„Da treten die seltsamsten Geschichten auf“

Wie im Horrorfilm: Mysteriöse Phänomene in einem kleinen Dorf

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Enorme Kraft: Blitze – über St. Maria in Starnberg – können ganze Häuser lahmlegen.

Ein Gewitter, bei dem Türen wie von Geisterhand aufgehen, ging am Wochenende über Königswiesen nieder. Während zahlreiche Anwohner über kleine und große Schäden klagen, ordnet der Wetterdienst das Phänomen ein.

Königswiesen – „So etwas habe ich hier noch nie erlebt.“ Wenn Elektroingenieur Rudolf Schmid aus Königswiesen an den vergangenen Freitag denkt, muss er noch immer den Kopf schütteln. Am späten Abend ging über dem kleinen Gautinger Ortsteil ein schweres Gewitter mit zahlreichen Blitzschlägen nieder. „Unsere enge Nachbarschaft war betroffen“, berichtet der an der Ringstraße wohnende Seniorchef des Stockdorfer Unternehmens Schmid-Alarm. „Mein direkter Nachbar kam zu mir, weil in dessen Haus die Fritzbox beschädigt war. Bei mir selbst ging auf einmal das Garagentor auf.“

Noch heftiger erwischte es ein Einfamilienhaus, dessen Bewohner derzeit im Urlaub sind. Dort waren die Leitungen im Keller vom Putz abgesprungen und die Schalterblenden von den Wänden gefallen. Das komplette Haus war ohne Strom, berichtet die Gautinger Polizei. Ein Blitz war offenbar in den Kamin eingeschlagen, der wie das gesamte Haus über eine elektrische Belüftung verfügt. Die Schäden wurden festgestellt, als die Nachbarin am Samstag nach dem Rechten schaute – und die am Freitag noch verschlossene Haustür offen stand, ohne dass es Einbruchsspuren gegeben hätte.

„Bei Gewittern treten die seltsamsten Geschichten auf“, erklärt Stefan Schwarzer, Wetterbeobachter und Programmierer beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Hohenpeißenberg. Schlage ein Blitz ins Haus ein, gebe es eine Spannung von „20 000, 40 000 oder noch mehr Volt“. Selbst wenn der Blitz in der Nähe heruntergeht, seien mehrere tausend Volt möglich – und damit immer noch ein Vielfaches der Netzspannung von 230 Volt. Die Folge dieser Überspannung können Fehlfunktionen und Schäden bei Elektrik und Elektronik sein. Schwarzer: „Da kann es auch passieren, dass ein elektrisches Garagentor mal aufgeht. Es gibt nichts, was es nicht gibt bei Gewittern.“ Schutz biete lediglich der Einbau von Überspannungsschutzsystemen – dabei sollten die Verbraucher nicht nur an Stromleitungen und Steckdosen denken, sondern auch an Datenkabel, etwa für Internet oder Kabelfernsehen.

Wie heftig die Blitzschläge in Königswiesen waren, berichtet noch ein weiterer Nachbar von Elektroingenieur Schmid. „Er hat gesehen, wie in der Oberleitung mit Straßenbeleuchtung der Blitz einschlug, sodass die Funken flogen“, sagt Schmid – offenbar ohne direkte Folgen. Die für weite Teile des Leitungsnetzes zuständige Bayernwerk AG hat jedenfalls keine Auffälligkeiten festgestellt – „weder im Mittelspannungsbereich noch im Hochspannungsbereich“, wie der stellvertretende Pressesprecher Christian Martens erklärt.

Die Blitz-Bilanz fällt also äußerst unterschiedlich aus. Während die Polizei bei dem Einfamilienhaus von einem „immensen Schaden“ berichtet, gibt es am Garagentor von Rudolf Schmid keine bleibenden Schäden. Er habe nur die Sicherungen wieder reingedreht, berichtet er. Und einem weiteren Nachbarn konnte mit Manneskraft geholfen werden. Er hatte nach einem Blitzschlag keine Chance, sein Garagentor zu öffnen, wollte aber mit dem Auto in Urlaub fahren. Schmid: „Wir haben das Garagentor mechanisch entriegelt – ohne Motor.“

Von Christine Cless-Wesle und Peter Schiebel

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