Piepmatze auf dem Speiseplan

200 tote Vögel:  Delikatessen für den Teller

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Der Zoll am Münchner Flughafen stellte rund 200 tote Vögel sicher, die ein Mann in seinem Koffer dabei hatte. Die Tiere waren in Plastiktüten verpackt, der Reisende wollte sie zu Hause in Italien mit seiner Familie verspeisen.

München - Der Zoll hat am Münchner Flughafen 200 tote Singvögel im Gepäck eines Italieners (65) gefunden. Sie waren als Delikatesse gedacht-

Da schauderte es auch die erfahrenen Zollbeamten am Münchner Flughafen: Als sie am vergangenen Donnerstag den Reisekoffer eines 65-jährigen Italieners auf der Durchreise öffneten, fanden die darin 200 tote Singvögel - Wiesenpieper und Feldlerchen, verpackt in eine Plastiktüte. Besonders makaber: Die zarten Tiere sollten auf den Tellern seiner Familie in der Heimat landen.

Der Norditaliener war sich keiner Schuld bewusst. Er gab an, jedes Jahr nach Rumänien zu reisen, um Vögel zu jagen. Das sei sein Hobby. In Italien gelten Vögel als Delikatesse. „Das Problem aber ist, dass europäische Singvögel geschützt sind“, erklärt Thomas Meister vom Münchner Zoll. Und zwar doppelt: durch die Vogelschutzrichtline der EU und in Deutschland zusätzlich durch das Bundesnaturschutzgesetz.

Eine Feldlerche (Alauda arvensis).

„Der Zoll hat gegen den Mann ein Strafverfahren eingeleitet“, sagt Meister. Er werde nun wohl mehrere tausend Euro Strafe zahlen müssen. Die Vögel waren offenbar frisch gefangen worden. „Wir haben sie jetzt eingefroren. Nach der vollständigen Klärung des Falls werden wir sie vermutlich vernichten müssen.“

2006 hatte der Münchner Zoll sogar einen noch schlimmeren Fall: Damals hatte ein Mann 2000 Wiesenpiper transportiert. Das kommt häufiger vor, als man denkt. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) spricht von einem regelrechten „Jagdtourismus“: Hunderttausende Vögel würden jedes Jahr in Koffern illegal von Osteuropa nach Italien gebracht, auch durch Deutschland. Staaten wie Rumänien, Bulgarien oder Kroatien setzten die Schutzgesetze aber nur selten bis gar nicht um.

Noch häufiger gehen dem Zoll exotische Tiere ins Netz. „Lebende Tiere wie Schlangen oder Affen haben wir leider immer wieder“, sagt Thomas Meister vom Hauptzollamt. Ein Vorfall blieb besonders im Gedächtnis: Da hatte ein Australier 36 lebende Pythonschlangen im Gepäck!

2013 registrierte das Amt 153 Verstöße gegen das Artenschutzgesetz. Dabei wurden 1082 Tiere oder Tierprodukte wie Elfenbein sichergestellt.

nba

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