Bevor Haftbefehl vollstreckt wurde

Wie im Thriller: Mann (20) von Gerichtsurteil schockiert - dann ergreift er spektakulär die Flucht

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Da ist er rausgesprungen: Christiane Serini, Vize-Leiterin des Weilheimer Amtsgerichts, im Gerichtssaal, aus dem der 20-jährige Peißenberger geflohen war.

Gefängnis? Nein Danke! Um dem zu umgehen, sprang ein 20-Jähriger in Weilheim nach der Urteilsverkündung aus dem Fenster des Gerichtssaals.

  • In Bayern ist ein junger Mann wegen zahlreicher Delikte vor Gericht gestanden.
  • Das verkündete Urteil schockierte den Anklagen sehr.
  • Er ergriff noch im Saal spektakulär die Flucht.

Weilheim - Mehrere Fälle von Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl, Hantieren mit explosionsgefährdenden Stoffen und noch einiges mehr - wegen einer ganzen Latte an Delikten musste sich ein vorbestrafter Peißenberger am Mittwoch vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Das Schöffengericht verurteilte den 20-Jährigen schließlich zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft, also ohne Bewährung. „Normalerweise kommen die Angeklagten trotz so eines Urteils noch nicht direkt in Haft, weil erst abgewartet wird, dass das Urteil rechtskräftig wird, ehe die Haftvorladung verschickt wird“, sagt Christiane Serini, Vize-Leiterin des Weilheimer Amtsgerichts. Schließlich können die Verurteilten noch Berufung einlegen.

In Weilheim (Bayern): Richterin sah Fluchtgefahr

Doch im Fall des Peißenbergers war das anders. Denn laut Serini hatte sich die Wohnsituation des 20-Jährigen geändert, er hatte keinen festen Wohnsitz mehr - ein klassischer Fall von Fluchtgefahr. „Deshalb wurde ihm direkt nach der Urteilsverkündung von meiner Richter-Kollegin der Haftbefehl eröffnet“, sagte Serini. Ein in Weilheim ungewöhnlicher Fall, denn man sei kein Haftgericht - solche Fälle werden laut Serini in der Regel am Amtsgericht München verhandelt. „In diesem seltenen Fall war das anders, weil der Angeklagte als freier Mann kam und erst in der Verhandlung klar wurde, dass ein Haftgrund vorliegt.“

Angeklagter rechnet in Bayern nicht mit Urteil: Dann kommt es zur spektakulären Flucht

Damit hatte offenbar auch der Peißenberger nicht gerechnet. Doch er reagierte schnell: Kaum hatte die Richterin gegen 14.10 Uhr verkündet, dass er direkt aus dem Gerichtssaal verhaftet werden sollte, riss er das nahe Fenster auf und sprang ins Freie. „Das geht sicher drei Meter runter, da kann man sich schwerer verletzen“, sagte Serini. Die vorsitzende Richterin, die ebenso verdutzt war wie die anwesenden Anwälte, konnte nur noch den Alarmknopf drücken und so die Sicherheitsbeamten in den Hof schicken. Doch da war der 20-Jährige schon auf und davon.

Nach dramatischer Flucht in Bayern: Polizei suchte mit drei Streifenbesatzungen

Die Polizei war zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs - die Richterin hatte die Beamten schon vor der Urteilsverkündung informiert, dass sie einen Verurteilten nach Stadelheim bringen müssen. „Insgesamt haben sich drei Polizeistreifen auf die Suche gemacht und in der näheren Umgebung, aber auch an seinem bisherigen Wohnort in Peißenberg gesucht“, sagte Bernd Schewe von der Polizeiinspektion Weilheim. Fündig wurden die Polizisten aber in Polling, zu diesem Zeitpunkt war er mit einem Fahrrad unterwegs. Er gab an, er habe das Fahrrad, ein blau-graues Herren Trekkingrad der Marke „Kalkhof“, an der Bushaltestelle nahe des Maibaums an einer Bank lehnend unverschlossen aufgefunden und benutzt. Ob diese Angaben des Mannes zum Fundort allerdings stimmen, konnte nicht überprüft werden. Er könnte das Rad auch in Weilheim mitgenommen haben. Das Fahrrad wurde sichergestellt. Es wird gebeten, dass sich der Besitzer des Rades bei derPolizeiinspektion Weilheim meldet. 

Bayerisches Gericht zieht nach Fluchtversuch Konsequenzen: Ab jetzt bleiben Fenster versperrt

Der Peißenberger wurde zunächst ins Amtsgericht Weilheim und dann in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht. Am Amtsgericht hat der Vorfall laut Serini (“So etwas ist noch nie passiert“) natürlich Folgen. „Es ist früher schon vorgekommen, dass ein Angeklagter aus der Haft für ein anderes Verfahren vorgeladen wurde, und da wurde natürlich geschaut, dass das Fenster zu ist. Aber das war ganz klar ein Versäumnis von uns, jetzt wird es bei jeder Verhandlung versperrt sein.“

Am Weilheimer Amtsgericht wurden kürzlich auch die Fälle einer Beleidigung bei einem Eishockeyspiel und einen gewalttätigen Vater verhandelt.

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