Wo ist das Phantom?

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Das Phantombild des Täters

München - Am 25. November 2006 schlägt am Brauneck ein Sextäter zu: Der Mann überfällt und vergewaltigt eine Wanderin (67) und lässt sie angekettet in der Kälte zurück. Das Monster vom Brauneck ist bis heute ein Phantom geblieben.

Dieser Fall ist schon allein in dieser ­Bösartigkeit einmalig in der bayerischen Kriminalgeschichte: Am heutigen Freitag jährt sich zum fünften Mal ein Fall, der im Jahr 2006 europaweit für Schlagzeilen sorgte und immer wieder präsent ist, weil der Täter bislang nicht gefasst werden konnte.

Am 25. November 2006 verfolgt ein offensichtlich sadistisch veranlagter Sexualtäter vier Stunden lang eine einsame Wanderin (67) im Leitenberg-Gebiet nördlich des Braunecks bei Lenggries. Ein gefährlicher, machtbesessener Frauenjäger, der sich an der Ahnungs­losigkeit seines Opfer ergötzt.

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Hinter einer Wegbiegung dreht er den Wegweiser um und lockt die orts­unkundige Münchnerin auf diese Weise in ein abgelegenes Seitental fernab der Wanderwege. Dort bedroht er sie mit dem Messer, vergewaltigt und beraubt sie. Dann stößt er die schwer traumatisierte Rentnerin mit verbundenen Augen mitten ins Dickicht, knebelt sie mit rotem Klebeband, fesselt sie mit einer Handschelle an eine Wurzel – und überlässt sie ihrem Schicksal.

Die nächste Nacht hätte die nur noch dürftig bekleidete Frau im kalten Gebirge nicht überlebt. Ein unglaublicher Zufall wollte es, dass ein Jäger die Frau kurz vor Einbruch der Dunkelheit fand.

Zu diesem Zeitpunkt war das Monster vom Brauneck – so wurde der Täter genannt – bereits auf der Fahrt nach München. Im Ausweis der Frau findet er ihre Adresse. Mit ihrem Schlüssel geht der Mann eiskalt in ihre Giesinger Wohnung. Er findet 20 Euro, etwas Schmuck, eine (ungültige) EC-Karte und den Ehrering des verstorbenen Mannes. Gegen 17.45 Uhr verlässt er das Haus. Die Polizei verpasst ihn lediglich um zehn Minuten.

Das sitzt der ermittelnden Weilheimer Kriminalpolizei wie ein Stachel im Fleisch:. „Dieser Chance trauern wir heute noch nach,“ bestätigte Ermittler Paul Schäfer gegenüber dem Münchner Merkur.

9300 Spuren und Hinweisen sind die Ermittler nachgegangen Der Fall füllt mittlerweile meterweise Aktenordner. 700 DNA-Abgleiche wurden analysiert. Doch der Treffer blieb bislang aus. Immerhin: Es gibt Täter-DNA. Gewonnen aus Hautpartikeln an der Kleidung des Opfers. Sollte der damals etwa 45-jährige, hagere Mann je polizeilich in Erscheinung treten, wird ihm diese Spur zum Verhängnis werden. Die Profiler denken, dass er ein weitgehend normales Leben führt. Und dass sein Lebensmittelpunkt im Großraum München liegt.

Dorita Plange

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Hat das Monster sogar gemordet?

Luise Zimmermann

Ohne Frage gibt es Parallelen zwischen den beiden Fällen. Doch ob das Monster vom Brauneck auch einen Mord auf dem Gewissen hat, bleibt vorerst Spekulation: Inmitten von Hunderten Wanderern, die an einer Volkswanderung in Aying teilnahmen, verschwindet am 7. Juni 2009 die Neuperlacher Rentnerin Luise Zimmermann (73). Zwei Wochen später finden Spaziergänger ihre entsetzlich zugerichtete Leiche im Egmatinger Forst bei Kaltenbrunn. Die Rentnerin wurde erwürgt, ausgezogen, mit Benzin übergossen und angezündet. Ihre gesamte Habe und Kleidung nahm der Mörder mit. Nichts davon ist je wieder aufgetaucht. Nur ihre Brille wurde im Wald gefunden. In diesem Fall jedoch blieb die Wohnung des Mordopfers an der Paul-Löbe-Straße in München unberührt. Und es ist auch nicht klar, ob das Monster vom Brauneck zu einem derart kaltblütigen Mord fähig gewesen wäre. Mit gewaltigem Aufwand überprüfte die Erdinger Kripo unter anderem Tausende Handy-Verbindungen vom Tattag. Bislang ohne Erfolg.

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