Wickeltisch-Verbot: Mütter schlagen Alarm

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Sie vermissen die praktischen Wickeltische in der Drogerie: Betroffene Mütter, ihre Kleinen und die Brucker Filialleiterin Berta Fleischmann hoffen auf ein Einlenken der Kreisbehörde.

Landkreis - Republikweit gibt es in Drogerie-Märkten Wickeltische.  Nur im Landkreis Bruck ist dieser besondere Service seit einiger Zeit verboten. Grund: Eine Anordnung aus dem Landratsamt.

Nina Landgraf war mit ihrem drei Wochen alten Sohn im dm-Drogeriemarkt einkaufen. Er schrie nach einer frischen Windel. Kein Problem, dachte sie. Denn sie wusste, dass es in dieser Kette eigentlich Wickeltische gibt. Aber nicht so in Fürstenfeldbruck – und damit in einem Landkreis, der sich eigentlich immer wieder seiner Familienfreundlichkeit rühmt. „Ich musste meinen Sohn im Auto auf der Rückbank wickeln“, klagt die Emmeringerin. „Es ist eine Zumutung.“ Außer in Kaufhäusern könne man sein Kind nirgends wickeln, wenn man unterwegs sei. Nun falle auch noch diese Möglichkeit weg.

Die Große Kreisstadt ist kein Einzelfall: Auf Geheiß des Landratsamts mussten die Tische auch in Gröbenzell und Puchheim weichen. Landratsamt-Sprecher Christian Obojkovits bestätigt die Wickeltischproblematik. Hintergrund sei ein Vorfall in einem Geschäft einer anderen Drogeriekette, berichtet er. 2010 habe sich eine Verbraucherin beschwert. „Die Windeleimer quollen über und es gab keine Waschmöglichkeiten.“ Eine Kundin habe erst gewickelt und dann Waren angefasst. Daraufhin habe man den Geschäften nahegelegt, die Tische abzubauen, wenn es keine Waschgelegenheit gab.

Das geschah freilich unter Androhung von Strafen, berichten Filialleiter übereinstimmend. „So bürokratisch habe ich es noch nie erlebt“, sagt Christa Schäfer, Leiterin des Gröbenzeller Marktes. Der Tisch habe in einer separaten Ecke fünf Meter neben der Kundentoilette gestanden. „Es wurde sogar kontrolliert“, berichtet Schäfer. Und in Fürstenfeldbruck stand er in einer Nische bei dem Baby-Bedarf. „Da laufen eh nur Mütter vorbei“, sagt Filialleiterin Berta Fleischmann. Die Kundentoilette sei in der Nähe gewesen.

Nachdem es auch in der Stadt München Ärger wegen der Wickeltische gab, wurde das Bayerische Umweltministerium eingeschaltet, berichtet Obojkovits. Es hat inzwischen den Ämtern mitgeteilt, sie sollen im Einzelfall entscheiden, ob doch ein Wickeltisch ohne separaten Raum aufgestellt werden darf. „Wir werden in den nächsten Wochen auf die Drogerien zugehen“, kündigt Christian Obojkovits an. Dennoch werde man Vorgaben machen. „Der Tisch kann nicht mitten im Verkaufsraum stehen.“ Er solle in einer Nische sein, Mülleimer müssten verschlossen und regelmäßig geleert werden. Die Filialleiter hoffen nun auf ein gutes Ende. „Nach dem ohnehin geplanten Umbau wäre der neue Standort sogar direkt neben der Kundentoilette“, sagt Christa Schäfer. Und auch Berta Fleischmann hätte eine gute Ecke für den Wickeltisch. Die Mütter würden es dem Landratsamt danken. „Die Alternative wäre die Parkbank“, sagt Nina Landgraf. „Und ob das hygienisch besser ist, glaube ich nicht.“

Ingrid Müller

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