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„Es soll ein wunderbarer Tag werden“: Wolfratshauser erfüllt Todkranken die letzten Wünsche

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Wünschewagen im Ötztal: Einer der Fahrgäste wollte zum letzten Mal dorthin.
Wünschewagen im Ötztal: Einer der Fahrgäste wollte zum letzten Mal dorthin. © asb

Kurt Züge begleitet mit dem ASB-Wünschewagen schwerstkranke Menschen. Viele wollen zu besonderen Orten. Der Wolfratshauser erlebt berührende Momente.

Wolfratshausen – Ein letztes Mal die Berge sehen, einen Sonnenuntergang am See erleben oder einen geliebten Menschen besuchen – das alles sind Wünsche schwerstkranker Menschen. Mit dem Wünschewagen versucht der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) zusammen mit einem Team Ehrenamtlicher diese Wünsche zu erfüllen. Einer der Fahrer ist der Wolfratshauser Kurt Züge. Mit dem Wünschewagen hält er auch bei der Seniorenmesse an diesem Mittwoch vor der Loisachhalle.

Wolfratshauser erfüllt Todkranken die letzten Wünsche: „Es soll ein wunderbarer Tag werden“

Ins Leben gerufen wurde das Projekt des ASB im Jahr 2014. „Mittlerweile haben wir deutschlandweit 24 Wagen, in Bayern stehen drei davon“, sagt Projektkoordinatorin Jennifer Zeller. Einer ist seit 2016 in München stationiert. „Das ist ein umgebauter Krankentransportwagen“, erklärt Kurt Züge. „um so mit der medizinischen Ausstattung den besonderen Ansprüchen unserer Fahrgäste Rechnung zu tragen.“ Immer mit an Bord sind zwei Fahrer sowie qualifizierte Rettungs- und Pflegekräfte. „Ohne sie geht gar nichts.“ Die Fahrt an den Wunschort ist für den Fahrgast und eine Begleitung kostenlos.

Kurt Züge
Kurt Züge, der Wolfratshauser erfüllt Todkranken die letzten Wünsche © sh

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ASB-Wünschewagen: Das Angebot erfüllt sehnliche Wünsche

Der Wolfratshauser kam vor vier Jahren über Medienberichte zu der Organisation. „Es hat mich einfach berührt“, sagt der 65-Jährige. ist. Seitdem ist er einer der ehrenamtlichen ASB-Wünschewagenfahrer. Natürlich gehen ihm die Schicksale der Menschen nahe. „Man weiß, dass der Fahrgast jemand ist, der in absehbarer Zeit sein Leben beenden wird.“ Aber man würde ihm nie die eigenen Emotionen zeigen. „Es soll für sie ein wunderbarer Tag werden. Nur das zählt.“

Angehörige oder Begleitpersonen berichten immer wieder, dass Schwerstkranke durch die Vorfreude auf die Fahrten regelrecht beflügelt werden. „Manche stehen sozusagen schon früh um sechs im Bett und sind ganz aufgeregt, wann es denn endlich losgeht.“ Die Freude zu sehen, wenn ein Wunsch erfüllt wird, wiege alles andere auf. Und stellen sich bei den Helfern doch einmal Unsicherheiten ein – „Wir sind ja auch keine Supermänner“ –, stehen ihnen Fachleute des ASB zur Seite.

Ehrenamt bei der ASB: Wolfratshauser macht einen Job, den nicht jeder kann

Bekannte von Kurt Züge reagierten positiv, als sie von seinem Ehrenamt erfuhren. Alle fanden es toll, aber meinten gleichzeitig auch, dass sie dass nie machen könnten. „Ich sag’ dann immer, dass ich auch keine männliche Mutter Teresa bin, sondern der Kurt – und dass ich einfach froh bin, das machen zu können und zu dürfen. Und ihr könnt das auch.“

Die Wünsche der sterbenskranken Menschen sind vielfältig. „Die Älteren möchten oft noch mal zu einem Ort, mit dem sie etwas Schönes verbinden, oder einfach einen bestimmten Menschen besuchen.“ Einmal fuhr Züge eine Dame zur Beerdigung ihres Mannes. „Sie bedankte sich für den schönen Tag“, berichtet er. „Wir konnten diesen Dank zuerst nicht einordnen, aber dann wurde uns klar, dass wir hier etwas möglich gemacht haben, woran sie sonst nicht hätte teilnehmen können – den Abschied von ihrem Mann.“

Bei den Jüngeren stehen oft Sportveranstaltungen an erster Stelle, wie ein Besuch in der Allianz-Arena. „Irgendwie wollen alle immer zum FC Bayern – zu meinen Löwen will keiner“, scherzt der Fan des TSV 1860 München.

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Kontakt zum Wünschewagen

Wünschewagen, Telefon 089/ 74 36 32 21 und E-Mail info@wuenschewagen.bayern.

Spendenkonto: Gemeinnützige GmbH für mobile Dienste des Arbeiter-Samariter-Bundes München, IBAN DE 09 7015 0000 0043 1444 43.

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