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Darum gibt es heuer viele Wespen – Sehschwäche der Insekten ist lästig für Menschen

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Von: Magdalena Höcherl

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Kampf auf dem Marmeladenbrot: Wespen sind nicht zimperlich, wenn es um die Nahrungssuche geht. Süßes ist für sie der ideale Kraftstoff. An ihre Larven verfüttern sie gefangene Insekten, die sie mit ihrem Stachel betäuben.
Sie lieben es süß: Marmeladenbrot, Kuchen und Eis locken Wespen derzeit zuhauf an. Symbolbild © dpa

Sie sind gerade sehr präsent: Wespen. Warum das so ist und wie man mit den Insekten am besten umgeht, weiß Manfred Drobny vom Bund Naturschutz in Freising.

Freising – Gerade sind sie gefühlt überall: Kaum sitzt man draußen, auf der Terrasse, im Café oder im Biergarten, mit einem Eis in der Hand, einem Stück Kuchen oder etwas Gegrilltem auf dem Tisch, tauchen unter lautem Gebrumme Wespen auf. Warum die schwarz-gelben Insekten heuer besonders präsent sind und wie man mit ihnen am besten umgeht, erklärt Manfred Drobny, Leiter der Kreisgruppe Freising des Bund Naturschutz, im Interview.

Herr Drobny, eigentlich heißt es jeden Sommer, dass die Wespen besonders arg sind. Gibt es heuer tatsächlich mehr als sonst?

Die Wespen sind im Sommer grundsätzlich mehr. Das liegt an ihrem Lebenszyklus. Die Königin beginnt im Frühjahr, Eier zu legen und ihren Staat aufzubauen. Im August und September ist der dann am größten, bevor die Wespen mit den ersten Frostnächten im Oktober absterben. Die Witterung spielt aber auch eine Rolle: Wenn es heiß und trocken ist, kommt das den meisten Insekten sehr entgegen. Außerdem bauen viele Wespenarten ihre Nester in Erdhöhlen, etwa alten Mäusegängen. Wenn es viel regnet, werden die geflutet und die Tiere ertrinken. Das ist dieses Jahr nicht so häufig der Fall. Daher ist anzunehmen, dass es gerade mehr Wespen gibt als in anderen Jahren – aber noch nicht außergewöhnlich mehr.

Wespen siedeln sich aber nicht nur in Erdhöhlen an, sondern oft auch dort, wo Menschen wohnen.

Ja, zum Beispiel in Nischen und Spalten am Haus oder Dach. Auch Rollokästen sind beliebt. Dann dauert es Monate, bis ein Nest so groß ist, dass man es bemerkt.

Wie kann ich es entfernen, wenn ich es entdecke?

Gar nicht. Wespen stehen unter Artenschutz, Nester zu entfernen, ist verboten. Das geht nur mit einer artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung. Die zu erhalten, ist allerdings sehr aufwendig. Wer ein Nest in der Nähe seines Wohnraums entdeckt, kann sich gerne an uns wenden. Wir versuchen dann, eine Lösung zu finden.

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Stiche ungefährlich – auch Hornissen stellen keine Gefahr dar

Wie kann der Bund Naturschutz in solchen Fällen helfen?

Das Wichtigste ist Aufklärung. Wie gesagt, überwintern Wespen – anders als Bienen – nicht, sie sterben im Herbst. Bis es so weit ist, ist den meisten schon mit Insektengittern vor den Fenstern viel geholfen.

Wieso haben es die Tiere auf unser Essen abgesehen?

Weil sie auch Nahrung brauchen. Auf Fleisch gehen sie vor allem in den ersten Monaten, denn zur Aufzucht der Wespenlarven braucht es Proteine. Und sie mögen alles, was süß oder vergoren ist: Marmeladenbrot, Obst, Kuchen, aber auch zuckerhaltige Getränke wie Spezi oder Radler. Die sollte man draußen immer verschließen: Bei Flaschen den Deckel drauf und Gläser abdecken, damit man die Tiere nicht verschluckt.

Wie gefährlich sind Stiche?

Für Menschen, die nicht allergisch dagegen sind, sind Wespenstiche ungefährlich. Die Stelle wird zwar rot, heiß und schwillt an, und der Juckreiz begleitet einen noch länger. Das ist lästig, aber eben nicht gefährlich. Das Gleiche gilt übrigens für Hornissenstiche: Da geistert immer noch das Märchen umher, sieben Hornissenstiche wären tödlich für einen Menschen. Das ist Quatsch. Entgegen diverser Erzählungen gibt es keinen einzigen bekannten Todesfall.

Wespen ökologisch wichtig – wegpusten keine Option

Was sollte man tun, wenn man gestochen wird?

Da muss man kühlen, kühlen, kühlen. Mit Wasser oder Eis, auch im Handel oder in der Apotheke gibt es verschiedene Mittel. Ich persönlich habe mit Gurkenscheiben oder -Schalen gute Erfahrungen gemacht. Als Hausmittel wird auch empfohlen, eine frisch aufgeschnittene, halbe Zwiebel auf die Stelle zu drücken. Sie soll nicht nur kühlen, sondern auch entzündungshemmend wirken.

Und wie lasse ich es erst gar nicht so weit kommen?

Das Problem ist, dass die Viecher recht kurzsichtig sind. Sie kommen daher oft nah an den Menschen heran. Das empfinden wir als bedrohlich. Deshalb ist es das Sinnvollste, ruhig zu bleiben und keine hektischen Bewegungen zu machen. Meist fliegen die Tiere dann einfach weiter. Wegpusten ist keine Option, da die Tiere das CO2 in der Atemluft als Bedrohung wahrnehmen und aggressiv werden. Wer gerade isst, sollte lieber in einiger Entfernung eine Nahrungsquelle eigens für die Wespen aufstellen: etwas Süßes oder Obst zum Beispiel. Auch Vergärungsprodukte wie Alkohol oder Essig mögen sie – das zieht sie magisch an.

Wofür braucht es die Tiere überhaupt?

Die ökologische Bedeutung von Wespen ist nicht zu unterschätzen. Sie beseitigen nicht nur Kadaver, sondern fressen zum Beispiel eine ganze Reihe von Schädlingen, die sonst an Blumen, Gemüse oder Bäumen unterwegs sind, zum Beispiel Blattläuse. Und da sie auch Nektar naschen, sind sie auch wichtige Bestäuber. Wespen sind – wie jedes andere Insekt – ein wichtiger Teil im ökologischen Gefüge. Hätten wir sie nicht, käme das ganze Gleichgewicht ins Wanken. (mh)

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