Schulleiterin erklärt Konsequenz

Schüler nehmen an Klima-Demos teil - und kassieren dafür verschärfte Verweise

+
Statt in die Schule gingen zahlreiche Schüler kürzlich bei der Klimademo in Weilheim auf die Straße.  

Die Schulleiter gehen unterschiedlich mit den Schülern um, die an den Klimademos teilgenommen haben. Einige kamen mit einer Ermahnung davon – andere kassierten einen Verweis.

Weilheim-Schongau – Ein Nachspiel hatte die Klimademo in der Weilheimer Innenstadt nun für einige Schüler des Weilheimer Gymnasiums: Wie die Schulleitung bestätigte, erhielten sie wegen des Fernbleibens vom Unterricht einen verschärften Verweis.

Im Landkreis heizt das Vorgehen der Schule die Debatte um die Demos weiter an. „Das Gymnasium Weilheim hat 20 Schülern, ohne Anhörung, einen verschärften Verweis erteilt, weil sie sich für die ,Fridays for Future’-Demo engagiert haben. Gleichzeitig bewirbt sich dieselbe Schule für das Zertifikat ,Umweltschule’ und möchte sich positiv präsentieren“, schreibt etwa ein Nutzer auf Facebook.

Dass der Verweis die Schüler ohne Vorwarnung getroffen habe, dementiert Beate Sitek, die Schulleiterin des Weilheimer Gymnasiums. Von vorne herein sei kommuniziert worden, dass man es für die Teilnahme an Klimademos „eine gewisse Toleranz“ geben würde. Einmaliges Fernbleiben sei geduldet – mehrmaliges Fehlen habe Konsequenzen.

Fridays for Future: Laut Schulleiterin waren es nicht 20 Verweise

Die Schüler, die nun einen Verweis erhalten haben, hätten sich schon vor der Veranstaltung in Weilheim für andere Demos befreien lassen, um sich für den Klimaschutz einzusetzen. Beispielsweise in München. „Gewisse Spielräume habe ich“, so die Schulleiterin, „aber bei mehrmaligem Fehlen muss ich reagieren.“ Beim Großteil der Schüler stieß sie damit auf Verständnis. „Viele haben sich vor der Demo noch einmal informiert“, sagt sie.

Die Zahl der Schüler, die trotz Ansage der Schule erneut demonstrieren gingen, sei mit 20 allerdings zu hoch gegriffen, so die Schulleiterin weiter: „Es waren etwa zehn Schüler.“ Mit dem Vorhaben, „Umweltschule“ werden zu wollen, habe die Entscheidung, Verweise zu verteilen, ihrer Ansicht nach nichts zu tun. „Als Schulleiterin bin ich verpflichtet, eine gewisse politische Neutralität zu wahren“, sagt sie, „zudem die Schulpflicht ist ein hohes Gut, dass wir durchsetzen müssen.“ Schüler, die sich für die Umwelt einsetzen möchten, könnten sich in thematisch passenden Arbeitsgemeinschaften an der Schule einbringen. „Wir werden versuchen, in Zukunft noch mehr anzubieten“, so Sitek.

So schaut‘s aus in Penzberg und Schongau

Am Gymnasium in Penzberg sind bislang keine Verweise erteilt worden. „Das möchten wir auch in Zukunft nicht“, sagt der stellvertretende Schulleiter Karl-Wilhelm Steiner, „wir sind ,Umweltschule’ und begrüßen das Engagement grundsätzlich.“ Teilnehmer an der Klimademo in Penzberg hatten eine unterschriebene Bestätigung der Eltern vorzulegen und sollen „zur Kompensation des versäumten Unterrichts“ am Ramadama am 6. April teilnehmen.

Auch hier wünscht sich die Schulleitung allerdings, dass der Einsatz für die Umwelt zukünftig verstärkt an der Schule statt auswärts stattfinden soll. „Derzeit laufen die Planung mit der Schülermitverantwortung“, so Steiner.

Eine „deutliche Ermahnung ausgesprochen“ hat Bernhard O’Connor, Schulleiter des Welfen-Gymnasiums in Schongau. Fünf Schüler hatten im Unterricht gefehlt, um in Weilheim zu demonstrieren. „Das war das erste Mal, dass sie gefehlt haben“, sagt er, „wenn das mehrmals vorkommt, müssen wir andere Maßnahmen ergreifen.“ Darüber, wie er mit den Demonstranten verfahren soll, habe sich O’Connor lange Gedanken gemacht. „Ich habe auch versucht, ihnen einen Denkanstoß mitzugeben. In den Medien geht es jetzt darum, wie die Schulen auf das Schwänzen reagieren – und nicht um das Klima“, sagt er.

nema

Lesen Sie auch:

Die Klimaschutz Demos von Schülern erregen schon seit Wochen die Aufmerksamkeit. In Bayern sind sich Freie Wähler und CSU uneins, wie sie mit den Schülern, die dafür den Unterricht schwänzen, umgehen sollen.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Gefahrgut-Unfall auf der A99: So lang dauerten die Aufräumarbeiten
Gefahrgut-Unfall auf der A99: So lang dauerten die Aufräumarbeiten
Nach Helikopterabsturz auf Mallorca: Bewegender Abschied von Familie Inselkammer
Nach Helikopterabsturz auf Mallorca: Bewegender Abschied von Familie Inselkammer
BMW crasht mit Maserati: 25-Jähriger wird über Kreuzung geschleudert - und stirbt sofort
BMW crasht mit Maserati: 25-Jähriger wird über Kreuzung geschleudert - und stirbt sofort
Seltenes Wetterphänomen: Tornado fegt über Starnberger See -  „Es war sehr schön anzuschauen“
Seltenes Wetterphänomen: Tornado fegt über Starnberger See -  „Es war sehr schön anzuschauen“

Kommentare