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Zug entgleist im Oberland: „Wir wurden richtig durchgeschüttelt“ – Was bisher bekannt ist

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Von: Barbara Schlotterer-Fuchs

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Ein BRB-Zug steht wie falsch geparkt im Gleisbett. Die Bahnmitarbeiter haben so etwas noch nicht gesehen. Der erste Schock sitzt bei Schülern und Einsatzkräften tief. Was zum Zugunfall von Peiting bisher bekannt ist.

Peiting – Morgens um halb acht schrillen Sirenen durch Peiting. Die Peitinger Feuerwehr hat alle Wehren im Umkreis informiert. Es ist von einem Bahnunfall die Rede. Betroffen ist der Zug, der morgens die Schüler aus Richtung Weilheim nach Schongau befördert. An die 50 Fahrgäste – fast ausschließlich Kinder und Jugendliche – sitzen im Zug.

Großalarm in Peiting: Bei Bahnunfall haben alle die Bilder von Garmisch im Kopf

Zu diesem Zeitpunkt weiß noch keiner, welches Ausmaß die Katastrophe tatsächlich hat. Ein Zug ist entgleist. Aber: Ist er umgekippt? Gibt es Verletzte? Tote? Die Verantwortlichen haben die schlimmen Bilder von Garmisch im Kopf. Peitings Feuerwehrkommandant Klaus Straub alarmiert weitflächig. Ein umgekippter Zug: Da wird nicht lange gefackelt.

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Erst vor Ort wird klar: Der Zug steht noch

Glück im Unglück: Der Zug springt zwar aus dem Gleisbett, rutscht aber zwischen zwei Gleisen in Fahrrichtung weiter, ohne umzukippen.
Glück im Unglück: Der Zug springt zwar aus dem Gleisbett, rutscht aber zwischen zwei Gleisen in Fahrrichtung weiter, ohne umzukippen. © Herold

Vor Ort wird klar: Der Zug ist entgleist, steht jedoch im Gleisbett. Bei allem Schrecken macht sich Erleichterung breit. Glück im Unglück: Denn an dieser Stelle, kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof, drosselt der Lokführer die Fahrtgeschwindigkeit. Für einige Feuerwehren gibt es Entwarnung. Trotzdem sind hier über 100 Einsatzkräfte im Einsatz. Blaulicht überall. Bundespolizisten holen einen Fahrgast nach dem anderen aus dem Zug, befragen jeden. Einigen, darunter sind viele Kinder, steht der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Zwei Fahrgäste stehen unter Schock. Sie werden von den Sanitätern behandelt.

„Es hat geschüttelt, viele sind erschrocken. Ich bin geschockt, wir wurden richtig durchgeschüttelt.“

Schülerin (12) über den Unfallmoment im entgleisenden Zug

„Ich habe erst gar nicht so recht überrissen, was passiert“, erzählt eine Jugendliche. „Es hat geschüttelt, viele sind erschrocken. Ich bin geschockt, wir wurden richtig durchgeschüttelt“, erzählt uns eine Zwölfjährige aus Hohenpeißenberg. Gemeinsam mit ihrer Freundin war sie auf dem Weg zum Schongauer Gymnasium. So wie jeden morgen. „ Ich hab mir nur gedacht: Was soll ich machen? Hoffentlich kippen wir nicht um.“

„Wir hatten richtig Glück, dass das kurz vor dem Bahnhof passiert ist“, sagt ihre Freundin. Wäre der Zug nur ein bisschen schneller gefahren: Nicht auszudenken, sagt sie. Diese Fahrt in die Schule werden die beiden Mädchen wohl so schnell nicht vergessen.

Ein Feuerwehrmann begleitet eine Schülerin aus der Gefahrenzone. Einige Schüler erlitten einen Schock.
Ein Feuerwehrmann begleitet eine Schülerin aus der Gefahrenzone. Einige Schüler erlitten einen Schock. © Herlod

Ungläubige Reaktion im Rathaus: „Der Zug ist entgleist“ – „Nein, das ist kein Witz“

Ein Peitinger Feuerwehrmann ruft bei der Gemeinde an. Jemand vom Bauhof soll kommen und das alte Bahnhofsgebäude Peiting-Ost aufsperren, damit sich die Leute, die aus dem Zug geleitet werden, aufwärmen können. „Der Zug ist entgleist.“ Ungläubige Reaktion am anderen Ende der Leitung. „Nein, das ist kein Witz“, sagt er.

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„Wir haben die Lage so weit überprüft und fangen als Nächstes mit der Bergung an“, erklärt ein Notfallmanager der Deutschen Bahn vor Ort. Es gibt keine Verletzten. Der Zug soll schnellstmöglich wieder auf die Gleise gebracht werden. Mit Luftkissen soll er angehoben und wieder auf die Schienen gebracht werden. Bis das so weit ist: Das kann dauern. Und überhaupt: Erst wenn der Zug weggeschafft ist, kann der Oberbau inspiziert werden. „Wir müssen erst die Fahrbarkeit überprüfen.“ Auszugehen sei davon, dass die Strecke erst mal gesperrt bleibt. Die Frage danach, wie es zu der Entgleisung hatte kommen können? Dazu will der Krisenmanager erst mal keine Aussage machen.

Wir erinnern uns an Garmisch: Hier sucht man bis heute nach der Ursache – eines Unglücks, das mehrere Tote gefordert hatte. Auch die Bundespolizei, die für Unglücke in Sachen Bahn zuständig ist, ist vor Ort. „Wir ermitteln jetzt erst mal und versuchen herauszufinden, was die Ursache ist“, so Andreas Reif von der Bundespolizei. „Ist es technisches oder menschliches Versagen?“ All dies müsse erst geklärt werden.

Ratloses Kopfschütteln bei den Bahn-Mitarbeitern – So etwas hätten sie noch nicht gesehen

Drei Stunden nach dem Unglück untersuche Bahn-Mitarbeiter die Unglücksstelle. Noch immer liegt der Zug im Gleisbett. Eine Schiene ist gebrochen. Eine Folge des Unglücks? Oder die Ursache? Ratloses Kopfschütteln bei den Bahn-Mitarbeitern. So etwas hätten sie noch nicht gesehen. An eine schnelle Wiederaufnahme des Zugverkehrs auf der Strecke zwischen Weilheim und Schongau kann man in diesem Moment erstmal nicht glauben.

Es dauert Stunden, bis ein Spezialtrupp angerückt ist, der den Zug wieder auf die Schiene bringt. Und hier schreiben wir noch munter weiter, wenn das Spezialgerät dann tatsächlich endlich mal angerückt ist. Das alles wird noch lange dauern.

Für die angerückten Rettungskräfte ist der Einsatz schneller beendet, als befürchtet. Bei so einem Einsatz, da sei schon „einiges am Rollen gewesen“, erklärt Kommandant Klaus Straub. Mitalarmiert hat man großflächig, in Richtung Süden bis in den Lechrain nach Apfeldorf. Die Zahl der eingesetzten Feuerwehrmänner hätte man dann schnell reduziert, als klar war, dass der Zug nicht umgefallen und sich hier in Peiting keine Tragödie wie bei Garmisch abspielt. „Die Lage hat sich schnell deeskaliert - auch wenn die Alarmierung so gewesen war, dass der Zug auf der Seite liegen könnte. Dann schaut die Sache ganz anders aus.“

Trotzdem ist das Blaulicht-Aufgebot gigantisch. Die Peitinger Wehr ist mit fünf Fahrzeugen und 35 Mann und fünf Fahrzeugen vor Ort, Schongau mit 25 Mann und vier Fahrzeugen. Hinzu kommen Männer des THW, Rettungskräfte, Männer der PI Schongau sowie Bundespolizei. Am Ende des Tages gehen sie nach Hause und wissen: Diese Katastrophe in Peiting hätte schlimm enden können.

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