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Kinder trauen sich nicht mehr raus, Landwirte in Aufruhr: Wolf reißt Schaf nur 20 Meter von Haus entfernt

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Von: Boris Forstner

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Der Riss eines Schafs durch einen Wolf ist nicht nur der erste derartige Fall im Landkreis, sondern aus Sicht der Landwirte auch eine gefährliche Entwicklung. Denn der Wolf hat das Schaf nur 20 Meter vom Haus entfernt in einem Böbinger Garten getötet.

Böbing – Wolfssichtungen gab es im Landkreis schon einige. Durch eine Fotofalle ertappt wurde im Juni 2020 ein Wolf nahe Forst, er war der erste zweifelsfreie Nachweis. Zuletzt vor drei Wochen, am 26. September, wurde erneut ein Tier im westlichen Landkreis fotografiert. Das hatte das zuständige Landesamt für Umwelt (LfU) gar nicht mehr mitgeteilt, sondern nur noch auf seiner Homepage dokumentiert – zu viele Wölfe sind mittlerweile im Freistaat unterwegs.

Wolf
In Böbing hat ein Wolf ein Schaf gerissen. Das tote Tier lag nur 20 Meter von einem Haus entfernt im Garten. © Symbolfoto: Panthermedia/arepiv

Da das LfU keine Orte von Wolfsrissen preisgibt, hatte die Heimatzeitung bei Scholz nachgefragt, ob er Kontakt zum betroffenen Schafhalter aufnehmen könne – und er berichtet schockierendes: „Eigentlich wollte die Familie nichts sagen, weil sie unerkannt bleiben will. Aber wegen der besonderen Umstände wollte sie doch einige Details bekannt machen“, berichtet Scholz.

Familie findet totes Schaf im Garten: „Wolf muss direkt vorher zugeschlagen haben“

Die DNA-Auswertung zu dem Wolf laufe noch, sagte eine LfU-Sprecher. Doch der bereits zweite Schafsriss in diesem Jahr – bereits im April waren drei Tier nahe Grasleiten bei Huglfing durch einen Goldschakal getötet worden – sorgt für Beunruhigung: Denn das Schaf wurde in Böbing am helllichten Tag direkt am Haus erlegt, wie Wolfgang Scholz, Präsident des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis, in Erfahrung gebracht hat.

Dieser Wolf war 2020 der erste Nachweis im Landkreis.
Dieser Wolf war 2020 der erste Nachweis im Landkreis. © Josef Hang

Demnach habe die Familie das tote Schaf, ein Zuchttier, an Allerheiligen morgens gegen 8.30 Uhr auf dem Weg in den Stall aufgefunden, und zwar nur 20 Meter vom Haus entfernt im umzäunten Garten. „Das hat die Familie natürlich sehr beunruhigt, vor allem, weil der Kadaver noch warm war“, berichtet Scholz. „Der Wolf muss direkt vorher zugeschlagen haben, vielleicht hat ihn die Familie unwissentlich verjagt.“

Kinder haben Angst, nach draußen zu gehen - Scholz fordert Kehrtwechsel im Umgang mit Wolf

Merkwürdig sei gewesen, und das habe auch der alarmierte Fachmann vom LfU bestätigt: Alle anderen Schafe seien ruhig geblieben. „Normalerweise herrscht in einer Schafherde völlige Aufregung, wenn ein Wolf zuschlägt“, so Scholz. Aufregung herrsche dafür jetzt bei der Familie, die Kinder hätten verständlicherweise Angst, nach draußen zu gehen.

Scholz fordert deshalb endlich einen Kehrtwechsel im Umgang mit dem Wolf. „Er muss bejagt werden dürfen, damit er wieder lernt, vor dem Menschen Angst zu haben.“ Wenn man die Wölfe weiter gewähren lasse, verlieren sie immer weiter ihre eigentlich natürliche Scheu, fürchtet Scholz. Der Wolf habe keine Feinde, deshalb müsse er den Menschen als Feind wahrnehmen.

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Die Maßnahmen des Freistaats, etwa Schadensausgleich und die Förderung von Wolfszäunen, in die erst vergangene Woche passenderweise neben Böbing auch weitere Orte im Landkreis aufgenommen wurden, stellt Scholz in Frage: „Darüber lacht ein Wolf doch. Wenn er Hunger hat und so einen Zaun überwinden will, dann macht er das auch.“

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