1. tz
  2. München
  3. Region

Schwarzbauten stehen vor Abriss: Bauherr beschwert sich beim Landtag - Bürgermeister entkräftet Verdacht

Erstellt:

Von: Carl-Christian Eick

Kommentare

Ein Kameramann
Der drohende Abriss von drei Einfamilienhäusern in Wolfratshausen sorgt für Aufsehen. Das Bayerische Fernsehen drehte am Freitag vor Ort – der Beitrag von Redakteur Boris Berg wird voraussichtlich am Montag um 17.30 Uhr in der Abendschau zu sehen sein. © Peter Herrmann

Drei Einfamilienhäusern droht der Abbruch, alle drei sind Schwarzbauten. Jetzt melden einige Mieter Zweifel an - und der Bauherr beschwert sich beim Bayerischen Landtag über das Landratsamt.

Wolfratshausen – Im Stadtteil Weidach kämpfen drei Familien um ihr Zuhause. Die Mieter leben wie berichtet nach Auffassung der Bauaufsichtsbehörde in Schwarzbauten, der Immobilieneigentümer ist aufgefordert worden, die drei Einfamilienhäuser am Isarspitz 24, 24a sowie 25 bis spätestens 1. Oktober abzureißen. Was einige Mieter wundert: Auf einem angrenzenden Grundstück (Isarspitz 23) sind in jüngster Vergangenheit zwei Doppelhäuser errichtet worden, an denen die Behörde keinen Anstoß nehmen würde. Offenbar, das mutmaßen die Nachbarn, werde in Weidach mit zweierlei Maß gemessen.

(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Abriss von Schwarzbauten: Bauherr beschwert sich beim Bayerischen Landtag über maßgebliche Behörde

Dieser Eindruck sei falsch, betont auf Nachfrage Vize-Bürgermeister Günther Eibl, der im Moment Rathauschef Klaus Heilinglechner vertritt. Eibl ist seit vielen Jahren Mitglied des Bauausschusses des Stadtrats und mit allen Details der Wohnbebauung an besagter Örtlichkeit vertraut. Mit Blick auf den Isarspitz 23 stellt Eibl fest: Die zwei Doppelhäuser seien „komplett im Innenbereich errichtet worden“, somit seien die Bauvorhaben „überhaupt nicht miteinander vergleichbar“. Alle drei Schwarzbauten stehen im Außenbereich, in dem eine Bebauung grundsätzlich nicht zulässig ist. Allen drei Objekten versagte der Bauausschuss des Stadtrats seine Zustimmung, schließlich ersetzte das Landratsamt das gemeindliche Einvernehmen – und erteilte 2014 eine Baugenehmigung. Von der, das betont Landrat Josef Niedermaier, würden die drei Häuser allerdings „komplett“ abweichen.

Häuser in Wolfratshausen
Die zwei Doppelhäuser am Isarspitz 23 in Wolfratshausen stehen laut Vize-Bürgermeister Günther Eibl im Innenbereich – und entsprechen nach seinen Worten dem Vorbescheid der Stadt sowie der Baugenehmigung der Kreisbehörde. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Gegen die – mit Auflagen versehene – Bebauung des Grundstücks Isarspitz 23 hatte der Fachausschuss des Wolfratshauser Stadtrats keine Einwände. Eibl verweist auf das öffentliche Protokoll der Sitzung vom 8. April 2020. Kurzversion: Antrag auf Vorbescheid für den Bau von zwei Doppelhäusern mit 10:0 bewilligt. Nach Prüfung des Vorbescheids durch das Landratsamt erteilte die Kreisbehörde die Baugenehmigung. Eibl legt Wert auf die Festellung, dass „immer“ von zwei Doppelhäusern die Rede gewesen sei. Ursprünglich war der damalige Kreisbauamtsleiter davon ausgegangen, dass am Isarspitz 23 nur eins gebaut werden dürfe – diese Einschätzung korrigierte er laut Eibl allerdings kurze Zeit später.

Vize-Bürgermeister Eibl: Entscheidung obliegt allein dem Kreisbauamt

Den drohenden Abriss der drei Schwarzbauten will der Wolfratshauser Vize-Bürgermeister nicht kommentieren. Die Entscheidung obliege allein der Bauaufsichtsbehörde in Bad Tölz. Eibl erinnert daran, dass der Bauausschuss jeden Bauantrag mit Blick auf die Grundstücke 24, 24a und 25 konsequent abgelehnt habe. Auch das Anliegen des Bauherrn, das Verbote im Nachhinein zu legalisieren, wies das Gremium 2018 einstimmig zurück. Eibl, seinerzeit Fraktionschef der CSU, empörte sich in der Sitzung über das „rigide“ Vorgehen des Bauherrn, der das Projekt „ohne Rücksicht auf Verluste durchgezogen hat“.

Nun soll der Geretsrieder die Schwarzbauten abreißen. Erwartungsgemäß ist das nicht in seinem Sinne. Er versucht weiterhin, nachträglich eine Baugenehmigung für die drei Häuser zu bekommen. Das Verwaltungsgericht (VG) München wies seine entsprechende Klage bereits ab, ob der Verwaltungsgerichtshof München eine Berufung gegen das VG-Urteil zulässt, steht in den Sternen.

„Beschwerde über das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen“ liegt Landtag vor

Bleibt noch der Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags, von dem sich der Bauherr Hilfe verspricht. Auf Nachfrage bestätigt Sonja Mutke, Pressereferentin des Landtagsamts, dass eine Petition „Beseitigungsanordnung für drei Einfamilienhäuser, Gemarkung Weidach, Beschwerde über Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen“ vorliege. Bis Ende Mai habe die Staatsregierung nun Zeit, eine Stellungnahme zu dem Fall abzugeben. Erst dann, so Mutke, „kann über die Petition im Ausschuss beraten werden“. (cce)

Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare