Zornedinger Kreis-Partei zieht Notbremse

Nach "Neger-Skandal": Rücktritte bei der CSU

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Ihre Wege trennen sich: Landrat Robert Niedergesäß hatte der Zornedinger CSU-Vorsitzenden Silvia Boher (links) den Rücktritt empfohlen, jetzt entschied die Kreis-CSU: Boher muss nach einem hetzerischen Artikel im Zornmedinger Mitteilungsblatt der Christsozialen ihren Hut nehmen.

Zorneding - Die Kreis-CSU zieht die Notbremse. Der Zornedinger Ortsverband der Christsozialen steht nach der Flüchtlingshetze der Vorsitzenden Boher vor Neuanfang.

Die CSU im Landkreis Ebersberg musste reagieren. Zu groß war das Unverständnis, die Verwunderung und auch die Empörung darüber, dass ein hetzerischer Artikel der Zornedinger Ortsvorsitzenden Silvia Boher bisher ohne Konsequenzen geblieben war. Jetzt musste Boher zurücktreten. Und auch ihr Vize Johann Haindl muss sein Amt abgeben. Boher hatte in einem Artikel Flüchtlinge aus Eritrea in die Nähe von Deserteuren gerückt, Haindl hatte den Ortspfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende als „Neger“ bezeichnet.

Am Montagabend war der Vorstand des CSU-Ortsverbandes Zorneding zu einer Sondersitzung zusammengekommen. An ihr nahm auch CSU-Kreisvorsitzender Thomas Huber teil.

Die Ergebnisse des Treffens wurden in einer Presseerklärung so kommuniziert:

Sylvia Boher sei mit sofortiger Wirkung als CSU-Ortsvorsitzende und als FU-Ortsvorsitzende zurückgetreten. Dazu wird Boher so zitiert: „Ich mache den Weg für einen Neuanfang frei, um weiteren Schaden für die CSU, der durch die dauerhafte Presseberichterstattung der letzten beiden Wochen entstanden ist, abzuwenden.“

Auch Johann Haindl ist mit sofortiger Wirkung als stellvertretender Zornedinger CSU-Ortsvorsitzender zurückgetreten. Er habe angekündigt, den Zornedinger Gemeinderat zu bitten, ihn von seinem Gemeinderatsmandat zu entbinden.

Wie geht es im Ortsverband weiter? Die bisherige stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Jutta Sirotek übernimmt bis zur nächsten Hauptversammlung, die im nächsten Frühjahr stattfinden wird, kommissarisch die Führung. Sie kündigte an, für eine Beruhigung des aufgewühlten politischen Klimas in Zorneding einzutreten. Deshalb werde sie zeitnah das Gespräch mit dem Pfarrer, dem Pfarrgemeinderat und den Zornedinger Bürgern, die sich ehrenamtlich um die Betreuung von Asylbewerbern kümmern, suchen. Gleichzeitig stellt sie fest, dass die Zornedinger CSU für Toleranz und gegen Rassismus stand und auch weiterhin stehen wird.

CSU-Kreisvorsitzender Thomas Huber dankte Sylvia Boher und Johann Haindl für deren langjähriges politisches Engagement und zollte ihnen Respekt für ihren jetzigen Schritt, betonte aber auch, dass diese personellen Konsequenzen unausweichlich waren, um einen notwendigen Neuanfang zu ermöglichen: „Die Zornedinger CSU muss sich neu aufstellen, weil in den letzten Wochen zu viel Tischtücher zerschnitten worden sind. Die CSU steht für Humanität und Solidarität gegenüber denen, die aus Kriegsgebieten flüchten müssen und zu uns kommen und Hilfe benötigen. Die CSU ist aber auch für die Begrenzung der Zuwanderung und für eine rasche Integration der hier lebenden schutzbedürftigen Flüchtlinge mit hoher Bleibeperspektive. Beides muss man betonen“, so Huber.

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