So wirkt sich der Euro aus

Wie viel Trinkgeld geben die Leute wirklich? Umfrage unter den Empfängern

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Mit dem Euro hat sich auch die Höhe des Trinkgeldes verändert.

Alle schimpfen über den „Teuro“. Früher hat ein Schweinebraten im Wirtshaus vielleicht 9,80 Mark gekostet, jetzt kostet er denselben Betrag in Euro. „Die meisten geben zehn“, war und ist ein beliebter Spruch.

Ebersberg – Auch wenn die Verfechter der neuen Währung immer betonen, dass man so nicht rechnen dürfe: In unserem Rechenbeispiel hätte sich das Trinkgeld rein rechnerisch und auf D-Mark-Basis verdoppelt. Wir wollten wissen: Ist das „Tip“ mit dem Euro mehr geworden? Die Antworten darauf sind sehr unterschiedlich - die Kollegen der Ebersberger Zeitung haben sich umgehört.

„Die Gäste gleichen den Betrag so an, wie sie das zu D-Mark-Zeiten gemacht haben“, sagt Frank Zückert, der Chef im Grafinger „Kastenwirt“. Wenn jemand eine Zeche von 47 Euro habe, „rundet er in der Regel auf 50 auf“. In den Zeiten vor der Währungsumstellung hätte das ein stattliches Trinkgeld von sechs Mark bedeutet. Aber darf man überhaupt so kalkulieren? Schließlich ist wirklich alles teurer geworden, auch das, was man sich vom Trinkgeld kaufen möchte.

„Ich denke, als die Umstellung gekommen ist, war es mehr. Weil nicht nachgedacht und gerechnet wurde. Jetzt ist es mittlerweile wieder so wie früher“, sagt Zückerts Bedienung Martina Hoppe-Köpsel. „Es wird nachgedacht, und es werden meistens die zehn Prozent gegeben“, berichtet sie aus ihrer Berufspraxis als Bedienung.

Friseur, Taxifahrer, früher vielleicht auch noch der Tankwart: Das sind Beispiele aus dem klassischen Personenkreis, der Trinkgeld bekam und mit Abstrichen auch noch bekommt. Was ist aber mit den anderen Dienstleistern, zum Beispiel einem Tiefbauingenieur?

Josef Gruber-Buchecker, der in Ebersberg ein Ingenieurbüro betreibt, lacht auf diese Frage. „Ich bekomme nie Trinkgeld. Ich könnte mich jedenfalls nicht daran erinnern“, sagt er. Insofern erübrige sich die Frage, ob es mehr oder weniger geworden sei, meint er sinngemäß. Das liege daran, so der Ingenieur, dass er „zu 90 Prozent öffentliche Auftraggeber wie Kommunen oder Landratsämter und Behörden“ habe. Anerkennung gibt es trotzdem ab und zu. „Ich habe erst neulich eine Schachtel Pralinen bekommen.“ Da habe er für eine Frau einen Bordstein abgesenkt, die Angst hatte, dass sie mit ihrem Fahrzeug nicht unbeschadet drüberkommt.

„Je teurer alles wird, umso weniger haben die Leute zur Verfügung. Das wirkt sich auch aufs Trinkgeld aus“, sagt Hermann Schmid, der in Ebersberg eine Esso-Tankstelle betreibt. Mit der Umstellung auf Selbstbedienung sei das Trinkgeld „auf fast nichts“ zurückgegangen. Das gelte auch für die der Tankstelle angeschlossene Waschstraße. „Es sind nur mehr ganz wenige, die etwas hergeben.“

Bedienung Martina Hoppe-Köpsel nimmt es gelassen: „Ich bin aber auch keinem böse, der keins gibt. Ist eine freiwillige Sache. Ich bediene alle gleich, egal ob sie was geben oder nicht.“

„Mit dem Euro ist es eigentlich weniger geworden“, bestätigt hingegen Richard Ranner aus Ebersberg. Er ist Installateur und kommt schon mal auch zu Notfällen ins Haus. „Zu Markzeiten haben wir noch mehr Trinkgeld bekommen. Diejenigen, die wirklich ,Pulver’ haben, geben am wenigsten“, meint er trocken.

Der Tullinger Hausmeister Hans Steinegger glaubt, dass der Euro zwar an der Trinkgeldhöhe nicht viel geändert habe: „Früher hat man fünf Mark bekommen, jetzt bekommt man fünf Euro. Aber das Geld war damals auf alle Fälle mehr wert. Früher hat eine Currywurst fünf Mark gekostet, jetzt kostet sie sechs Euro.“

Die steuerliche Behandlung von Trinkgeld ist übrigens nicht ganz unkompliziert. Bekommt ein Angestellter etwas zugesteckt, ist der Betrag steuerfrei, bekommt die finanzielle Zuwendung der Unternehmensinhaber selbst, muss er sie als Betriebseinnahme versteuern. „Das konnte man als Chef ja gar nicht kontrollieren“, sagt die stellvertretende Friseurinnungsmeisterin Brigitte Berger, die ihren Salon Kamm und Schere in Kirchseeon betreibt. „Die Kunden haben das den Angestellten früher einfach in den Kittel gesteckt.“

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