„Vieles ist blockiert worden“

Er ist zuversichtlich: Vize-Bürgermeister sagt Altstadt-Sterben den Kampf an

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„Eine Gemeinschaftsarbeit“: Für die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt müssen sich in den Augen von Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller die Kommune, die Einzelhändler, die Hausbesitzer, die Anwohner und die potenziellen Kunden ins Zeug legen. Foto: sh

Die Geschäftsschließungen in der Wolfratshauser Altstadt führt Fritz Schnaller nicht zuletzt auf Fehler der Politik zurück. Doch der Vize-Bürgermeister blickt sehr zuversichtlich in die nahe Zukunft.

Wolfratshausen – Der Gummibärchenladen am Marienplatz ist seit dem Wochenende Geschichte, im Fachgeschäft „Cucinella“ gehen Ende dieses Monats die Lichter aus. „Normal ist die Entwicklung nicht“, stellt Fritz Schnaller fest. Der Vize-Bürgermeister, der mit seiner Ehefrau Ingrid die Raritätenstube in der Altstadt betreibt, hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Höhen und manche Tiefen erlebt. Sowohl als Kaufmann als auch als Kommunalpolitiker. Dass die Rahmenbedingungen für die Händler in der Innenstadt trotz zahlreicher Lippenbekenntnisse bis auf den Tag suboptimal sind, dafür seien die Stadträte mitverantwortlich, räumt Schnaller ein: „Wir sind in der Vergangenheit leider nicht zu Potte gekommen.“ Die Vertreter der verschiedenen Fraktionen hätten „nicht sehr konstruktiv zusammengearbeitet“, stellt Schnaller rückblickend fest. „Über viele Jahre ist vieles blockiert worden“, gibt er zu. 

Doch diese Zeiten seien vorbei, betont der SPD-Stadtrat mit Nachdruck. Mittlerweile würden alle Fraktionen in puncto Innenstadt an einem Strang ziehen. Bestes Beispiel für den überparteilichen Schulterschluss sei das einstimmige Votum, die Marktstraße umzugestalten. Wie berichtet hatte Schnaller zuvor hinter den Kulissen hartnäckig um die Unterstützung von Behörden und Landespolitikern sowie um das Wohlwollen des Bundesverkehrsministers gerungen. Mit Erfolg: Ende des Jahres wird laut Schnaller ein erstes Planungsergebnis auf dem Tisch liegen. Dieses soll nach einem Bürgerbeteiligungsprozess in die Tat umgesetzt werden. Eine Option ist, die Verkehrsfläche zwischen Reiser- und Schwankl-Eck von Hausfassade zu Hausfassade auf ein Niveau zu bringen. So könnte man sich von den ungeliebten hohen Gehwegkanten verabschieden.

Im Wettbewerb der Städte braucht’s „ein bisschen Egoismus“

Für Schnaller ist die bauliche Neugestaltung der Innenstadt ein wichtiger, aber nicht der einzige Mosaikstein zur Attraktivitätssteigerung. Für vier städtische Immobilien (Untermarkt 10, ehemalige Happsche Apotheke, altes Pumpenhaus am Loisachufer und Boodevaar-Turm) werde derzeit ein Gesamtkonzept erarbeitet. Der Vize-Bürgermeister steht auf dem Standpunkt: „Die Kommune hat Vorbildfunktion.“ Darüber hinaus rechnet Schnaller fest damit, dass Ende 2018 klar ist, wo im Innenstadtbereich zusätzliche Parkplätze entstehen – und wie viele.

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Die Attraktivitätssteigerung „ist eine Gemeinschaftsarbeit“, sagt Schnaller. Die Geschäftsinhaber, die Hausbesitzer, die Anwohner und nicht zuletzt die potenziellen Kunden würden mit in der Pflicht stehen, „Wolfratshausen zukunftsfähig zu machen“. Dazu braucht es in Schnallers Augen „ein bisschen Egoismus“, ohne im Wettbewerb mit Städten wie Bad Tölz, Weilheim, Murnau und Geretsried „unfair zu werden“. Er ist optimistisch, dass das Ziel erreicht wird. „Ich bin grundsätzlich immer zuversichtlich“, sagt Schnaller im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit Blick auf die Entwicklung der Innenstadt sei er „belastbar zuversichtlich“.

Sogar vom scheinbar übermächtigen Gegner Internet lässt sich Schnaller nicht ins Bockshorn jagen. Dass sich das Einkaufsverhalten – vor allem das der jungen Generation – gewandelt hat, sei nicht zu leugnen. „Aber der stationäre Handel ist nicht wehrlos.“ Das Internet sei anonym und nicht frei von Fallstricken. „Wir dagegen können den Kunden kompetent und verlässlich persönlich beraten, bei uns kann er die Produkte anschauen und anfassen. Aber wir müssen durch solche zusätzlichen Qualitätsmerkmale auch punkten“, sagt Schnaller zur „Herausforderung Internet“. cce

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