Matthias M. aus Herrsching

Darum war die Sex-Bestie auf freiem Fuß

Herrsching - Eine Frage stellt sich immer wieder: Wie konnte aus Matthias M. eine Sex-Bestie werden? Alkohol, Drogen oder eine psychische Erkrankung als Gründe sind ausgeschlossen.

Sein Blick ist finster, ohne jeden Ausdruck. Dunkle Gläser verhüllen seine Augen. Der Bart liegt streng gestutzt um das schmale Kinn. Ohrhörer trennen Matthias M. von den Geräuschen der Außenwelt. Es ist das Gesicht der Herrschinger Sex-Bestie! In diesen Abgrund musste die Studentin Johanna L. (25, Name geändert) während ihrer grausamen Tortur in der Nacht zu Sonntag blicken, während sie auf einer Lichtung im Wald geschlagen und geschändet wurde. Und dieses Gesicht blickte durch die Windschutzscheibe auf sie hinab, als Matthias M. die am Boden liegende Frau überfuhr, um sie zu töten (tz berichtete).

Wie kann ein Mensch so entgleisen? Laut Polizei stand Matthias M. weder unter Drogen- noch unter Alkoholeinfluss. Auch über eine psychische Erkrankung ist nichts bekannt. Mittlerweile hat die Kripo Fürstenfeldbruck ihre Ermittlungen abgeschlossen. Ein DNA-Test ergab: Matthias M. ist eindeutig der Täter! „Das vorläufige Ergebnis ist inzwischen bestätigt und gesichert“, sagt Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. Zudem hat das Opfer ihren Peiniger mittlerweile auf Fotos erkannt, die sie noch am Krankenbett anschauen musste. Kammerer: „Die junge Frau hat ungeheure Willenskraft.“

Vergewaltiger Matthias M. war mehrfach wegen Einbruchsdelikten vorbestraft, im Juni 2009 verurteilte ihn das Landgericht München II zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Schon im August 2013 aber kam er zur Bewährung wieder frei, durfte wieder als Heizungsbauer arbeiten, zog nach München und verlobte sich im Februar 2014 mit seiner Lebensgefährtin. So hat er es in seinem Facebook-Profil eingetragen. Dort hat er Bilder mit seinem kleinen Sohn eingestellt. Es sind Momentaufnahmen: Sie zeigen Matthias M. als liebevollen Vater. Er küsst seinen kleinen Jungen, schmust mit ihm, lächelt gelöst. Warum das Böse in ihm herausbrach, wird niemand mehr erfahren – bevor die Justiz über ihn richten konnte, warf er sich vor einen Zug.

„Es ist schwer, diesem Menschen zu verzeihen“, sagt Thomas R., der das Opfer blutüberströmt an seiner Kellertür fand. „Ich bin froh, dass der Fall so schnell aufgeklärt wurde“, sagt der Anwohner zur tz. „Ich hoffe, sie wird sich von dem schrecklichen Erlebnis erholen. Mich selbst hat es sehr mitgenommen. Die schlimmen Bilder haben sich in meinen Kopf eingebrannt.“

Warum kam die Bestie früher frei?

Im Juni 2009 wird Matthias M. zu fünf Jahren und neun Monaten Haft wegen Einbruchsdiebstahls verurteilt, schon im August 2013 kommt er frei. Zehn Monate später vergewaltigt er die Studentin im Wald. Eigentlich hätte er da noch im Knast gesessen!

„Das Ziel des Gesetzgeber ist, dass Häftlinge nach zwei Dritteln ihrer Haftstrafe wieder frei kommen, um sich anschließend bewähren und so auch schneller resozialisieren zu können“, sagt Florian Gliwitzky, Sprecher der Staatsanwaltschaft München II. „Das soll einen erzieherischen Effekt haben. Zudem sind Auflagen wie eine Therapie möglich.“ Die Justiz verspricht sich durch die sogenannte Reststrafen-Bewährung mehr Kontrolle über die Ex-Häftlinge, da sie sich teilweise noch bis zu fünf Jahre lang nichts zu schulden kommen lassen dürfen – sonst wird zur neuen Strafe die noch zu verbüßende Haftzeit obendrauf gepackt.

Nach tz-Informationen hatte Matthias M. rund 130 Einträge im Polizei-Computer. Wie kann es sein, dass selbst so ein Serien-Krimineller früher freikommt? Gliwitzky: „Offensichtlich verlief seine Haftzeit ohne Probleme und seine Rückfallprognose war gering.“ Es sei auch nicht vorhersehbar, dass ein Einbrecher zum Vergewaltiger wird.

Andreas Thieme

Rubriklistenbild: © fkn

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