Blitzeinschlag oder Gasexplosion im Klärwerk?

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Wolfratshausen - Durch eine „Gasexplosion“, das stellt Abwasserverbandschef Manfred Fleischer fest, ist auf der Kläranlage in Weidach am Sonntagabend ein Sachschaden von gut 200.000 Euro entstanden. Verletzt wurde niemand. Ob die Explosion die Folge eines Blitzschlags war, muss nun die Kripo ermitteln.

Die Explosion, die das Gebäude der so genannten Entgasungsstation laut Experteneinschätzung völlig zerstörte, ereignete sich gegen 18 Uhr. Da zeitgleich ein schweres Gewitter über den Landkreis zog, gingen die alarmierten Feuerwehrkräfte aus Weidach und Wolfratshausen zunächst davon aus, dass ein Blitz in das zirka sechs Meter hohe Gebäude eingeschlagen und einen Folgebrand ausgelöst hatte.

Vor Ort stellte Wolfratshausens Feuerwehrkommandant Robert Woppowa fest, dass „nichts mehr brennt“. Stattdessen hatte sich ein Großteil des Gebäudedaches gelöst – „es war quasi weggeflogen“, berichtet Weidachs Kommandant Robert Buxbaum. Durch das „ausgebauchte“ Mauerwerk zogen sich tiefe Risse. „Die mechanische Kraft“ der Explosion, von der auch Woppowa ausgeht, müsse „sehr, sehr stark“ gewesen sein.

Um die Steuerungselektronik in der Anlage vor Regenwasser und damit vor Folgeschäden zu schützen, deckten die Feuerwehren das Gebäude mit Kunststoffplanen provisorisch ab. „Wir hatten Glück im Unglück“, urteilt Manfred Fleischer, Vorsitzender des Abwasserverbandes Isar-Loisachgruppe. Niemand wurde verletzt, auch ein Mitarbeiter des Bereitschaftsdienstes, der rund um die Uhr die Messdaten auf der Kläranlage kontrolliert, kam mit dem Schrecken davon. Fleischer, der sich am Sonntagabend ein eigenes Bild von dem Ausmaß des Unglücks machte, geht von einer Undichtigkeit in der Entgasungsanlage aus. Mit Hilfe dieser Einrichtung wird Faulgas aus den insgesamt fünf, jeweils 1500 Kubikmeter fassenden Schlammstapelbehältern abgesaugt und in einen oberirdischen Methangastank umgeleitet. Das Volumen des außerhalb der Entgasungsstation stehenden Tanks: 450 Kubikmeter. Das Gas strömt schließlich in ein Blockheizkraftwerk, das die Kläranlage mit Energie versorgt. Erst vor fünf Jahren, so der Zweckverbands-Vorsitzende, sei die Entgasungsstation technisch komplett ertüchtigt worden. Sie habe sich seither als äußerst zuverlässig erwiesen.

Warum nun nach seiner Analyse Methangas ins Freie gelangte und sich entzündete, müssten genauere Untersuchungen zeigen. Fleischer schätzt den Sachschaden auf gut 200.000 Euro. „Das ist natürlich ein Fall für die Versicherung.“

Der Betrieb der Kläranlage laufe trotz des Unglücks reibungslos. Blitzeinschlag? Gasexplosion? Oder eine Gasexplosion nach Blitzeinschlag? Die Polizei will sich noch nicht festlegen. „Die Kripo Weilheim hat Ermittlungen aufgenommen“, sagte gestern Nachmittag Wolfratshausens Polizeichef Werner Resenberger.

Carl-Christian Eick

Blitzeinschlag oder Gasexplosion im Klärwerk Wolfratshausen?

Blitz schlägt im Klärwerk Wolfratshausen ein

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