„Sexistische und peinliche Dinge“:

Schulleitung nimmt Anstoß an Abi-Zeitung - sie erscheint zensiert mit schwarzen Balken

+
Ganze Passagen wurden auf den Seiten der diesjährigen Abizeitung geschwärzt.

Die Abi-Zeitung des diesjährigen Jahrgangs am Gymnasium Weilheim ist übersät mit schwarzen Balken. Die Schulleitung hat diverse Textstellen zensiert.

Weilheim – Beim Durchblättern der Abizeitung des Weilheimer Gymnasiums fallen sie direkt ins Auge: Auf vielen Seiten verdecken dicke schwarze Balken die Schrift. Mal sind es nur einzelne Wörter, die geschwärzt sind – mal zieht sich das Schwarz über mehrere Zeilen und verdeckt ganze Sätze.

Hinter den kryptischen Botschaften stecken nicht etwa die Abiturienten, sondern ein Team der erweiterten Schulleitung des Gymnasiums. Ihm mussten die Teilnehmer der AG „Schülerzeitung“ ihr Werk vor dem Druck vorlegen.

Abi-Zeitung am Gymnasium Weilheim zensiert: Schüler sind enttäuscht

„Dass zensiert wird, war uns klar“, sagt Manuel Hofmann aus der AG, „aber dass es so ausfallen könnte, habe ich nicht erwartet.“ Der Abiturient ist enttäuscht: „Teilweise sind so viele Wörter zensiert, dass man die Sätze überhaupt nicht mehr versteht.“ Auch Eltern teilen diese Meinung. 

Nach welchem System die Lehrer vorgingen, sei für ihn nicht nachvollziehbar. „Manche Sachen, die ich als kritisch empfunden habe, sind drin geblieben – und undramatische Textstellen wurden geschwärzt.“

Lesen Sie auch: Beschwerden im Internet, eine Online-Petition und Diskussion im Landtag: Das Mathe-Abitur in Bayern sorgte für Aufsehen. Jetzt wurde der Notenschnitt bekannt.

Patricia Christner, Chefredakteurin der Abizeitung, sieht die Lage etwas entspannter. „Ich habe mir zur Orientierung Ausgaben aus den letzten Jahren angeschaut. Mal wurde weniger geschwärzt, aber teilweise auch extrem viel. Im Verhältnis geht es bei uns noch“, so die Abiturientin. Wie sie erklärt, sei das Vorgehen der Schulleitung abgesprochen gewesen. „Wir hatten zwei Möglichkeiten: Entweder wir machen eine offizielle Abiturzeitung, die dann auf dem Schulgelände verkauft werden darf. Diese müssen wir aber vorlegen. Oder wir machen das Ganze privat – dann dürfen wir die Ausgaben nicht in der Schule verkaufen.“ Trotzdem sei auch sie von der Auswahl der geschwärzten Stellen überrascht gewesen: „Es wurde sehr viel reininterpretiert.“

Abi-Zeitung zensiert: Bei Alkohol und Drogen hört der Spaß auf

Adelheid Meyer, stellvertretende Schulleiterin des Gymnasiums, rechtfertigt das Vorgehen der Schule. „Es ist den Schülern ja freigestellt, ob sie die Abizeitung als Privatsache machen oder offiziell als AG“, sagt sie. Wenn die Zeitung auf dem Schulgelände verkauft werden solle, behalte man sich vor, „vorher drüber zu schauen“. „Wir wollen vermeiden, dass sexistische und peinliche Dinge abgedruckt werden. Auch bei Alkohol und Drogen ist bei mir eine Grenze erreicht“, sagt Meyer.

Dass viele Schwärzungen veröffentlicht worden seien, liege auch am Zeitmanagement der Schüler. „Wenn wir die Zeitung erst knapp vor dem Druck vorgelegt bekommen, bleibt wenig Zeit, Passagen auszutauschen“, sagt sie. Als Grund für die Zensur sieht sie im Übrigen auch die Reaktionen der Eltern der Abschlussklässler. „Es gab schon öfter Anrufe von Eltern, die sich über den Inhalt der Abizeitung beschwert haben“, so die stellvertretende Schulleiterin.

Die Abiturienten des Gymnasiums Weilheim feierten das Ende der Schulzeit mit dem traditionellen Abistreich. Auf einer Bühne mussten die Lehrer ihr Können unter Beweis stellen.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare