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Rinder im Stall angebunden: Tierschützer zeigen Landwirt an – „Besonders qualvolle Haltungform“

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Von: Tobias Gehre

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Rinder stehen angebunden in einem Stall. Diese Haltungsform steht seit Langem in der Kritik. Viele kleine Höfe, von denen es im Landkreis noch einige gibt, können die Investitionen in einen größeren Stall mit anderer Haltung finanziell allerdings kaum stemmen. symbo
Rinder stehen angebunden in einem Stall. Diese Haltungsform steht seit Langem in der Kritik. Viele kleine Höfe können die Investitionen in einen größeren Stall mit anderer Haltung finanziell kaum stemmen. (Symbolbild) © dpa

Die Tierschutzorganisation PETA hat einen Landwirt im Landkreis angezeigt. Grund: Der Bauer hält seine Rinder in der sogenannten Anbindehaltung. Der Bauernverband sieht in der Anzeige vor allem eine PR-Aktion der Tierschützer.

Landkreis Fürstenfeldbruck – Die Tierschutzorganisation beruft sich bei ihrer Anzeige auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Münster. Dieses habe im Februar die Anbindehaltung als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gewertet. „Jahrelange Forderungen nach der Abschaffung dieser besonders qualvollen Haltungsform werden damit erneut bestätigt“, teilt PETA mit. Insgesamt habe man Strafanzeigen gegen 26 Rinderhaltungsbetriebe in Süddeutschland erstattet – 19 davon liegen in Bayern und 7 in Baden-Württemberg.

„Das dauerhafte Anbinden von Rindern muss endlich in die Geschichtsbücher verbannt werden. Dieses mittelalterliche Haltungssystem ist körperliche und auch seelische Folter“, so Scarlett Treml, Fachreferentin für Tiere in der Agrarindustrie bei PETA Deutschland.

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Peta-Anzeige: Nur ein Geschäftsmodell?

Bei den Bauern im Landkreis kommt das Vorgehen der Tierschützer erwartungsgemäß nicht gut an. Bauernobmann Matthias Heitmayr aus Dünzelbach bezeichnet die Anzeige vor allem als PR-Aktion. „Ich unterstelle, dass das ein Geschäftsmodell ist, um im Gespräch zu bleiben und Spenden zu bekommen.“

Schönreden will Heitmayr die Anbindehaltung zwar nicht. Er verweist allerdings auf die vielen Herausforderungen bei der Umstellung auf eine andere Haltungsform – etwa einen Laufstall. Dafür seien hohe Investitionen nötig. Gerade kleinere Betriebe könnten das nicht stemmen. Außerdem sei bei der unsicheren Preisentwicklung vielen das Risiko zu hoch.

Peta-Anzeige und Hintergründe

Dass die Anbindehaltung vor allem in Bayern noch weit verbreitet ist, liege an der kleinteiligen Struktur der Landwirtschaft in Bayern. Während etwa im Norden der Republik vielerorts die Agrarindustrie das Sagen habe, gebe es in Bayern – und auch im Landkreis – noch viele Familienbetriebe. Diese sorgten auch dafür, dass die Kulturlandschaft erhalten bleibe.

Dennoch kein Grund für Matthias Heitmayr die Anbindehaltung zu verteidigen. Diese sei nicht mehr zeitgemäß. Die Gesellschaft wolle das nicht mehr. Allerdings müssten die Menschen dann auch ihre Wertschätzung für regionale Lebensmittel zeigen – und bereit sein, für das Tierwohl im Zweifel auch zu bezahlen.

Bundestierärztekammer forderte ebenfalls eine Abschaffung der Anbindehaltung

Dass Rinder im Stall nicht mehr angebunden werden sollen, forderte übrigens auch die Bundestierärztekammer – bereits im Jahr 2015. Die Kammer handelte sich damals massiven Ärger mit dem hessischen Bauernverband ein.

Fakt ist: Verboten ist die Haltungsform bis heute nicht. Darauf weist auch Matthias Heitmayr hin. Allerdings soll sich das nach dem Willen der Bundesregierung ändern. In spätestens zehn Jahren sollen Rinder im Stall nicht mehr dauerhaft angebunden werden dürfen.

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