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Wirt provoziert durch „Karl-May-Abend mit Zigeunerschnitzel und Negerkuss-Semmel“

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Von: Sebastian Tauchnitz

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"Winnetou"-Debatte
Die Winnetou-Debatte nimmt mittlerweile immer absurdere Züge an. Ein Weilheimer Wirt möchte nun einen Protest-Abend mit „Zigeunerschnitzeln und Negerkuss Semmeln“ organisieren. © Horst Ossinger

Bei den Naturfreunden in Weilheim hängt derzeit der Haussegen schief. Grund ist ein Facebook-Posting des Wirts des Naturfreundehauses. Der Verband hat es löschen lassen und distanziert sich deutlich davon.

Update 31. August, 14.30 Uhr: Mittlerweile hat sich der Wirt zu Wort gemeldet. Er distanziert sich aufs Schärfste von dem ursprünglichen Posting und hat eine ungewöhnliche Erklärung, wie es dazu kommen konnte.

Ursprungsmeldung vom 30. August 2022:

Weilheim – Die Debatte um den Umgang mit den Werken von Karl May und den darauf basierenden „Winnetou“-Filmen nimmt dieser Tage teilweise absurde Züge an. Kritiker und Verteidiger der fiktiven Geschichten über den Apachen und seinen deutschen Freund Old Shatterhand diskutieren immer erbitterter.

Winnetou mit „Negerkuss“ und „Zigeunerschnitzel“: „Protest Karl May Filme Open Air Abend“ angekündigt

Auch der Wirt des Naturfreundehauses in Weilheim, Ole Krug, schaltete sich öffentlich in die Debatte ein. Er kündigte auf Facebook einen „Protest Karl May Filme Open Air Abend“ am Naturfreundehaus an. Das wurde später auch in der Gruppe „Du kommst aus Weilheim“, die mehrere tausend Mitglieder hat, geteilt.

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Und um offensichtlich ganz deutlich zu machen, was er von der Debatte um Sprache und Begrifflichkeiten hält, versprach er, an diesem Abend „Zigeunerschnitzel“ und „Negerkuss Semmeln“ zu servieren. Wenige Stunden später war das Posting allerdings wieder verschwunden.

Nur wenige Stunden stand dieser Beitrag auf Facebook. Dann ließen ihn die Naturfreunde löschen.
Nur wenige Stunden stand dieser Beitrag auf Facebook. Dann ließen ihn die Naturfreunde löschen. © Screenshot: Gall

„Ich habe bei Facebook den Beitrag gemeldet und eine Löschung beantragt“, sagt der Erste Vorsitzende der Naturfreunde Weilheim, Josef Wurm. Er ist, daran kommt kein Zweifel auf, stinksauer auf den Pächter der Gaststätte, der die Geschäfte vor rund zwei Jahren übernommen hatte. „Das ist eine vollkommen unnötige Provokation, die droht, auf den Verein zurückzufallen“, so Wurm. Er stellt klar: „Wir Naturfreunde missbilligen die provozierenden Äußerungen aufs Schärfste.“

Doch Wurm kann nach eigener Aussage nur noch Schadensbegrenzung betreiben. „Der Bundesverband der Naturfreunde hat bereits beim Landesverband nachgefragt, was da bei uns los ist. Und die haben sich bei uns gemeldet“, berichtet der Erste Vorsitzende.

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Winnetou mit „Zigeunerschnitzel“: Pächter der Gaststätte auf Nachfrage nicht zu erreichen

Der Wirt des Naturfreundehauses, Ole Krug, war für eine Stellungnahme trotz wiederholter Versuche nicht zu erreichen.

Dem ohnehin belasteten Verhältnis zwischen den Naturfreunden als Eigentümer der Liegenschaft und dem Wirt wird die jüngste Provokation nicht unbedingt zuträglich sein. „Wir wissen spätestens seit Corona, auf welcher Seite Herr Krug steht“, sagt Wurm. Dennoch habe man ihn bislang gewähren lassen. Weil man damals froh gewesen sei, dass man mitten in der Pandemie überhaupt einen Wirt gefunden habe, der die Gaststätte übernehmen wollte. Und weil man vereinbart habe, dass Krug „innerhalb des Pachtvertrages schalten und walten kann, wie er will“.

Doch mit dem Posting sei er zu weit gegangen: „Dass man versucht, Begriffe wie ,Zigeuner’ und ,Neger’ heute zu vermeiden, hat nichts mit übertriebener politischer Korrektheit, sondern ganz allgemein mit Respekt vor allen Menschen zu tun.“

Bei den Naturfreunden zeichne sich ein deutlicher Trend ab, so Wurm weiter: „Der Wirt wirft uns immer wieder vor, dass sich immer weniger Vereinsmitglieder bei ihm blicken lassen. Dabei ist er mit seinem Verhalten selbst Schuld, dass die Naturfreunde mittlerweile das Lokal meiden.“

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