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Flößer atmen auf: Nach jahrelanger Corona-Zwangspause geht‘s ab jetzt wieder nach München

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Von: Peter Herrmann

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Floß Wolfratshausen
Am Samstagvormittag legte erstmals seit dem 10. September 2019 wieder ein Holzgefährt von der Weidacher Floßlände ab. © Hans Lippert

Die Corona-Zwangspause ist beendet: Erstmals seit September 2019 fuhr jetzt wieder ein Floß von Wolfratshausen „auf Minga“.

Wolfratshausen – Mit einer Mischung aus Vorfreude, Ungewissheit und Vorsicht fieberte Josef Seitner Samstagfrüh dem ersten Start eines Wolfratshauser Floßes seit fast drei Jahren entgegen. Der Geschäftsführer des an der Weidacher Floßlände gelegenen Familienunternehmens bereiteten vor allem die niedrigen Wasserstände von Loisach und Isar Kopfzerbrechen: „Seit März hat es kaum geregnet, hoffentlich kommen wir gut durch.“

Flößer atmen auf: Nach jahrelanger Corona-Zwangspause geht‘s wieder „auf Minga“

Auf dem aus 16 massiven Holzstämmen bestehenden Floß sind 60 Personen zugelassen – darunter drei Flößer und eine vierköpfige Musikgruppe. Während sich die Kapelle schon rund eine Stunde vor dem um 10 Uhr angesetzten Start am Weidacher Imbissstand einfindet, lässt der mit internationalen Teilnehmern gefüllte Reisebus aus Schliersee am Samstagmorgen auf sich warten. Als die Reiseleiterin telefonisch eine weitere Verspätung ankündigt, mahnt Seitner zur Eile. Denn aufgrund des niedrigen Wasserstands sei inklusive einer Pause im Mühltal mit einer etwa sechs bis siebenstündigen Fahrt „auf Minga“ zu rechnen.

Musik wird auf dem Floß nur „unplugged“ gespielt

Steuermann Jason Seitner befestigt derweil die Ruder – und die niederbayerischen Musiker der Landshuter Floßcombo nehmen ihre Plätze ein. „Wir haben uns riesig auf diesen Tag gefreut“, sagt Tubist Gottfried Empl. Eine Floßfahrt mit Maske und großen Hygieneabständen sei für ihn undenkbar. Leben kann er dagegen mit der Vorschrift, „unplugged“ – das heißt, ohne Verstärker – zu spielen.

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Nachdem der Brotzeitvorrat bestehend aus Spareribs, Flößerbrot, Almkäse, Rollbraten und Fassbier auf dem Floß platziert ist, biegt der Reisebus von den Serpentinen des Wolfratshauser Bergs auf die Floßlände ein. „Endlich“, atmet Seitner auf. Doch gerade, als er die deutschen, niederländischen und portugiesischen Touristen zum Treppenabgang am Loisachufer geleiten will, kommt es zu einer erneuten Verzögerung: Fast jeden Teilnehmer der feucht-fröhlichen Floßfahrt drückt schon jetzt die Blase, also führt der erste Gang in der Loisachstadt das Gros zu einer Dixi-Toilette.

Wolfratshauser Flößer ist glücklich: Die Corona-Zwangspause ist beendet

Summa summarum kann Kapitän Jason Seitner erst eine gute halbe Stunde später als geplant ablegen. Zuvor erklärt der aus der Karibik stammende Flößer seinen internationalen Passagieren in englischer Sprache die Verhaltensregeln.

„Voll schön“, stellt der Freilassinger Florian März schon nach wenigen Metern Wasserweg fest. Auch Josef Seitner ist glücklich. Die gut zweijährige Corona-Zwangspause ist endlich beendet. „Wir haben uns gefühlt wie Fische ohne Wasser“, stellt er rückblickend fest. (ph)

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