Spektakuläre Fotos

Streunt hier ein Wolf durchs Isental?

Da steht ein Wolf auf dem Feld! Diese Fotos machten zwei Frauen nahe Dorfen.

Dorfen - Zwei Frauen haben nahe Dorfen einen Wolf gesichtet und spektakuläre Bilder von dem scheuen Tier gemacht. Verschiedene Experten sind sich einig: Es ist ein Wolf. Und sogar seine Route ist nachvollziehbar.

Es ist Sonntagvormittag, kurz nach 9 Uhr: Zwei Frauen sind mit ihrem Auto Richtung Außerbittlbach (nahe Dorfen) unterwegs, als sie plötzlich auf einem Feld neben der Straße eine Bewegung wahrnehmen: "Was ist das denn? Ein Wolf?", rufen die Damen fast zeitgleich. Sofort stoppen sie ihr Auto und schießen mit ihrem Handy Fotos. Und was macht Isegrim? Der blickt kurz konzentriert in die Kamera und nimmt Reißaus …

Ein Wolf mitten im Isental – kann das denn sein? Die tz zeigte die spektakulären Fotos gestern mehreren Experten und der Tenor war immer der selbe: "Das sieht ganz nach einem Wolf aus!" Nix Hund oder so.

"Alles deutet darauf hin, dass es sich hier um einen Wolf handelt"

Auch Experte Peter Blanché von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe ist ziemlich sicher, dass hier Isegrim höchstpersönlich übers Feld streift: "Die Gesichtszeichnung, die Körperhaltung, der Blick – alles deutet darauf hin, dass es sich hier um einen Wolf handelt", erklärt Blanché gegenüber der tz. Das Tier sei zwar wohlgenährt, dies könne aber auf den sehr milden Winter zurückzuführen sein. Heißt: Es gab genug Nahrung. "Aber natürlich muss nun ganz genau untersucht werden, welches Tier hier herumstreunt und auch wo es herkommt." Genau das macht derzeit das Bayerische Landesamt für Umwelt. Auch sie haben die Fotos vorliegen, haben diese sofort an mehrere Wolfs-Kenner weitergeleitet. "Ein Ergebnis wird es in den nächsten Tagen geben", so die Behörde gestern zur tz.

Wolf könnte von Brannenburg bis Dorfen dem Inn gefolgt sein

Hier rennt der Wolf einen Feldweg entlang.

Stellt sich die Frage: Wie kommt ein Wolf ins Isental? Peter Blanché hat da eine These: "Das könnte womöglich das Tier sein, das Ende März nahe Brannenburg gesichtet wurde.“ Zur Erinnerung: Dort hatte eine Kadaver-Analyse an einer gerissenen Hirschkuh bewiesen, dass ein Wolf das Tier tötete. Zudem war der graue Räuber von einem Jäger kurz beobachtet worden. Aber von Brannenburg bis Dorfen – ist das nicht ein bisserl weit? „Nein“, sagt Blanché. „Wölfe können so eine Strecke in rund zwei Wochen problemlos bewältigen.“ Und noch etwas spricht für diese These: Einsame Wölfe ziehen gerne an Flüssen entlang, verlassen die Strecke nur, wenn sie Städte oder Dörfer umgehen müssen. "Es könnte sein, dass unser Tier hier die ganze Zeit dem Inn gefolgt ist." Direkt am Ufer hätte er so auch keine gefährlichen Straßen überqueren müssen. "Vielleicht will er gar in den Bayerischen Wald." Dort gibt es längst Wolfsrudel in freier Natur.

Es gab noch nie einen Angriff von einem Wolf auf einen Menschen

Angst müsse vor dem allein umherziehenden Tier übrigens niemand haben. "Es gibt freie Wolfsrudel in Brandenburg oder auch Sachsen. Insgesamt leben seit Jahren gut 200 Tiere frei in Deutschland – und es gab noch nie einen Angriff auf Menschen", erklärt Peter Blanché. „Das spricht doch für sich. Die Tiere sind viel zu scheu und vorsichtig.“ Gejagt dürfen Wölfe sowieso nicht werden, da sie unter strengem Artenschutz stehen.

Und wie geht es jetzt weiter? Das fragt sich auch Blanché.Die Politik müsse endlich Maßnahmen ergreifen. „Ich kann den Ärger bei manchen Almbauern schon verstehen. Sie können ihre Schafe oder auch Rinder dort oben vor Wölfen schwer schützen. Da müssen endlich Schutzmaßnahmen entwickelt werden.“ Maßnahmen, die den Menschen und dem Wolf gefallen. Und unser Isegrim aus dem Isental? Der wird wohl einfach weiterziehen. Ganz leise.

Armin Geier

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