Streit gerät völlig außer Kontrolle

Wasser-Attacke und Watschn bei Wohnungsübergabe

Weißenfeld - Zwei pitschnasse Frauen, eine donnernde Watschn, ein fliegendes Handy und zum Schluss noch ein Polizeieinsatz: Das ist die Bilanz einer Wohnungsübergabe in Weißenfeld.

Das Verhältnis zwischen Gerald F. (53) und seiner Vermieterin Hannelore M. (63) (alle Namen geändert) war nicht das Beste. Er behauptete, in der Wohnung in Weißenfeld werde man krank, weil sie schimmelig sei. Außerdem blieb er öfter mal die Miete schuldig. „Aufgrund meiner finanziellen Situation“, räumte F. vor Gericht ein. Die Vermieterin wollte ihn zum Schluss einfach nur loswerden: „Mit dem Herrn F. gab’s dauernd Ärger.“ Der anvisierte Auszugstermin wurde mehrfach verschoben, schließlich einigten sich die Parteien auf den 30. September vergangenen Jahres. Der Schlüssel sollte in der Garage deponiert werden.

Als die Wohnungseigentümerin zusammen mit ihrer Tochter Hanna M. am 1. Oktober mittags (35) zur Besichtigung schreiten wollte, lag zwar kein Schlüssel in der Garage, dafür war noch lebhafter Betrieb in der Wohnung. Einrichtungsgegenstände, Teppiche, Umzugskartons und jede Menge Wassereimer: „Meine Frau und ich wollten noch alles putzen“, sagte F. vor Gericht zur Entschuldigung.

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Die Vermieterin zog nach einem kurzen aber bereits heftiger werdenden Wortwechsel ein Handy aus der Tasche und wollte mit den Fotos später belegen, dass die Wohnung noch nicht besenrein verlassen ist. Damit habe sie ja wohl Anspruch auf die Zahlung weiterer Miete. Mit den Worten: „Ihnen muss man alles beweisen“, wollte sie gerade fotografieren, als das Unglück seinen Lauf nahm. Der Mieter packte die Mutter hart am Arm, schrie sie an: „Sie fotografieren hier garnichts“ und zerrte die Verdutzte ins Schlafzimmer, wo die 63-Jährige zu Boden stürzte und sich dabei verletzte. Als die Tochter ihrer Mutter wieder aufhelfen wollte, überschüttete der rabiate Mieter beide mit einem Eimer Wasser. „Ich bin selbst dabei nass geworden“, versuchte er das ganze als Versehen darzustellen. „Wir waren pitschnass von oben bis unten“, sagten die beiden Frauen übereinstimmend vor Gericht aus. Der Mann entfernte beide mit Gewalt aus der Wohnung, warf noch die Handtasche der Vermieterin hinterher und schloss die Türe. Das Handy gab er später erst heraus, als es die Polizei in seiner Wohnung suchte. Dafür stellte er sich vor Gericht als Opfer dar: „Ich hab eine Riesenwatschn bekommen. Mein Ohr hat gedröhnt.“ Hanna M. räumte ein, dass sie sich beim Versuch, sich aus der Umklammerung des Angeklagten zu befreien, „reflexartig“ gewehrt hatte.

Gerald F. ist fünffach vorbestraft, unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Widerstand und Fahrens ohne Führerschein. Eigener Auskunft nach absolvierte er ein Anti-Aggressions-Training, „um das in den Griff zu bekommen.“ Sein Verteidiger Florian Fink plädierte auf Freispruch und zog die Eigenbedarfskündigung in Zweifel, indem er der verblüfften Eigentümerin den Auszug aus einer entsprechenden Verkaufsanzeige in einem Immobilienforum präsentierte. „Das kann Schadensersatzansprüche nach sich ziehen“, warnte er. Auch zog er die Glaubwürdigkeit der beiden Zeuginnen in Zweifel.

Der Angeklagte lebt von Gelegenheitsarbeit, hat die Kosten aus zwei vorhergehenden Prozessen noch nicht beglichen und ist deswegen bereits von der Haft bedroht. „Ich kann nicht zahlen, wenn ich nichts verdiene“, sagt er. Zu seinen Gunsten rechnete Richterin Susanne Strubl, dass er sich am Ende der Verhandlung bei seinen Opfern entschuldigte. Strubl erkannte auf schuldig und verhängte ein Geldstrafe von 1050 Euro. Die Staatsanwältin hatte vier Monate auf Bewährung gefordert.

mps

Rubriklistenbild: © dpa

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