Ermittlungen laufen

Reizgas-Alarm in Sporthalle - 39 Kinder verletzt: Bürgermeister verspricht „Konsequenzen“ 

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Lagebesprechung an der Hammerschmiedschule: Ein Unbekannter hat am Mittwochabend in der Turnhalle vermutlich Pfefferspray versprüht. 39 Mädchen und Buben erlitten Atemwegsreizungen.

Nach dem Reizgas-Alarm in der Turnhalle am Wolfratshauser Hammerschmiedweg sucht die Polizei fieberhaft nach dem Täter. 

Wolfratshausen – Offensichtlich Pfefferspray hat am Mittwochabend einen Großalarm an der Dreifachturnhalle am Hammerschmiedweg in Wolfratshausen ausgelöst. Zu dem Zeitpunkt trainierten etwa 50 Mädchen und Buben der Turnabteilung des TSV Wolfratshausen in der städtischen Sporthalle. Die Polizei konnte noch nicht ermitteln, wer das Reizgas in einer Umkleidekabine versprüht und dadurch 39 Kinder verletzt hat. Zwei Buben aus Wolfratshausen liegen noch immer im Krankenhaus.

Andreas Spohn: Erster Kommandant der Wolfratshauser Feuerwehr.

Nachdem die Rettungsleitstelle Weilheim gegen 18 Uhr den Großalarm ausgelöst hatte, war Andreas Spohn als einer der ersten vor Ort. Mit knapp 30 Mann sperrte der Kommandant der Wolfratshauser Feuerwehr den Bereich, in dem das Reizgas versprüht worden war, ab. „Der Turnlehrer hat die Reste des Sprays, die sich als gelb-orange, handflächengroße Masse auf dem Boden der Umkleide festgesetzt hatte, bereits mit Toilettenpapier aufgewischt“, berichtet Spohn im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine Mannschaft reinigte den Boden zusätzlich mit chemischen Mitteln und lüftete die Räume. Das Toilettenpapier mit den Reizgasresten wurde in Plastiktüten verpackt und der Polizei übergeben. „Anschließend haben wir Messungen durchgeführt, konnten aber keine Schadestoffe mehr in der Luft feststellen“, so der Kommandant weiter. Der Fachberater für Gefahrgut von der Kreisbrandinspektion habe die Halle danach wieder freigegeben.

Als die jüngeren Kinder, die während des Vorfalls in der Halle waren, noch notärztlich versorgt wurden, „konnten die älteren, die normalerweise ab 18 Uhr dran sind, ihr Training mit Verspätung beginnen“, berichtet TSV-Übungsleiterin Beate Kaiser. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt eine Sekretärin der Hammerschmiedschule, dass die Turnhalle am Donnerstagmorgen wie gewohnt für den Sportunterricht genutzt werden konnte.

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Während die Arbeit der örtlichen Feuerwehren sowie der Münchner Berufsfeuerwehr am Mittwochabend relativ schnell abgeschlossen war, waren die rund 90 Kräfte der BRK-Bereitschaften – darunter Wolfratshausen, Geretsried, Murnau, Starnberg und Weilheim – zwei Stunden im Einsatz. „Viele Kinder klagten über ein Kratzen im Hals“, berichtet Kreisbereitschaftsleiter Jörg Kastner. „Die Notärzte haben den Sauerstoffgehalt im Blut sowie den Blutdruck gemessen und die Lunge auf Reizungen abgehört.“ Wie die Polizei bestätigt, erlitten insgesamt 39 Mädchen und Buben Atemwegsreizungen, vier Kinder brachte der Rettungsdienst in die Krankenhäuser nach Garmisch-Partenkirchen und Harlaching. „Dabei handelte es sich um reine Vorsichtsmaßnahmen, denn im schlimmsten Fall kann sich aus einer Reizung nach mehreren Stunden ein Lungenödem entwickeln“, sagt Kastner. Zwei Buben im Alter von zehn beziehungsweise zwölf Jahren wurden am Donnerstag weiterhin in der Klinik beobachtet.

Alle Kinder wurden befragt

Steffen Frühauf: Polizeihauptkommissar in Wolfratshausen.

Die Polizei setzte die Fahndung nach dem Täter am Donnerstag fort. Eine Ermittlungsgruppe der Wolfratshauser Inspektion hat den Fall übernommen. Erste Hinweise seien bereits eingegangen, „eine heiße Spur war hier jedoch bislang noch nicht dabei“, berichtet Hauptkommissar Steffen Frühauf. Die Sprühdose mit dem Pfefferspray habe am Tatort beziehungsweise im Umfeld des Tatorts nicht sichergestellt werden können. „Es ist nicht auszuschließen, dass es sich dabei um einen kleineren Behälter handelt, der als Tierabwehrspray frei zugänglich in der Drogerie erhältlich ist“, sagt der stellvertretende Dienststellenleiter. Um den Täter so schnell wie möglich zu ermitteln, werden nun alle Kinder, die am Turntraining teilgenommen haben, von der Polizei befragt. Frühauf: „Von besonderem Interesse ist für uns auch, wer am Mittwochabend gegen 17.45 Uhr auffällige Personen beobachten konnte und hierzu Hinweise geben kann.“

Bürgermeister: „Vorfall hat Konsequenzen“

Neben den Einsatzkräften war am Mittwochabend auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner an der Dreifachturnhalle, um sich selbst ein Bild von der Großlage an der städtischen Einrichtung zu machen. „Der Vorfall hat in jedem Fall Konsequenzen“, sagt Heilinglechner am Tag danach auf Nachfrage unserer Zeitung. Eine Ad-hoc-Entscheidung über konkrete Folgen möchte er allerdings noch nicht treffen. Zunächst müsse die Polizei ermitteln, wer das Gas versprüht hat. „Wenn in der Halle trainiert wird, kann theoretisch jeder rein. Dazu muss man aber die Trainingszeiten der unterschiedlichen Gruppen kennen“, sagt Heilinglechner. Neben Videoüberwachung sei es eine Möglichkeit, dass die Übungsleiter die Tür während des Trainings künftig zusperren. „Das ist aber auch nicht so einfach, denn wer zu spät zum Training kommt, müsste dann draußen bleiben.“ 

Außerdem sei nicht auszuschließen, dass der Täter zur Sportgruppe gehöre. „Die Aktion könnte auch bloß ein unüberlegter Dumme-Jungen-Streich gewesen sein“, sagt der Bürgermeister. Gleichzeitig betont er, dass die Stadt „den Vorfall keineswegs als Lappalie herunterspielt“. Er stehe bis auf weiteres in engem Kontakt mit der Polizei. Mit den Empfehlungen der Beamten will die Stadt letztendlich entsprechende Konsequenzen ziehen. mh

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