Wer passt jetzt auf unsere Kinder auf?

Erziehernotstand in Münchner Kita - jetzt demonstrieren die Eltern 

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In Oberföhring haben Eltern am Donnerstag gegen Missstände bei der Kinderbetreuung demonstriert

Weil Erzieher fehlen, muss die Kita schließen: Was im Haus für Kinder an der Else-Lasker-Schüler-Straße in Oberföhring zurzeit geschieht, ist Stress pur für die ganze Familie.

München - Kathrin Kmeth (36) reicht es jetzt. „Mich ärgert, dass nichts besser wird!“, sagt sie. „Obwohl wir der Stadt seit Monaten in den Ohren liegen.“

Kmeth ist Elternbeiratsvorsitzende der Kita an der Oberföhringer Else-Lasker-Schüler-Straße. Am Donnerstagabend hat sie, passend zum Weltfrauentag, gegen die Missstände demonstriert. Ein Dutzend Frauen kam zu einer Unterausschusssitzung des Bezirksausschusses zum Prinz-Eugen-Park. Mit selbst gemalten Schilder erreichten sie ihr erstes Ziel: Aufmerksamkeit. Viele der Anwesenden im gut besuchten Schützenheim (80 Zuschauer plus BA) schossen Fotos von den Damen.

2015 war noch „alles Bombe“

Dabei hatte alles gut angefangen: Als Kmeths Tochter 2015 in der Kita startete, sei noch „alles Bombe“ gewesen: breite Angebote, genug Personal. 2017 begann die Fluktuation. Seither verließen vier Erzieherinnen das Haus, das 100 Plätze für Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder vorhält. Eine kündigte, eine wurde schwanger, eine zog weg. Weil der Personalschlüssel gefährdet war, wurden die Eltern gebeten, die gebuchten Stunden zu reduzieren. Im September verkürzte die Stadt die Öffnungszeiten: auf 8 bis 16 Uhr statt 7.30 bis 17 Uhr. Zudem können aktuell nur 80 Kinder die Kita besuchen. „Das haben wir alles mitgemacht“, sagt Elternbeirats-Vorsitzende Kmeth, die im öffentlichen Dienst arbeitet. „Aber seit Oktober sind wir im Krisenmodus.“

„Es gab keinerlei Notfallplan“

Morgens werde sie bisweilen gefragt, ob sie ihre Kinder wieder mitnehmen könne – wegen Personalmangel. Ende Januar brachen die Streptokokken aus. Eines Vormittags wurde Kmeth von der Vize-Leitung angerufen, die selbst erkrankt war: „Es geht nicht mehr. Bitte holen Sie Ihre Kinder ab.“ Das Haus schloss für zwei Tage, danach wurden 25 Kinder per Notgruppe betreut. „Es gab keinerlei Notfallplan“, so Kmeth.

Die Eltern taten alles, um sich zu organisieren: eine Oma als Betreuerin, Kinderturnen – einiges scheiterte auch, weil die Stadt ihnen keine Räume überlassen konnte. Eine Familie ließ die Großmutter aus Dortmund anreisen. „Die Eltern können nicht mehr“, so Kmeth. „Sie haben keinen Speckgürtel an Überstunden und Urlaubstagen mehr.“ 

Die Zuhörer applaudierten

Nun wurden sie immerhin angehört - und es wurde eine schnelle Lösung versprochen. Viktoria Hell, eine der Mütter, stellte fest dass man sich keine Gedanken über Pavillon-Lösungen machen brauche, wenn das eigentliche Problem die fehlenden Erzieher und Erzieherinnen sind und die bestehenden Kitas nicht richtig versorgt werden. Beifall der Gäste. Jürgen Marek vom Bildungsreferat gab zu, dass Luft nach oben in der gegenseitigen Information gewesen sei und räumt Fehler in der Personalsuche ein. Er sei sich der angespannten Arbeitsmarkt-Situation im Bereich der Betreuungskräfte bewusst.

Kmeth war zufrieden mit dem Abend: Die Eltern hätten durch die Aufmerksamkeit mehr erreicht, als mit vielen Briefen der einzelnen Eltern.

500 Erzieher fehlen in den Münchner Kitas

In städtischen Kitas fehlen zurzeit rund 170 Erzieher, in allen Münchner Kitas zusammen etwa 500. Mit vielen Maßnahmen versucht die Stadt, Personal zu gewinnen. Aus dem Bildungsreferat heißt es: Bei der Verteilung von neuem Personal werde das Haus für Kinder „mit oberster Priorität behandelt“. Beim Streptokokken-Ausbruch habe kein Personal zugeschaltet werden können, weil die Kitas im Umkreis auch zu wenig gehabt hätten. Jetzt sorge die Grippewelle immer weiter für Engpässe, so Sprecher Ulrich Lobinger. Die Zahl der Kitas mit verkürzten Öffnungszeiten „variiert täglich“.

Lesen Sie auch: Kita-Notstand im Prinz-Eugen-Park: Ärger um Kinder-Container

cu/mgo/fn

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