42 Tage unentschuldigt gefehlt

"Weltreise" statt Schule: Eltern verurteilt

Pliening/Ebersberg – Auf die Ferien wollte eine Familie aus Pliening (Kreis Ebersberg) nicht warten und unternahm eine Weltreise. Ohne den Sohn von der Schule abzumelden. Ein ungewöhnlicher Fall fürs Gericht.

42 Tage war der neunjährige Christian (Name geändert) nicht in seiner 4. Klasse der Grundschule Pliening. In der Zeit zwischen den Pfingst- und den Sommerferien 2013 war er mit seinen Eltern auf „Weltreise“. Freimütig erzählt der Vater: „Wir waren in Thailand und Kambodscha.“

Freilich hätte er sich mit seiner Frau im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, ob es überhaupt möglich sei, den Sohn nach dem Übertrittszeugnis schon Anfang Mai aus der Schule zu nehmen. „Wir haben mit der Klassenlehrerin gesprochen und erzählt, dass wir für längere Zeit ins Ausland wollen.“ Die habe geantwortet, dass nach dem Übertrittszeugnis der Unterrichtsstoff bis zum Schuljahresende „überschaubar“ sei, berichtet der 47-jährige Maschinenbauingenieur am Amtsgericht Ebersberg. Dort ist am Mittwoch das Vergehen gegen das Bayerische Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) verhandelt worden. Die Familie habe die Schulpflicht nicht eingehalten, lautete der Vorwurf.

Das Landratsamt Ebersberg hatte als Schulaufsichtsbehörde der Familie zwei Bußgeldbescheide zugestellt, nachdem der Schulleiter die Kreisbehörde informiert hatte, dass der Schüler nicht mehr in den Unterricht komme. 1600 Euro sollte die Familie zahlen, dagegen legte sie Widerspruch ein.

Im Zeugenstand berichtete Schulleiter Peter Bachmeier, dass die Eltern sich im Vorfeld auch bei ihm erkundigt hätten. „Sie fragten, ob sie ihr Kind zwischen den Pfingst- und Sommerferien rausnehmen könnten. Ich aber kann das nicht erlauben; ich habe der Familie geraten, sich an das Schulamt oder ans Kultusministerium zu wenden.“ Dies sei seines Wissens aber nicht erfolgt. Am Ende der Pfingstferien habe der damalige Bürgermeister von Pliening, Georg Rittler (CSU), ihm ein Schreiben der Familie überreicht, in dem stand, dass sie ihren Sohn von der Schule abmelden, so Bachmeier. Zu diesem Zeitpunkt sei die Familie bereits weg gewesen. „Sie sind während der Pfingstferien abgereist. Da hatte ich keine Handhabe“, sagte er nach der Verhandlung unserer Zeitung. Vor Gericht behauptete der Vater, dass ursprünglich geplant gewesen sei, auszuwandern. Warum er sich und seine Familie nicht ordnungsgemäß beim Einwohnermeldeamt abgemeldet habe – diese Frage von Richterin Elke Port beantwortete der Maschinenbauingenieur so: „Im Nachhinein haben wir bemerkt, dass wir doch nicht alles richtig gemacht haben.“ Er und seine Frau seien der Ansicht gewesen, dass mit dem Schreiben an den Bürgermeister alles erledigt sei.

„Man kann ein Kind für eine Reise nicht von der Schule abmelden“, sagte Richterin Port in ihrer Urteilsbegründung. Sie sprach die Eltern wegen „gemeinschaftlich begangener Ordnungswidrigkeiten gegen die Schulpflicht“ schuldig und verurteilte sie zu einem Bußgeld in Höhe von jeweils 800 Euro. Mit den Worten „Sie waren ihrem Kind ein schlechtes Vorbild“ entließ die Richterin den 47-Jährigen und seine 39-jährige Frau.

Der Sohn besucht mittlerweile die Realschule in Poing. Dort hatten die Eltern ihr Kind noch vor der Reise angemeldet. Ein Jahreszeugnis besitzt es zwar nicht (das liegt in der Grundschule zur Abholung), dennoch habe er das Kind in seine Schule aufnehmen müssen, berichtet Realschulleiter Matthias Wabner. Für den Übertritt sei lediglich das Übertrittszeugnis relevant – das habe er vom Kultusministerium so mitgeteilt bekommen. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Pressesprecher Ludwig Unger dies.

Armin Rösl

Rubriklistenbild: © dpa

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