„Ich bin jetzt grad am Ausflippen"

Amtsgericht: Zeugin legt filmreifen Auftritt hin

Wolfratshausen - Weil er seine zeitweilige Partnerin beleidigt und beschimpft hatte, stand ein 37-jähriger Penzberger nun vor Gericht.

Die Zeugin ist empört darüber, wie das Gericht mit ihr umgeht. „Ich? Ich führ mich auf?“ echauffiert sich die 27-jährige Kreutherin, als Richter Helmut Berger zu erkennen gibt, dass ihr filmreifer Auftritt seine Geduld gerade arg strapaziert. Für einen Moment unterbricht die überdrehte Wellnessmasseurin ihren Redeschwall. „Eine Minute bitte. Ich bin jetzt grad am Ausflippen.“ Die Aussagen der Frau hatten einen 37 Jahre alten Laborgehilfen aus Penzberg auf die Anklagebank des Wolfratshauser Amtsgerichts gebracht.

In der vergangenen Silvesternacht waren der Mann, die Zeugin, mit der er zeitweilig liiert war, sowie ein Bekannter der Frau gemeinsam auf Tour. Nachdem es in Starnberg am Ufer des Sees das Feuerwerk bestaunt und zur dortigen Disco keinen Zutritt erhalten hatte, war das Trio im Wolfratshauser Turm gelandet. Dort soll der Angeklagte seine Begleiterin in den frühen Morgenstunden als „Schlampe, Hure, Fotze, die ihre Freier mit nach Hause nimmt“, beleidigt und ihr später auf dem Weg zum Auto ein Feuerzeug an den Hals geworfen haben. Deshalb musste sich der Penzberger wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Der Mann bestritt die Vorwürfe und bezichtigte die Zeugin, ihn in der Diskothek wüst beschimpft zu haben. „Sie war eifersüchtig, meinte, ich hätte was mit einer Stripperin, die dort tanzte.“ Als die Beschimpfungen anhielten, habe er ein gefülltes Wodkaglas aus Wut in die Ecke geschmissen. „Aber das mit dem Feuerzeug ist gelogen“, beteuerte der 37-Jährige.

Die Begleiterin sah das anders. „Auf einmal hat der voll den Film geschoben, wirft ein Glas gegen eine wildfremde Person“, so die Kreutherin. Deshalb habe sie darauf gedrängt, zu gehen. Draußen sei ihr dann das Feuerzeug gegen den Hals geflogen. „Das hat voll den Knall gegeben!“ Zwar habe sie den Werfer nicht gesehen, aber dafür käme nur einer in Frage. „Ich hab’ ‘ne Theorie“, fuhr die Zeugin fort. „Bitte erzählen Sie uns die nicht“, bremste Richter Berger den Redefluss der Zeugin.

Als die Frau wenig später den Gerichtssaal verlassen hatte, nahm die Verhandlung nach zwei Stunden ein abruptes Ende. Der Mann war im Februar wegen Beleidigung vom Amtsgericht Miesbach zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Geschädigte war damals ebenfalls die 27-jährige Kreutherin. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde daher hinsichtlich des aktuellen Falls „von der Verfolgung abgesehen".

von Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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