Heiße Spur in der Bergmannstraße

Westend-Entführer: Wollte er hier sein Opfer verstecken?

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Neue Fotos des Westend-Entführers: Dieser Mann soll eine Frau (46) in Ottobrunn überwältigt und nach München gebracht haben, um Lösegeld zu fordern. Hinter der Wohnungstür wollte er wohl sein Opfer verstecken.

Ottobrunn/München - Wollte der unheimliche Entführer aus dem Westend sein Opfer hinter dieser Wohnungstür in der Bergmannstraße verstecken?

Eine schlichte Holztür in einem schlichten Mehrfamilienhaus in der Bergmannstraße. Alles ganz bieder, ganz unauffällig. Doch dahinter verbirgt sich ein düsteres Geheimnis: Ist das die Wohnung, in der der Westend-Entführer die Frau des Bankers gefangen halten wollte? Nach Informationen von tz und Münchner Merkur liegt das Haus in direkter Nähe des Lidl-Parkplatzes, an dem die Frau ihrem Entführer davonrannte.

Der bis heute nicht identifizierte Mann mietete bereits vor fünf Wochen diese Wohnung an. Die Vormieter hat seitdem keiner mehr gesehen. Wenige Stunden nach der misslungenen Entführung gab der Mann den Schlüssel nachmittags wieder bei dem ahnungslosen Vermieter ab und erklärte sinngemäß: „Danke. Ich brauche die Wohnung nicht mehr.“ Seitdem ist er verschwunden. Offenbar kannte auch der Vermieter die wahre Identität des Mannes nicht, der seit Mittwoch mit neuen Fotos gesucht wird. Sie entstanden am Morgen des 10. Juni in der S-Bahn S7 Richtung Kreuzstraße – gut eine Stunde bevor der Mann die Ehefrau (46) eines Sparkassen-Managers in Ottobrunn entführte (tz berichtete).

Es ist ein Verbrechen mit vielen Rätseln. Im Zentrum der etwa 50-jährige, ungepflegt wirkender Mann, der offensichtlich glaubte, mit minimalem Aufwand Millionen erbeuten zu können. Der Chef der Mordkommission, Markus Kraus, schließt nicht aus, dass sich der Mann mittlerweile den Bart abrasiert hat. Möglicherweise hat er ihn extra für die Entführung wachsen lassen. 35 Hinweise gingen bislang bei der Kripo (089/2910-0) ein. Ein heißer Tipp war bislang offenbar nicht dabei. Zur Spurenlage (DNA, Fingerabdrücke) sagt Kraus derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nichts. Wohl jedoch etwas zur Entstehung der Fotos: „Die Sichtung der Videoüberwachung sämtlicher U- und S-Bahnen gehört in derartigen Fällen zu den Standards einer Ermittlung. Dabei wurde der Mann entdeckt.“ Zudem haben Landeskriminalamt und Stadtsparkasse am Mittwoch 10.000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgesetzt.

Der Mann mit dem schwarzen Rucksack stieg in der Innenstadt in die S 7 ein und um 6.32 Uhr in Ottobrunn wieder aus. Dort verliert sich seine Spur. Vermutlich machte er sich von dort aus zu Fuß auf den gut 15-minütigen Fußweg zum Haus der Familie. Dort erwartete die Ehefrau des Bankers die Putzfrau. Bei ihr war nur noch ihr 12-jähriger Sohn. Um 7.30 Uhr klingelte es – angeblich ein Paketbote. Ahnungslos öffnete die Frau die Tür und wurde sofort von dem bewaffneten Mann angegriffen.

Möglicherweise überrascht von der Anwesenheit des Kindes zwang der Mann den Kleinen, sich selbst mit Kabelbinder an die Heizung zu fesseln. In der Wohnung hinterließ er einen handschriftlich auf zwei karierten Seiten verfassten Erpresserbrief. „Wir haben Ihre Frau!“, stand darin. Gefordert wurden 2,5 Millionen Euro.

Der Entführer dirigierte die Frau zu ihrem VW Polo. Sie musste auf den Beifahrersitz Platz nehmen und eine verklebte Brille aufsetzen. Dann fuhr der Täter los – mitten in die Stadt! Um 8.40 Uhr parkte er den Wagen auf dem Lidl-Parkplatz in der Westendstraße. Dort gelang der Frau die Flucht – ihre letzte Chance, dem Mann zu entkommen, bevor er sie wohl in der Wohnung ganz in der Nähe versteckt hätte. Auch der Täter rannte davon. Auf der Flucht verlor er das Magazin seiner Softairwaffe.

Täterbeschreibung: Scheinbares Alter 50 Jahre, ungepflegter Drei-Tage-Bart, bzw. kurzer, ungepflegter Vollbart. Schlanke Figur, ca. 180 - 190 cm groß. Bekleidet mit Jeans und dunkler Jacke sowie einer schwarzen Strickmütze, welche an der Stirn umgeklappt war. Der Täter führte einen Rucksack mit sich. Zu beachten ist hier, dass der Täter möglicherweise gewöhnlich keinen Bart trägt.

Zeugenaufruf: Personen, die zur Identität und zum Aufenthaltsort der auf dem Lichtbild gezeigten Person oder zu der Entführung selbst Angaben machen können, werden gebeten sich mit dem Kommissariat 11unter der Telefonnummer 089 / 2910 - 0 oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen. Dies gilt insbesondere für Personen, die den Täter in der S-Bahn begegneten oder sogar Kontakt mit ihm hatten.

Auslobung: Für Hinweise, die zur Klärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen, ist eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro ausgesetzt, deren Zuerkennung unter Ausschluss des Rechtsweges erfolgt. Die Auslobung gilt ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Personen zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört. Der Gesamtbetrag der Auslobung setzt sich aus 5.000 Euro durch das Bayerische Landeskriminalamt und weiteren 5.000 Euro durch die Stadtsparkasse München zusammen.

mm/dop

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