bezeugte dem verheirateten Mann, Vater dreier Kinder, eine günstige Sozialprognose. Er ist bis auf ein kleines Delikt unbescholten und legte ein Geständnis ab. Obwohl dies nicht sehr ins Gewicht fiel, da er ja auf frischer Tat ertappt wurde.

Dem Mann passte das Verhältnis zwischen seinem Arbeitgeber (80) und dessen neuer Freundin (33) nicht. In seinen Augen sei das bezahlter Liebesdienst gewesen, also Prostitution. „So wie ich aufgewachsen bin, ist das moralisch nicht vertretbar“, sagte er. Der als Selbstständiger arbeitende Angeklagte hatte über 20 Jahre für seinen Arbeitgeber, sein Hauptkunde, dessen verschiedene Anwesen betreut. Mit seinen Mitarbeitern war er vor allem für die Außenanlagen zuständig. Er hatte aber auch Zugang zu den Häusern, da auch dort hausmeisterliche Arbeiten verrichtet werden mussten.

Anrüchiges Liebesverhältnis störte den Angeklagten

Als die junge Frau einzog, war der Angeklagte in zweifacher Hinsicht erschüttert. Nicht nur das für ihn anrüchige Liebesverhältnis störte ihn. Er erkannte auch in der Frau die Tochter eines von ihm sehr hoch geschätzten, fast schon von ihm verklärten Geschäftsmannes. „Ich wollte einfach nur, dass sie verschwindet“, sagte er mehrfach.

Laut seinen Angaben fand er Anfang letzten Jahres im Garten des großen Anwesens einen USB-Stick im Gras liegen. Darauf sollen sich diverse Aktfotos der Frau befunden haben, die sie auch im Zusammenhang mit ihrer vor Jahren zurückliegenden Arbeit als Escort-Dame zeigte. Die junge Frau bestritt, so einen Datenträger besessen zu haben. Das Schöffengericht schlussfolgerte, dass der Angeklagte sich Zugang zum Computer seines Arbeitgebers verschafft haben musste, denn dort waren diese Fotos nachweislich gespeichert. „Sie haben herumgeschnüffelt, damit haben Sie kein moralisches Problem“, kritisierte Richterin Sieh. Denn sogar das Tagebuch der jungen Frau kassierte der Mann ein.

Stattliches Jahresgehalt für die junge Frau

Aus verschiedenen Unterlagen, die er zusätzlich im Arbeitszimmer seines Arbeitgebers fand, ging hervor, dass dieser der jungen Frau ein stattliches Jahresgehalt zahlte. Und da zu diesem Zeitpunkt sein Arbeitgeber mit Rechnungen an ihn und seinen Handwerkern im Verzug war, brodelte es zusätzlich in dem Mann. Sein Chef, ein bekannter Händler, gab zu, dass er je nach Geschäftslage nicht immer sofort zahlen könne.

Es war diese Ungerechtigkeit und das angeblich moralisch verwerfliche Verhältnis, das den Angeklagten dazu veranlasste, der jungen Frau zunächst unter einer Pseudoadresse eine Droh-Mail zu schicken, ehe er sie im Juni letzten Jahres zu einem Gespräch bat. Er konfrontierte sie mit den Fotos und drohte, diese ihrem Vater und dessen gesamten Kundenstamm zu zeigen, wenn sie ihm nicht 30 000 Euro zahlen würde.

Frau stellte Angeklagtem eine Falle

Die junge Frau ging zum Schein zunächst darauf ein, vertraute sich aber ihren Eltern an. Sie kaufte sich ein Aufnahmegerät, um dem Angeklagten eine Falle zu stellen. Bei der ersten Geldübergabe in Peißenberg an der Ammer gab die Frau an, nur 8000 Euro aufgetrieben zu haben und forderte ihn auf, das Geld zu zählen. Mit dem aufgezeichneten Gespräch begab sie sich zur Polizei.

Eine zweite Geldübergabe wurde vereinbart, in der Grünwalder Villa des Arbeitgebers. „Als sie mir die drei Umschläge überreichte, war schon die Polizei da“, sagte der Angeklagte, der das Ganze bereute. Per Handschlag entschuldigte er sich im Gericht bei seinem Chef. Die junge Frau schlug eine Entschuldigung aus. „Ich will ihn nicht mehr sehen“, erklärte sie. Der Angeklagte muss 240 Sozialstunden ableisten und die erstmalig erhaltenen 8000 Euro zurückzahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Regina Wahl-Geiger

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