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Nach jahrelangem Frust gibt Tiny-House-Aktivist auf - „Der Traum ist aus“

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Von: Dominik Stallein

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Thorsten Thane auf dem kleinen Sofa in seinem Tiny House
Eng, aber gemütlich: Thorsten Thane in seinem umgebauten Zirkuswagen. Drei Jahre Arbeit stecken darin. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Wohnungsnot, Immobilienpreise, Bürgerbeteiligung: Thorsten Thane wollte mit Tiny Houses etwas an der Misere verbessern. Nach fünf frustrierenden Jahren gibt er seinen Traum auf.

Wolfratshausen – In den vergangenen fünf Jahren hat Thorsten Thane oft von seinem Traum gesprochen. Jetzt ist er geplatzt. Der Wolfratshauser engagiert sich mit viel Herzblut für alternative Wohnformen, sogenannte Tiny Houses. Und er arbeitete an seinem eigenen kleinen Haus: Einen alten Zirkuswagen hat Thane in liebevoller Arbeit zur funktionstüchtigen Mini-Wohnung umgebaut.

Wolfratshausen: Trotz Immobilienpreisen hoffnungslos - Tiny House-Aktivist gibt auf

Nur noch ein paar kosmetische Eingriffe wären noch nötig, dann wäre er bewohnbar. „Einen Tag Arbeit braucht es noch, dann passt alles“, sagt Thane. Er wird diese Zeit aber nicht mehr investieren. „Der Traum ist aus.“ Der 49-Jährige möchte seinen Wagen verkaufen.

Es ist eine Entscheidung, die Thane aufgrund jahrelanger Rückschläge und viel Frustration gefällt hat. Denn trotz der vielen Arbeit, die er in sein Herzensprojekt steckte: Nach fünf Jahren steht das Thema Tiny Houses im Landkreis in etwa auf dem selben Stand wie zu Beginn. „Unsere Ideen wurden von Anfang an torpediert“, sagt Thane im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Bürgerantrag – der Waldramer sammelte 230 Unterschriften für juristische Erleichterungen bei der Schaffung von alternativen Wohnformen – wurde zwar im Stadtrat behandelt und ihm auch zugestimmt. „Unser Bürgerantrag wurde aber so umformuliert, dass am Ende nur ein fauler Kompromiss zustande kam.“

Video: Das Do it yourself „Tiny House“

Mann verkauft Tiny House - und ist zutiefst enttäuscht über „Sturheit“ und Verleumdungen

Thane ist tief enttäuscht. „Womit keiner gerechnet hatte, war die Sturheit der hiesigen Behörden und Politik.“ Denn während ständig über fehlenden bezahlbaren Wohnraum und Bürgerbeteiligung diskutiert würde, „schlug uns ein Sturm von Vorurteilen entgegen“. Als „kiffende Hippies“ seien die Mitglieder des Vereins, den der Wolfratshauser gegründet hat, diskreditiert worden. Eine „vermüllte Wagenburg“ und „Trailerparks“ hätten die Tiny-House-Gegner heraufbeschworen.

Was er eigentlich erreichen wollte, hat Thane in einem Konzeptpapier festgehalten, an dem sogar einige Stadträte mitgewirkt haben. Nach Trailerpark klingt das nicht: Ein „partizipatives Bürgerprojekt“ wollte er im Garten des Klein-Anwesens an der Bahnhofstraße* realisieren. „Garten der Begegnung“ nannte er das Projekt – ein Zirkuswagen hätte als Anlaufstelle für verschiedene Aktionen aufgebaut werden sollte. Ein gemeinsamer Obstgarten, ein Freilichtkino, Kunstprojekte, Handarbeitstreffen, Vorlesestunden und Aktionen für alle Altersklassen hätte Thane gerne ein- respektive ausgerichtet. Der Zirkuswagen sei nicht als Wohnraum gedacht gewesen, betont er.

Thorsten Thane vor seinem Zirkuswagen
Hereinspaziert: Noch gehört der Wagen dem Tiny-House-Aktivisten. Der 49-Jährige will ihn aber verkaufen – aus Frust über den Stillstand. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Wolfratshausen: Bürger wollten Tiny Houses - Thane sieht „faulen Kompromiss“

„Bevor es unser Konzept überhaupt in eines der städtischen Gremien geschafft hat, wurde es vom Gros der Stadtratsmitglieder mit Bedenken und Mutmaßungen torpediert“, stellt Thane rückblickend fest. „Nicht nur Tiny Houses sind hier nicht gewollt, auch Bürgerbeteiligung scheint nur zu funktionieren, wenn diese über die teuer bezahlte Stadtmarketingabteilung initiiert wird*.“

Der 49-Jährige ist frustriert, zermürbt. Nun hat er die Notbremse gezogen: Sein Zirkuswagen steht zum Verkauf. „Mir sind die Ideen ausgegangen, wie ich hier in unserem Landkreis noch ein gemeinschaftliches Tiny House-Projekt umsetzen kann*“, sagt Thane.

Wolfratshauser Verein um Thorsten Thane bleibt bestehen - Kampf für Tiny Houses geht weiter

Vorstand des rund 70 Mitglieder starken Vereins „Einfach gemeinsam leben“* möchte er bleiben. Einsetzen will er sich für seinen Traum – und den anderer – auch weiterhin. „Aber ich glaube nicht mehr, dass ich hier im Landkreis jemals in einem Tiny House leben werde“, sagt er. Vielleicht werde er eines Tages umziehen – und an einem anderen Ort in einem Zirkuswagen leben.

Das sei ihm eh schon geraten worden – von Projektgegnern. Beim Stammtisch einer Partei sei ihm „empfohlen“ worden, doch einfach auszuwandern mit seinem Tiny House und seinen Ideen. „Es ist frustrierend“, bilanziert Thane. Vom seinem Traum spricht er nicht mehr, nur noch von Frust. (dst) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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