Video: „Wer putzt schon gerne sein Fahrrad?“

München - An der Säbener Straße steht nun Münchens erste Fahrradwaschanlage. Wenn die erstmal optimiert ist, will ihr Erfinder sie groß rausbringen. Sehen Sie hier das Video:

Stefan Sarfert fährt für sein Leben gerne Rad. Was er aber noch nie leiden konnte, ist die mühsame Reinigung seines Mountainbikes nach einer ausgedehnten Tour. „ Das hat mich immer schon aufgeregt“, sagt der diplomierte Maschinenbauingenieur. Letztes Jahr packte er das Problem ingenieursmäßig an - und erfüllte damit seinen lange gehegten Traum, sich selbstständig zu machen. So entstand Münchens erste Fahrradwaschanlage, die jetzt in Giesing zu bestaunen ist.

Seit April hat der 48-Jährige an der Konstruktion gearbeitet. Das kam ihn teurer als anfangs gedacht: „Ich hatte mit fünf- bis sechstausend Euro kalkuliert.“ Letztlich wurden es etwa 13 000 Euro. Anfangs war es schwer, einen Fahrradladen zu finden, vor dem er seine Maschine aufstellen darf. Als ihm auffiel, wie viele Leute durch Giesing zum nahe gelegenen Perlacher Forst radeln, fragte er beim „Rad Studio“ an der Säbener Straße 73 nach. Genau dort vor dem Geschäft steht seit drei Wochen Sarferts Waschanlage.

Max Kölz hat in der Zeitung eine Meldung darüber gelesen und ist deshalb extra aus Forstenried hergefahren, um den Prototyp auszuprobieren. „Aus Neugier“, gesteht der Pensionär. Zweimal im Jahr putzt er sein Radl normalerweise. Jetzt lässt er putzen. Unter der Anleitung von Sarfert schiebt Kölz sein Fahrrad eine kleine Rampe hoch, klappt vorsichtig den Deckel der Waschanlage zu. Sofort schaltet sich der Apparat ein. Große blaue Bürsten laufen wie in einer Autowaschanlage an beiden Seiten des Fahrrads entlang. Sie werden von Motoren bewegt, die normalerweise das Laufband an der Supermarktkasse antreiben. Sarfert sprüht Reinigungsmittel auf das Rad. Bald soll die Anlage das vollautomatisch machen. Normalerweise, so erklärt der Erfinder, sollten sich jetzt auch beide Laufräder drehen. Dass die Technik gerade jetzt bei der Vorführung streikt und das Hinterrad stillsteht, wurmt den Perfektionisten sichtlich.

Nach fünf Minuten begutachtet Max Kölz sein Rad - und ist „zu 80 Prozent“ zufrieden. Einige schwer zu erreichende Stellen haben die Bürsten nicht erwischt. „Aber zweimal im Jahr kann man sowas schon machen.“ Sarfert ist froh über jeden Kunden, aber eigentlich hatte er mehr auf Mountainbiker gesetzt, die häufiger dreckige Räder haben. Bisher bleiben die noch aus.

Der Ingenieur gibt offen zu, dass die Anlage noch optimiert werden muss. Wichtig sind ihm die Rückmeldungen der Kunden. Wie sauber müssen die Felgen werden? Wollen die Kunden auch, dass die Anlage das Rad trocknet? Das hätte natürlich Auswirkungen auf den Preis, der momentan bei sechs Euro liegt. Irgendwann soll die Anlage auch solarbetrieben arbeiten. Schon jetzt sei sie umweltschonend, betont der Erbauer: Ein Durchgang verbraucht nur einen Liter Wasser, und die Maschine verfügt über eine eigene Wasseraufbereitung.

Sobald die Radl-Waschanlage serienreif ist, will Sarfert sie international vertreiben. Campingplätze auf Mallorca und am Gardasee hätten bereits Interesse gezeigt. Roland Weber, ein weiterer neugieriger Kunde, ist vom Erfolg der Idee überzeugt: „Der ist da in eine Marktlücke reingestoßen. Wer putzt schon gerne sein Fahrrad?“

Angelo Rychel

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Wirtshausbesuch: Pedelec-Fahrer liegt tot im Wald
Nach Wirtshausbesuch: Pedelec-Fahrer liegt tot im Wald
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Schlimmer Grillunfall: Rentner (70) zündet seine Frau an
Schlimmer Grillunfall: Rentner (70) zündet seine Frau an
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer

Kommentare