Irrer Raser: Vater rettet kleine Tochter in letzter Sekunde

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Jetzt kann Antonia wieder strahlen: Das zehn Monate alte Mädchen war mit seinem Papa und dessen Freund in Lebensgefahr, als ein junger Autofahrer über die uneinsehbare Kuppe eines landwirtschaftlichen Nutzweges auf sie zuraste. Geistesgegenwärtig schleuderte der Vater den Kinderwagen mit seinem Töchterlein in den angrenzenden Acker und sprang selber zur Seite.

Bergkirchen/Unterbachern - Er wollte den Kick. Und hätte ums Haar drei Menschen auf dem Gewissen gehabt, darunter ein Baby: Ein 25-jähriger Autofahrer aus dem Landkreis hat nahe Bergkirchen eine unfassbar hirnlose Rallye-Einlage gewagt.

Antonia sitzt in ihrem Kinderwagen und lächelt. Der Wonneproppen hatte einen ganz großen Schutzengel: seinen Papa. Antonia wäre jetzt wohl tot, hätte ihr Papa nicht blitzschnell reagiert, als der Raser über eine Kuppe auf beide zugeschossen kam.

Papa Max A. (33, Name geändert) unternimmt mit Antonia, seinem Freund Florian L. (42, Name geändert) und zwei Hunden einen Nachmittagsspaziergang entlang der schmalen Straße von Bergkirchen nach Unterbachern (Landkreis Dachau). Es ist der vergangene Samstag. Völlig unvermutet rast ein aufgemotzter roter Polo mit Spoiler von hinten über eine Kuppe, die das Quintett gerade hinter sich gelassen hat. „Ich habe das Auto schon von weit weg gehört. Ein paar Sekunden später habe ich dann nur noch das Pfeifen von Rädern vernommen“, schildert der 33-jährige Unterbacherner die dramatischen Sekunden.

Geistesgegenwärtig packt der kräftig gebaute Mann den Kinderwagen, in dem die kleine Antonia sitzt und schleudert ihn mit aller Kraft in den angrenzenden Acker. „Dann bin ich links rein und mein Freund rechts“, sagt Max A. fassungslos. Vater, Tochter, der Dachauer Freund sowie Kurzhaar Bella hatten unglaubliches Glück. Sie blieben unverletzt. Nicht so Garo, der Hund von Florian L. Das Deutsch Drahthaar wird vom Auto frontal erfasst und gut 20 Meter weit auf das Feld geschleudert.

Der 25-jährige Unfallverursacher aus dem Landkreis Dachau hält an und steigt aus. Was dann passiert kann Antonias Vater immer noch nicht fassen. „Kommt der aus seinem Auto raus und sagt: Was haben Sie, mein Auto ist vorne kaputt“, glaubt er seinen Ohren nicht zu trauen. Immerhin: Der Unfallfahrer und seine Beifahrerin erklären sich bereit, den schwer verletzten Garo in eine Tierklinik zu bringen. Dort jedoch muss Garo eingeschläfert werden, seine Verletzungen sind zu stark.

Der Unfall hätte eigentlich nie passieren dürfen. Denn die Straße ist für Autos gesperrt. Nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge ist sie frei. Viele Familien und Hundebesitzer aus der Gegend nutzen die idyllische Verbindung für ihren täglichen Spaziergang. Nur 2,60 Meter misst der geteerte Weg. Er birgt aber drei tückische Kuppen, hinter denen die Straße nicht einsehbar ist. Auch ein geübter Fahrer hätte bei normalem Tempo keine Chance, die Trasse zu überblicken. Doch der 25-Jährige „bretterte mit mindestens Tempo 100 über den Weg“, schätzt Max. A. „Denn seine Bremsspur war 82 Meter lang. Ich hab’s nachgemessen.“ Der Familienvater kann es einfach nicht glauben, wie viel Glück sie alle bis auf den bedauernswerten Garo hatten.

Antonias Mama steckt der Schreck noch in allen Gliedern: „Ich bin so froh, dass sie alle noch leben. Der Gedanke, dass ich die Beiden verlieren könnte, ist unerträglich.“

Die Strecke mit den drei Kuppen verführt Geschwindigkeit-Junkies immer wieder zu Parforceritten. Therese Riedl und Therese Krömer können ein Lied davon singen. Beinahe jeden Tag gehen die beiden älteren Damen den Weg entlang. „Da gibt es viele, die rasen wie die Wilden“, sagen beide kopfschüttelnd. Nicht nur sie, viele Bewohner von Unterbachern sind bestürzt, dass Raser ihren Spazierweg immer wieder zur Rennstrecke machen. Nicht so Antonia. Sie sitzt ganz ruhig in ihrem Kinderwagen. Nichtsahnend, dass sie so viel Glück hatte – und ihren Papa.

Christiane Breitenberger / Thomas Zimmerly

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