Allein mit der kleinen Tochter

Tölzer wird mit 22 Jahren Witwer - nur 18 Tage nach der Hochzeit

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Nur 18 Tage nach der Hochzeit starb die Ehefrau von Christian Waldinger. Seitdem kümmert er sich um die einjährige Tochter Sarah allein.

Nur 18 Tage dauerte das Eheglück von Christian und Nicola Waldinger. Dann starb die 29-Jährige. Nun kümmert sich der junge Tölzer allein um Töchterchen Sarah.

  • Ein junger Tölzer verliebt sich in eine Frau, die dem Tod geweiht ist.
  • Sie heiraten und bekommen ein Kind.
  • Nun ist Christian Waldinger mit 22 Jahren Wittwer.

Bad Tölz – Bei Artikeln für die Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ ändert die Redaktion normalerweise die Namen der Betroffenen. Diesmal nach Absprache nicht. Das Schicksal der Familie Waldinger ist so ungewöhnlich grausam, dass in Bad Tölz ohnehin jeder wissen dürfte, wer gemeint ist. 

Die Frau, die er liebt, hat nicht mehr lange zu leben. Das wusste Christian Waldinger. Trotzdem wollte der heute 22-Jährige seine Nicola unbedingt heiraten. „Dass es so schnell geht, hätten wir aber nicht gedacht.“ Im vergangenen Sommer starb die 29-Jährige am 7. Juli – 18 Tage nach der Hochzeit, rund einen Monat nach dem ersten Geburtstag ihrer Tochter und nicht einmal ein Jahr nach der Krebs-Diagnose. 

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Drama in Bad Tölz: Junge Frau stirbt - auf der Beerdigung sollte niemand Schwarz tragen

Die Ärzte hatten zunächst eine besonders aggressive Form von Brustkrebs diagnostiziert. Ein halbes Jahr später kam heraus: Auch im Gehirnwasser, dem Liquor, befanden sich Tumorzellen. Als OP-Assistentin wusste sie, was das bedeutet, sagt ihr Mann. Sie versuchte, das Beste aus der ihr noch verbleibende Zeit zu machen. Den ersten Geburtstag von Töchterchen Sarah feierte sie groß mit Familie und Freunden. Bei der standesamtlichen Hochzeit am 19. Juni in Bad Tölz wirkte sie ihrem Mann zufolge fröhlich. Gleichzeitig plante sie ihr Begräbnis auf dem Waldfriedhof. Niemand sollte Schwarz tragen. Als Lied wünschte sich Nicola Waldinger „From the grave“ von James Arthur. „Gebt nicht auf, wenn ich weg bin, gebt nicht auf“, heißt es darin.

Zum Isarfest des SC Rot- Weiß Ende Juni musste Christian Waldinger seine Frau bereits mit dem Rollstuhl fahren. „Sie hatte krasse Kopfschmerzen“, sagt er. Am 4. Juli sagte Nicola Waldinger dann zu ihrem Mann: „Ich mag sterben.“ Drei Tage später wurde sie tatsächlich erlöst. Zuhause, wie sie es sich gewünscht hatte. Ihr Mann war in den letzten 70 Stunden fast rund um die Uhr bei ihr, fütterte und wusch sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mit 22 Jahren machen muss.“ Ein letztes Lächeln entlockte der Sterbenden Miko, der Sohn ihrer Zwillingsschwester. Von Tochter Sarah hatte sich Nicola Waldinger schon zuvor verabschiedet.

Bad Tölz/Bayern: Junger Witwer (22) kümmert sich rund um die Uhr um Tochter Sarah (1)

Viele glauben, dass die Einjährige noch zu klein sei, um zu verstehen, was passiert ist. Christian Waldinger sieht das anders. Tagsüber sei die Kleine zwar fröhlich und bezaubere alle mit ihrem Charme. Nachts aber plagen das Mädchen offensichtlich Verlustängste. „Sie kann nur bei mir schlafen, sie braucht die Nähe.“ Im Moment kümmert sich der 22-jährige Witwer rund um die Uhr um sein Kind: Sein Arbeitgeber hatte dem Gerüstbauer gekündigt, als er zuhause blieb, um seine Frau auf ihrem letzten Weg zu begleiten. „Das war aber abgesprochen.“ Sobald Sarah in die Krippe geht, kann Christian Waldinger wieder an seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren, so der Deal. „Ich will arbeiten, aber nur, wenn die Kleine zurechtkommt“, sagt er.

Tragischer Todesfall in Bad Tölz: Für den Grabstein fehlt das Geld

Ihm selbst geht es nach eigenen Angaben unterschiedlich schlecht: „Das ist Tagesform-abhängig.“ Zu der Trauer und der Belastung als alleinerziehender Vater kommen finanzielle Sorgen: Die Beerdigung konnte er mit Hilfe seiner Familie und den Angehörigen seiner Frau stemmen. Für den Grabstein aber fehlt ihm das Geld. „Selbst ein gebrauchter kostet mit Gravur rund 3000 Euro.“ Nun hofft Christian Waldinger auf finanzielle Unterstützung aus dem Fonds der Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ von Tölzer Kurier, Isar-Loisachbote und Geretsrieder Merkur.

Weihnachten wollte der alleinerziehende Vater heuer eigentlich ausfallen lassen. „Denn das einzige, was ich mir wünsche, kann nicht in Erfüllung gehen.“

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