Würstlbude verstellt Blick auf Künstlervilla

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„Unsensibel“ nennt Ariane Jungwirth vom Dachauer Bauamt die Sichtbeeinträchtigung auf die Rukteschell-Villa.

Dachau - Eine Würstlbude verstellt am Ortseingang von Dachau den Blick auf die neu renovierte Künstlervilla. Ein Ärgernis für die Stadt.

Nach vielen Jahren der Sanierung bildet das ehemalige Künstlerhaus von Walter und Clary von Ruckteschell an der äußeren Münchner Straße nun wieder einen augenfälligen Blickfang am Ortseingang zur Künstlerstadt Dachau.

Seit 2005 wurde das verfallene Haus unter anderem von der Jugendhilfe Brücke e.V. renoviert. Probleme mit der Statik und mit Holzschwamm verzögerten die Arbeiten unvorhersehbar. Ariane Jungwirth vom Dachauer Bauamt ist zufrieden: „Es hat sehr lange gedauert, aber wir sind zu einem sehr guten Ergebnis gekommen. Das Haus atmet seinen alten Charme.“

Nicht zufrieden ist die Bauamtsleiterin mit der Sichtbarkeit des Hauses, wenn man aus Richtung München kommt. Den Blick verstellt nämlich ein roter Würstchen-Stand, auf dem Gelände einer Kfz-Firma.

Der „rote Teppich“, mit dem der Dachauer Künstler Klaus Herbrich den Außenbereich und Teile der Fassade gestaltet hat, geht aus dieser Richtung ebenfalls völlig unter. „Das ist sehr unsensibel“, sagte Jungwirth, „und muss nochmals geprüft werden“.

Dass das Haus gerettet wurde, ist ursprünglich dem Engagement des Architekturforums Dachau zu verdanken, das hartnäckig auf seine historische Bedeutung und den schlechten Zustand hinwies.

Seit 1922 war das Haus an der Münchner Straße 84 Atelier und Wohnstätte des Malers und Bildhauers Walter von Ruckteschell (1882 bis 1941) und seiner Frau Clary Trueb (1882 bis 1969), einer Keramikerin. Es ist das erste Haus der Dachauer Künstlerkolonie am Ortseingang von Dachau. Walter von Ruckteschell kam nach dem Ersten Weltkrieg nach Dachau, erwarb das Haus, erweiterte es und bezog es 1923. Er machte es zur Begegnungsstätte für Dachauer Künstler.

1985 soll das Haus von der Stadt Dachau weit unter Baulandpreis gegen ein Grundstück am Udldinger Hang getauscht worden sein und dann unter Denkmalschutz gestellt. Jahrelang war das Haus privat vermietet, dann stand es leer und verfiel. Viele Jahre stand es zum Verkauf.

Nachdem endlich eine Nutzung gefunden worden war, entschloss sich die Stadt Dachau zur Renovierung. Das Erdgeschoss wurde wieder in seinen historischen Zustand gebracht und dient als Museum für das Künstlerehepaar.

Leihgaben und Schautafeln dokumentieren das künstlerische Schaffen sowie die Renovierung. Das Konzept zur Innenausstattung erarbeitete die Dachauer Kunsthistorikerin und Museumspädagogin Dr. Birgitta Unger-Richter. Im Obergeschoss befinden sich eine Wohnung und zwei Gästeräume, die für Musiker- und Künstlerstipendien zur Verfügung stehen. Seit Juli wohnen die beiden australischen Singer und Songwriter Tim McMillan und Brad Lewis in der Ruckteschell-Villa. Sie gestalten zur Eröffnung den musikalischen Rahmen.

sch

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