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Nach Zugunglück bei Garmisch: Wie lange bleibt das Bahn-Chaos noch? Schwere Kritik von Experten

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Plakat einer Tutzingerin zum Zugunglück.
Dieses Plakat hat eine Tutzingerin gemalt und bei einer Demonstration in Weilheim präsentiert. © Andreas Bretting

Anfang Juni geschah das schreckliche Zugunglück in Burgrain. Bis die Schienen erneuert sind, scheint es allerdings noch etwas zu dauern - zum Ärger der Betroffenen.

Garmisch-Partenkirchen – Julia Reich aus Tutzing hat zum Stift gegriffen, um ihre Wut auf die Bahn loszuwerden. Die 47-Jährige malte ein Plakat mit den Zugstrecken rund um die Unglücksstelle bei Burgrain, wo Anfang Juni ein Zug entgleiste und fünf Menschen starben. Zu sehen: Überall herrscht Chaos. Viele Menschen sind betroffen. Pendler. Schulkinder, die im Schienenersatzverkehr morgens und mittags je ein Stunde länger unterwegs waren. Im Ersatzverkehr verlorene Besucher aus den USA, die meinten: „So haben wir uns Deutschland nicht erwartet.“

Nach dem Unglück vor zwei Monaten ist noch immer nicht klar, wann sich der Bahnverkehr wieder normalisiert. Aktuell fungiert Murnau als Drehscheibe für die Weiterreise nach Oberammergau, Mittenwald und Garmisch. Alles im Bus mit entsprechenden Verspätungen. Fahrgäste, aber auch Experten fragen sich: Wann rollen die Züge wieder?

Zugunglück bei Garmisch: Erneuerung der Schienen sehr aufwändig

Die Deutsche Bahn legt sich nicht fest. Frühestens am 16. August sei eine Wiederinbetriebnahme der Unglücksstrecke möglich, heißt es in einem internen Papier. Und weiter heißt es mit Verweis auf die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen: Die Instandsetzung ziehe sich hin. Experten kritisieren die Verzögerungen. „Wenn diese Baustelle Priorität hätte, wäre das binnen weniger Wochen fertig“, sagte der Professor für das Fachgebiet Schienenfahrzeuge an der TU Berlin, Markus Hecht.

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Selbst nach dem ICE-Unglück von Eschede sei nach kurzer Zeit wieder gefahren worden, sagte Hecht. Die Bahn muss in dem Garmischer Fall allerdings rund 700 Meter Schienen sowie 500 Schwellen erneuern. Die Erneuerung der Schwellen sei aufwendig, räumt Hecht ein. „Es ist wie ein Gleisneubau und benötigt einige Tage.“ Die Bahn habe zu viele Baustellen – und zu viele Langsamfahrstellen. Das koste Zeit und damit Geld – und beeinträchtige den Bahnverkehr gerade bei der hohen Nachfrage wegen des Neun-Euro-Tickets und der Urlaubszeit.

Ähnlich äußerte sich Thomas Strang, Experte für Kommunikation und Navigation am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Er kritisierte auch die Informationspolitik der Bahn. „Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse, informiert zu werden, auch über Zwischenstände.“ Der Sanierungsstau aus Jahrzehnten lasse sich nicht kurzfristig beheben, sagte Strang. Er sprach sich deshalb für Messtechnik an normalen Zügen aus. Mit preiswerten Sensoren könnten bei regulären Fahrten permanent mögliche Schwachstellen frühzeitig erkannt werden. - Mit Material von dpa.

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